In einem Labor werden PCR-Tests durchgeführt. © picture alliance/dpa | Henning Kaiser Foto: Henning Kaiser

Neue Omikron-Varianten: Wie gefährlich sind BA.4 und BA.5?

Stand: 09.05.2022 12:02 Uhr

Zwei neue Omikron-Varianten sorgen in Südafrika für steigende Fallzahlen: BA.4 und BA.5. Schon die erste Variante hat für Millionen Corona-Infektionen gesorgt. Doch Experten sehen die Entwicklung gelassen.

Kaum sinken hierzulande im Frühling die Corona-Fallzahlen, kommen aus Südafrika schon wieder beunruhigende Nachrichten: Mit BA.4 und BA.5 sorgen zwei neue Omikron-Varianten für eine steigende Zahl an Corona-Infektionen. Ende vergangenen Jahres wurde die erste Omikron-Variante BA.1 in Südafrika entdeckt, bevor sich weltweit Millionen damit infizierten.

Große Corona-Infektionswellen durch Delta und Omikron

Deutsche Experten beobachten jede neue Corona-Variante, betrachten BA.4 und BA.5 aber eher gelassen. Bisher gab es hierzulande vier verschiedene dominierende Varianten, die sich abgelöst haben. Zunächst verdrängte Alpha den Wildtyp, also das ursprünglich im chinesischen Wuhan entdeckte Virus. Beta und Gamma tauchten auf, konnten sich aber nicht durchsetzen. Große Infektionswellen haben erst Delta und Omikron ausgelöst.

Sars-Cov-2 mit jeder neuen Variante ansteckender

Die Corona-Viren vermehren sich in den menschlichen Zellen und fertigen in kürzester Zeit Millionen Kopien von sich selbst an. Bei der Vervielfältigung der Erbinformation kommt es immer wieder zu Kopierfehlern. Trägt eine dieser Veränderungen dazu bei, dass das Virus leichter in menschliche Zellen eindringen kann und somit infektiöser wird, kann sich diese Mutation auf Dauer durchsetzen.

Im Laufe der Zeit wurde Sars-CoV-2 so mit jeder Variante immer ansteckender. Ob sich diese Entwicklung noch weiter fortsetzen kann, ist unklar. Denn schon die Omikron-Variante ist so ansteckend wie die Masern, das bisher ansteckendste bekannte Virus.

Wettlauf zwischen Mensch und Virus

Am Anfang der Pandemie war das Coronavirus zwar noch nicht so ansteckend wie heute, aber dafür gefährlicher. Unser Umgang mit dem Virus hat sich im Laufe der Zeit geändert und das Infektionsgeschehen beeinflusst. Als der Wildtyp und die Alpha-Variante dominierten, waren weder Impfung noch ausreichend Masken verfügbar. Obwohl das Virus damals noch nicht so ansteckend war, starben viele Menschen, weil sie sich nicht schützen konnten.

Das betraf vor allem die Risikogruppen, alte und vorerkrankte Menschen. Wer krank wurde, musste häufig im Krankenhaus behandelt werden. Medikamente zur gezielten Behandlung gab es noch nicht, die Therapien mussten erst entwickelt werden. Verglichen mit heute waren die Fallzahlen aber sehr niedrig.

Schwere Lungenentzündungen durch Delta-Variante

Als die wirksamen Impfungen für immer mehr Menschen verfügbar wurden und vor der Alpha-Variante schützten, setzte sich die ansteckendere Delta-Variante durch. Sie konnte die Immunabwehr teilweise umgehen, sodass zwei Impfdosen nötig waren und die Schutzwirkung schon nach wenigen Monaten langsam nachließ.

Und Delta war auch gefährlicher, vor allem für Ungeimpfte. Denn Delta führte häufiger zu einer schweren Lungenentzündung als die früheren Varianten. In einigen Regionen, wo es viele Ungeimpfte gab, konnten schwer kranke Menschen nicht mehr auf Intensivstationen versorgt werden und mussten quer durch Deutschland zu einem freien Intensivbett geflogen werden.

Omikron: ansteckender, aber weniger gefährlich

Das änderte sich mit der noch ansteckenderen Omikron-Variante. Sie führte zwar zu sehr hohen Fallzahlen, aber nicht zu einer Überlastung der Intensivstationen. Denn selbst bei Ungeimpften kam es kaum zu schweren Lungenentzündungen und geimpft musste so gut wie niemand mehr auf der Intensivstation behandelt werden.

Die Erklärung: Das Coronavirus hatte sich extrem verändert: an mehr als 30 Stellen allein auf dem Spikeprotein, mit dem das Virus in die menschlichen Zellen eindringt und an das auch die Antikörper andocken. Diese Veränderungen machen das Virus zwar extrem ansteckend, sogar für Geimpfte, aber einige der Mutationen verhindern auch, dass das Virus in die Zellen der feinen Äste der Lungen eindringen kann.

Omikron: BA.4 und BA.5 nicht gefährlicher

Die Hoffnung der Wissenschaftler ist nun, dass eine solche Entwicklung bleibt und keine Mutationen auftreten, die das Virus noch ansteckender und wieder gefährlicher machen. Die aktuell in Südafrika grassierenden Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 übertreffen sich zwar gegenseitig in ihrer Fähigkeit, die Immunantwort zu umgehen, sie sind aber wohl nicht gefährlicher als die hierzulande vorherrschende Omikron-Variante.

Experten zum Thema

Oberstabsarzt Prof. Dr. Roman Wölfel, Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr

Institutsleiter Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie 
Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr
Neuherbergstraße 11 
80937 München
www.instmikrobiobw.de

 

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