Coronavirus: So verläuft die Erkrankung Covid-19

Stand: 05.02.2021 09:40 Uhr

Fieber und Husten, manchmal kommen Schnupfen, Gliederschmerzen, Hals- und Kopfweh dazu. Mit diesen unspezifischen Symptomen beginnt die durch das Coronavirus verursachte Lungenkrankheit Covid-19.

Die gleichen Beschwerden können auch bei einer Grippe auftreten, doch ein paar Unterschiede gibt es: Bei Covid-19 ist der Husten eher trocken, das Fieber beginnt nicht plötzlich, wie bei einer Grippe, sondern steigt langsam und bleibt dann über rund zehn Tage konstant, während sich bei der Grippe der Zustand der Betroffenen binnen weniger Stunden verschlechtert.

80 Prozent der Coronavirus-Infektionen verlaufen milde

Anders als bei Erkältungskrankheiten leiden Covid-19-Patienten kaum unter Niesreiz, dafür kommt es bei einigen zu Durchfall. Häufig berichten die Infizierten über einen mehrtägigen Verlust ihres Geruchs- und Geschmackssinns. In etwa 80 Prozent der Fälle entwickeln mit Sars-CoV-2 Infizierte allenfalls geringe Symptome - das körpereigene Immunsystem hat die Virusinfektion unter Kontrolle gebracht. Jeder fünfte Infizierte ist aber von einem schlimmeren, potenziell tödlichen Krankheitsverlauf betroffen.

Krankheitsverlauf meist leicht, manchmal tödlich

Ein Grund für die rasche Verbreitung der neuen Sars-CoV-2-Viren ist, dass sie sich hauptsächlich im Rachen vermehren und von dort aus leicht per Tröpfcheninfektion - quasi von Rachen zu Rachen - weitergegeben werden können. Das erklärt auf der anderen Seite auch, warum die Erkrankung in den meisten Fällen sehr milde verläuft. Breitet sich der Erreger aber in die unteren Atemwege aus, kommt es zu einem deutlich schwereren Verlauf, einer sogenannten atypischen Lungenentzündung. Folgen sind ein Anschwellen und eine vermehrte Durchblutung sowie eine Flüssigkeitsansammlung im Lungengewebe. Die Viren werden von Abwehrzellen aufgenommen und gelangen so in das Gewebe zwischen den Lungenbläschen. Den Betroffenen fällt das Atmen zunehmend schwerer.

Lungenentzündung entwickelt sich schleichend

Während bei einer bakteriellen Lungenentzündung erste Symptome sehr schnell auftreten, entwickelt sich eine virale Lungenentzündung schleichender. In der Folge kann es zu akutem und schwerem Lungenversagen kommen, der Gasaustausch in der Lunge ist beeinträchtigt und der Körper wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. In diesem Fall setzen Intensivmediziner die sogenannte extrakorporale Membranoxygenierung, kurz ECMO, ein. Bei dieser speziellen Behandlung wird das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und wieder in die Blutbahn zurückgeleitet.

Gerade bei älteren Menschen ist die Atemmuskulatur schnell erschöpft und die geschwächte Lunge braucht Unterstützung - die Betroffenen werden maschinell beatmet. Dabei wird Sauerstoff mit niedrigem Druck in die Lungenbläschen gepumpt. So kann mehr Sauerstoff durch die entzündete Membran wandern, um den Körper ausreichend zu versorgen.

Im schlimmsten Fall droht eine Sepsis

Im schlimmsten Fall führt eine Sars-CoV-2-Infektion zu einer Sepsis, im Volksmund als Blutvergiftung bezeichnet. Erste Symptome sind plötzliche Verwirrtheit, schnelle und schwere Atmung, Todesangst, ein rapide sinkender Blutdruck und Herzrasen. Viele Betroffene klagen, dass sie sich plötzlich so krank fühlen wie noch nie zuvor. Bei diesen Alarmzeichen müssen die Ärzte sofort reagieren und weitere Schritte einleiten, um das Leben des Betroffenen zu retten. Bei einer viralen Sepsis treten Viren aus dem entzündeten Gewebe aus und gelangen in die Blutbahn. Hier vermehren sie sich und verbreiten sich im ganzen Körper, in allen Organen.

Es kommt zu einer Überreaktion des Immunsystems: Es produziert Abwehrstoffe in großen Mengen, die eine Entzündung der Blutgefäße auslösen. Die Blutgerinnung gerät außer Kontrolle: Es bilden sich Blutgerinnsel, die die Adern verstopfen und Organe schädigen können, gleichzeitig fehlen Gerinnungsfaktoren und innere Blutungen drohen. Die Gefäßwände werden durchlässig. Immer mehr Flüssigkeit gelangt in das Gewebe, fehlt im Kreislauf. Der Blutdruck sinkt, das Herz muss immer mehr arbeiten, dennoch wird der Körper nicht mehr ausreichend durchblutet. Dann sprechen Mediziner von einem septischen Schock. Je später eine solche Sepsis behandelt wird, desto öfter endet sie tödlich.

Kommt es zu einem septischen Schock, liegen die Überlebenschancen nur knapp über 50 Prozent. Um eine entstehende Sepsis möglichst früh zu erkennen, werden auf der Intensivstation wichtige Parameter wie die Atemfrequenz, der Blutdruck und viele andere Werte laufend überwacht. Zudem werden bestimmte Laborwerte regelmäßig kontrolliert, vor allem D-Dimere, Lymphozyten und Ferritin. Besonders anfällig für eine durch Covid-19 ausgelöste Lungenentzündung und Sepsis sind laut aktuellen Untersuchungen vor allem Menschen im Alter von über 69 Jahren.

Manche Patienten entwickeln Folgeerscheinungen

Ist eine Covid-Erkrankung überstanden, entwickeln manche Menschen Folgeerscheinungen, wie Konzentrationsstörungen, Erschöpfung und muskuläre Schwäche. Das kommt so ausgeprägt bei anderen Infektionen nicht vor.

Schwere Verläufe sind Experten zufolge seltener als bei der ersten Covid-19-Welle im Frühjahr. Das liegt wahrscheinlich daran, dass vielerorts Masken getragen werden, die dazu führen, dass bei einer Ansteckung weniger Viren aufgenommen werden.

 

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