Stand: 20.05.2019 12:32 Uhr

Osteoporose: Knochenschwund früh erkennen

In Deutschland leidet geschätzt jeder Vierte über 50-Jährige an Osteoporose. Insgesamt sind etwa acht Millionen Menschen betroffen - genaue Zahlen gibt es nicht, da die Krankheit häufig unerkannt bleibt. Über Jahre bemerken die Erkrankten nichts vom verstärkten Abbau ihrer Knochenmasse. Osteoporose macht die Knochen porös und kann zu Brüchen führen: Jährlich gehen rund 400.000 Frakturen an Unterarm, Schenkelhals oder Wirbelsäule auf den Knochenschwund zurück. Im fortgeschrittenen Stadium verursacht die Osteoporose chronische Schmerzen und schränkt die Bewegungsfähigkeit ein.

Fachleute gehen davon aus, dass nur jeder fünfte Osteoporose-Patient rechtzeitig erkannt und therapiert wird. Die Hälfte aller Betroffenen sind jünger als 50 Jahre, ein Drittel sind Männer.

Eine Frau wird in ein CT-Scangerät geschoben.

Osteoporose: So bleiben die Knochen stark

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Eine Osteoporose entwickelt sich schleichend: Betroffene merken oft viele Jahre nichts vom Abbau ihrer Knochenmasse. Dabei ist es wichtig, früh Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

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Ursache sind Veränderungen im Knochenstoffwechsel

Knochen bestehen aus einem Eiweißgerüst, in dem die Mineralstoffe Kalzium und Phosphor eingelagert sind - das verleiht ihnen die Härte. Sie sind allerdings auch bei Erwachsenen nicht ausgewachsen und fertig, sondern ständig im Umbau. Die Umbauarbeiten am Knochengewebe übernehmen spezielle hormongesteuerte Zellen (Osteoblasten und Osteoklasten). Bis etwa zum 30./35. Lebensjahr überwiegt die Verdichtung des Knochens, anschließend der Knochenabbau. Bei der Osteoporose sind die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) deutlich aktiver als die knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten): Der Abbau geht zu schnell, der Knochen wird porös.

Knochenaufbau und -abbau: Wie Bewegung wirkt

Zu den Hauptgründen für den beschleunigten Knochenabbau gehören Bewegungsmangel und fehlendes Vitamin D. Ohne das bei Sonneneinstrahlung in der Haut gebildete Vitamin kann der Organismus kein Kalzium in den Stoffwechsel schleusen.

Risikofaktoren für Osteoporose

Alkoholmissbrauch und Nikotin beeinträchtigen den Knochenstoffwechsel, ebenso bestimmte Medikamente, beispielsweise Magensäureblocker und Kortison. Bei rheumatoider Arthritis und anderen Rheuma-Erkrankungen beschleunigt sich häufig der Knochenschwund, weil die Entzündungen den Knochenabbau aktivieren. Eine oft übersehene Ursache für eine Osteoporose bei älteren Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion kann eine Überdosierung des Schilddrüsenhormons L-Thyroxin sein. Da der Bedarf an Schilddrüsenhormonen im Alter abnimmt, muss die Dosierung dieser lebenslangen Therapie von Zeit zu Zeit überprüft werden.

Werden die Knochen schon in jungen Jahren porös (juvenile Osteoporose), liegt ein Defekt im sogenannten wnt1-Gen vor. Ein Drittel der Osteoporose-Fälle sind erblich bedingt. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Risikofaktoren.

Osteoporose-Risikofaktoren bei Frauen:

  • Die letzte Menstruation liegt mehr als zehn Jahre zurück.
  • Der Abstand zwischen der ersten und der letzten Menstruation beträgt weniger als 30 Jahre (späte erste Regelblutung oder frühe Wechseljahre).
  • Die Menstruation hat einmal für mehr als ein Jahr ausgesetzt.
  • Eine Antihormonbehandlung wurde/wird durchgeführt (zum Beispiel bei Brust- oder Eierstockkrebs).
  • Mindestens ein Elternteil hatte einen Oberschenkelhalsbruch.

Osteoporose-Risikofaktoren bei Männern:

  • Ein Alter über 70 Jahre.
  • Eine Antihormonbehandlung wurde/wird durchgeführt (zum Beispiel bei Prostatakrebs).
  • Ein Testosteronmangel liegt vor.

Osteoporose-Risikofaktoren für beide Geschlechter:

  • Mehr als dreimonatige Einnahme von mindestens 7,5 mg Kortison pro Tag.
  • Ein Knochen ist schon ein Mal ohne schweren Unfall oder Verletzung gebrochen.
  • Heute oder früher über lange Zeit Übergewicht.
  • Rauchen, Alkohol, zu wenig Bewegung.
  • Krankheiten wie: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Diabetes, Rheuma, Überfunktion der Schilddrüse oder der Nebenschilddrüsen, Blutarmut und Nierenfunktionsstörungen.
  • Einnahme vieler Medikamente gleichzeitig.

Symptome von Osteoporose

Folgende Anzeichen deuten auf den beschleunigten Knochenschwund hin:

  • Knochenbrüche aus geringfügigem Anlass.
  • Akut auftretende, anhaltende Rückenschmerzen.
  • Größenverlust um mehr als vier Zentimeter innerhalb eines Jahres.
  • Sehr niedriges Körpergewicht oder ungewollter Gewichtsverlust um mehr als zehn Prozent.
  • Verringerung des Rippen-Becken-Abstandes auf unter zwei Finger Breite.

