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Untergewicht erkennen und behandeln

Stand: 08.02.2022 10:51 Uhr

Wenn der Körper an seine Reserven geht, liegt das oftmals an einer Grunderkrankung und den Nebenwirkungen ihrer Behandlung. "Mehr essen" allein hilft meist nicht, um zuzunehmen.

Wer mit Übergewicht zu kämpfen hat, kann sich kaum vorstellen, dass das Gegenteil genauso zum Problem werden kann: Untergewicht - aufgrund von Krankheit, Alter oder zu geringer Kalorienaufnahme. Wenn die Pfunde purzeln und der Körper an seine Reserven geht, ist Vorsicht angebracht. In den meisten Fällen ist das ein Alarmsignal, dass wichtige Nährstoffe fehlen oder nicht aufgenommen werden können.

Bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 18,5 und darunter spricht man von Untergewicht. Allerdings bestimmen auch die Erbanlagen und der Körperbau, ob das Gewicht noch in Ordnung ist. Solange keine Mangelerscheinungen an Vitaminen und Mineralstoffen auftreten, muss man nicht zwangsläufig etwas unternehmen.

Untergewicht ist Risikofaktor für Krankheiten

Bei starkem Untergewicht und Mangelernährung erhöhen sich jedoch das Infektionsrisiko und die Sterblichkeit - da wird es also bedrohlich. Mangelernährung liegt oftmals an einer chronischen Krankheit und den Nebenwirkungen ihrer Behandlung. Bei einer deutlichen Abmagerung (zum Beispiel durch längeres Fasten, Magersucht, Schilddrüsenüberfunktion) sprechen Mediziner von Inanition, der Körper baut die Speicherfettdepots ab.

Manche Erkrankungen begünstigen Untergewicht

Bestimmte schwere Krankheiten gehen darüber hinaus mit körperlicher Auszehrung (Kachexie) einher: Wenn die Fettdepots leer sind, verbrennt der Körper seine Muskelmasse und sein Baufett - also die letzten Fettreserven, zum Beispiel unter den Fußsohlen, am Gesäß, das Pufferfett um die inneren Organe und unter dem Augapfel. Das kann beispielweise bei Krebs passieren (Tumorkachexie), bei Asthma, COPD und anderen chronischen Lungenerkrankungen (pulmonale Kachexie, deutsch: lungenbedingte Magersucht) oder bei chronischen Darmerkrankungen. Hier ist dringend eine ernährungsmedizinische Intervention erforderlich.

Symptome von Untergewicht

Untergewichtige fühlen sich häufig nur eingeschränkt leistungsfähig, sind müde und haben Konzentrationsstörungen. Durch Unterernährung können Vitamin- oder Mineralstoff-Mangelerscheinungen auftreten, etwa Risse in den Mundwinkeln, trockene Haut und häufige Infekte. Untergewicht verlangsamt den Stoffwechsel und bei Kindern das Wachstum. Bei Frauen kann die Menstruationsblutung ausbleiben.

Diagnose von Untergewicht

Der BMI wird berechnet, indem man das eigene Körpergewicht durch das Quadrat seiner Körpergröße in Metern teilt. Beispiel: Ein Mann ist 1,82 Meter groß und 61 Kilo schwer - er hat einen BMI von 61 : (1,82 x 1,82) = 18,4. Das bedeutet: Sein BMI liegt unterhalb des Normalgewichts, er ist untergewichtig. Der Arzt kann mithilfe einer Spezialwaage mit elektrischer Widerstandsmessung, der sogenannten bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA), zudem den Anteil an Fett- und Muskelmasse im Körper feststellen. Diese Messung gibt ein genaueres Bild über den Ernährungszustand als der reine BMI-Wert.

Untergewicht ist nicht dasselbe wie Mangelernährung

Um zu ermitteln, ob neben dem Untergewicht eine Mangelernährung vorliegt, wird der Arzt Blut abnehmen und den Status an Vitaminen und Mineralstoffen im Labor untersuchen lassen. Die Nüchternblutwerte können auch auf eine Schilddrüsenfehlfunktion oder andere mögliche Ursachen des Untergewichts hinweisen.

Therapie: Richtige Ernährung gegen Untergewicht

Patienten sehen zu, wie die Ärztin am Mixer hantiert. © NDR
Sahnige Fruchtshakes liefern Eiweiß und Kalzium, die Untergewichtige für ihre Muskeln und Knochen brauchen.

Ziel der Ernährungstherapie ist eine langfristige Gewichtszunahme - auf Grundlage einer Kalorienzufuhr von 2.500 bis 3.000 Kalorien pro Tag. In erster Linie ist das durch eine vollwertige Kost mit höherer Kaloriendichte zu erreichen, weniger durch eine größere Nahrungsmenge. Basis der Ernährung sollten Gemüse, Obst und Vollkornprodukte sein, die mit frischem Seefisch, Eiern und fettreichen Milchprodukten ergänzt werden.

Untergewichtige Krebspatienten profitieren gleich doppelt von Fisch, denn er enthält L-Carnitin. Studien haben gezeigt, dass dieser Eiweiß-Baustein nach einem Tumor der Bauchspeicheldrüse die Gewichtszunahme fördert.

Milch, Sahne und Quark enthalten Eiweiß, das wir für den Erhalt unserer Muskeln brauchen, und Kalzium für die Knochen. Untergewichtige Menschen, auch jüngere, haben ein erhöhtes Risiko für Osteoporose und damit für Knochenbrüche. Gutes Eiweiß steckt auch in Hülsenfrüchten wie Erbsen, Linsen und Bohnen, in Nüssen und Samen.

Gleichzeitig sind hochwertige Pflanzenöle wichtig, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind. Sie stärken das Immunsystem.

Genügend Bewegung wichtig bei Untergewicht

Eine weitere entscheidende Säule der Therapie ist regelmäßige Bewegung. Nur wenn der Körper genügend Sauerstoff aufgenimmt, wird auch die Nahrung richtig verstoffwechselt. Lungenkranke sollten zusätzlich ein spezielles Atemtraining machen, denn eine falsche oder ineffektive Atmung kostet den Körper Energie, sodass er nicht zunehmen kann.

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 29.08.2022 | 21:00 Uhr

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