Stand: 11.02.2019 11:57 Uhr  - Visite  | Archiv

Osteoporose: Wirbelbruch-OP oft unnötig

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Bei einem Wirbelbruch raten viele Ärzte zur Operation.

Osteoporose ist eine häufige Ursache für den Bruch eines Wirbelkörpers. Gebrochene Wirbel sind äußerst schmerzhaft, denn an ihrer Oberfläche befindet sich eine sehr empfindliche Knochenhaut. Weil ein Wirbelbruch nicht geschient werden kann, reizen kleinste Bewegungen die Nerven und verursachen Schmerzen.

Jahrelang wurden gebrochene Wirbelkörper mit Knochenzement regelmäßig stabilisiert und aufgerichtet. Doch bei einem Wirbelbruch durch Osteoporose sind nach Ansicht von Experten neun von zehn Operationen unnötig. Denn der Eingriff birgt Risiken.

Wirbel operieren: Kyphoplastie und Vertebroplastie

Für die Operation bei einem Wirbelbruch durch Osteoporose gibt es zwei Verfahren. Sinnvoll sind sie nach Ansicht von Experten nur dann, wenn konservative Therapien mit starken Schmerzmitteln nicht anschlagen.

  • Vertebroplastie: Der Knochenzement wird bei diesem älteren Verfahren direkt in den defekten Wirbelkörper gedrückt. Durch den hohen Druck kann der Zement ins umliegende Gewebe austreten, in das Gefäßsystem gelangen und eine Lungenembolie auslösen.

  • Kyphoplastie: Bei diesem neueren Verfahren wird ein Ballon eingeführt, der den Wirbelkörper aufrichtet. Danach wird der entstandene Hohlraum mit Knochenzement gefüllt. Dabei kann zwar kein Knochenzement austreten. Dennoch ist das Verfahren nur in speziellen Fällen sinnvoll.

Beide Eingriffe werden in Vollnarkose oder unter örtlicher Betäubung durchgeführt und dauern in der Regel nicht länger als 60 bis 90 Minuten. Bereits kurze Zeit nach der Operation kommt es in der Regel zu einer erheblichen Linderung der Schmerzen. Noch am Operationstag können Betroffenen wieder aufstehen. Das Krankenhaus können sie in der Regel nach wenigen Tagen verlassen.

Wirbelbruch heilt oft von allein

Etwa acht Wochen dauert es, bis ein Wirbel von allein wieder zusammengewachsen ist. Bis die Schmerzen abgeklungen sind und alles verheilt ist, vergeht ein Vierteljahr. Wichtig für die natürliche Heilung:

  • Osteoporose-Behandlung mit Medikamenten zum Knochenaufbau, etwa Kalzium und gegebenenfalls Vitamin-D-Präparate
  • in einigen Fällen eine äußere Stabilisierung durch ein Korsett
  • Muskeltraining
  • Schmerzmittel

Weitere Informationen

Osteoporose erkennen und behandeln

Experten schätzen, dass nur jede fünfte Osteoporose-Erkrankung rechtzeitig erkannt und therapiert wird. Welche Tests zur Früherkennung gibt es und wie wird behandelt? mehr

Experten zum Thema

PD Dr. Frank Gossé, Leitender Arzt
Facharzt für Allgemeine Chirurgie, Facharzt für Orthopädie Zentrum für operative und konservative Orthopädie
Annastift e. V.
Anna-von-Borries-Straße 1-7
30625 Hannover
(0511) 535 40
www.dr-gosse.de

PD Dr. Marc Dreimann, Leitender Arzt
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Klinik für Unfall- Hand und Wiederherstellungschirurgie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
(040) 741 05 61 25
www.uke.de

Christian Hinz, Chefarzt
Facharzt für Orthopädie
Am Hylligen Born 7
31812 Bad Pyrmont
(05281) 15 14 02
www.klinik-der-fuerstenhof.de

Weitere Informationen
Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e. V.
Kirchfeldstr. 149
40213 Düsseldorf
0211 301314 0
www.osteoporose-deutschland.de

OSD - Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverband e. V.
18.-März-Straße 23 a
99867 Gotha
www.osd-ev.org

Netzwerk Osteoporose
Ludwigstraße 22
33098 Paderborn
(05251) 280586 oder 21120
www.netzwerk-osteoporose.de

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