Diagnose des Knochenschwunds

Frauen ab 60 und Männer ab 70 Jahren sollten ihr Osteoporose-Risiko abklären lassen, ebenso wer zu einer der genannten Risikogruppen gehört. Mit einer Knochendichtemessung (DXA) lässt sich die Osteoporose binnen 20 Minuten diagnostizieren. Dabei durchleuchten Röntgenstrahlen in geringer Dosis die Lendenwirbelsäule und den Oberschenkelhals. Die bei der DXA-Messung ermittelte Knochendichte wird als sogenannter T-Wert angegeben. Er beschreibt, um wie viele Einheiten die gemessene Knochendichte von der abweicht, die man für eine 30-jährige Person als Standard angenommen hat.

Bei einem T-Wert zwischen 0 und -1 ist die Knochendichte normal. Bei einem T-Wert zwischen -1 und -2,5 spricht man von einer verringerten Knochendichte (Osteopenie). Bei einem T-Wert von -2,5 und weniger liegt eine Osteoporose vor. Wenn es bereits einen oder mehrere Brüche gegeben hat, spricht man von einer manifesten Osteoporose.

Die Krankenkasse zahlt eine Knochendichtemessung meist nur, wenn die Diagnose Osteoporose schon vorliegt. Experten kritisieren das, denn die Untersuchung ist ja gerade ein wichtiges Werkzeug, um Osteoporose festzustellen und so Knochen zu retten. Für Selbstzahler kostet die Messung circa 50 bis 60 Euro. Eine Knochendichtemessung per Ultraschall - wie sie oft von Frauenärzten als IGel-Leistung angeboten wird - ist zur systematischen Osteoporose-Früherkennung nicht geeignet.

Behandlung von Osteoporose: Multimodaler Ansatz

Gegen den Knochenschwund kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Immens wichtig - auch schon zur Vorbeugung - sind aber überdies eine kalziumreiche Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung im Freien. Wurde eine Osteopenie oder Osteoporose diagnostiziert, sollten alle zwei Jahre die Knochendichtemessung wiederholt und die Medikamenteneinstellung regelmäßig überprüft werden.

Kalzium und Vitamin D für starke Knochen

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Kalziumreiches Essen hilft bei Osteoporose: Naturjoghurt mit Himbeeren, Brokkoli mit Schnittlauchquark, Vollkornbrot mit Hüttenkäse.

Täglich müssen dem Körper mindestens 1.000 Milligramm Kalzium zugeführt werden - bei Knochenschwund empfehlen Mediziner eine Tagesdosis von 1.300 Milligramm. Kalzium steckt in vielen Lebensmitteln, vor allem in fettarmen Milchprodukten, aber ebenso in Nüssen und Samen, in dunkelgrünem Gemüse, Beeren, Kiwi und Trockenfrüchten, zudem in einigen Mineralwassersorten.

Vitamin D lässt sich kaum in ausreichender Menge aus der Nahrung beziehen, dafür kann unser Körper es aber unter Einwirkung des natürlichen UV-Lichts selbst bilden und sogar Vitamin-D-Vorräte in der Leber einlagern. In Deutschland reicht die Sonneneinstrahlung allerdings nur im Sommerhalbjahr aus. Im Sommer also täglich an der frischen Luft bewegen, im Winter sollte Vitamin D über ein Präparat ergänzt werden.

Bewegung verbessert die Knochendichte

Bewegung spielt ohnehin eine zentrale Rolle, um die Knochendichte wieder zu verbessern. Wichtig ist vor allem die mechanische Stoßbelastung, die den Knochenaufbau stimuliert. Für Jüngere ist zum Beispiel Seilhüpfen geeignet, für Ältere forciertes Treppensteigen oder Walking - oder auch gezieltes Krafttraining unter Aufsicht im Fitnessstudio. Gezielte Bewegungstherapie stärkt die Muskulatur und Knochen in jedem Alter.

Behandlung durch Medikamente und Spritzen

Daneben gibt es spezielle Medikamente, die in den Knochenstoffwechsel eingreifen. Neben Kalzium- und Vitamin-D-Präparaten werden vor allem sogenannte Bisphosphonate verschrieben. Sie hemmen die Osteoklastenaktivität und somit den Knochenabbau.

Reicht diese Wirkung nicht aus, können Mediziner inzwischen auch gentechnisch hergestellte Antikörper einsetzen, die die Bildung, Funktion und das Überleben der Osteoklasten stören. So lässt sich der Knochenschwund stoppen und vielleicht sogar ein wenig rückgängig machen.

Ein weiterer Therapieansatz ist die Aktivierung der Osteoblasten mit einem ebenfalls gentechnisch hergestellten Wirkstoff aus der Gruppe der Nebenschilddrüsenhormone. Er wird einmal täglich gespritzt, soll den Knochenaufbau stimulieren und zusätzlich dafür sorgen, dass knochenstärkendes Kalzium aus der Nahrung oder aus Medikamenten besser aufgenommen wird.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Michael Amling, Direktor   
Prof. Dr. Florian Barvencik, Ltd. Oberarzt
Institut für Osteologie und Biomechanik
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Lottestraße 59
22529 Hamburg
(040) 74 10-562 42
www.iobm.de

Prof. Dr. Roman Fischbach, Chefarzt
Institut für Radiolologie und Neuroradiologie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1, 22763 Hamburg
(040) 18 18 81 18 11
www.asklepios.com

Prof. Dr. Lars Gerhard Großterlinden, Chefarzt
Zentrum für Orthopädie, Unfall- und Wirbelsäulenchirurgie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1, 22763 Hamburg
(040) 18 18 81 16 22
www.asklepios.com

Weitere Informationen
OSD Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverband e.V.
18.-März-Straße 23 a
99867 Gotha
(03621) 51 25 81
www.osd-ev.org
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Visite | 21.05.2019 | 20:15 Uhr

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