Stand: 09.09.2020 10:44 Uhr

Kopfschmerzen richtig einordnen und behandeln

Frau hält sich gestresst die Ohren zu © Fotolia.com Foto: #CNF
Geräusch- und Lichtempfindlichkeit sind häufige Begleitsymptome von Kopfschmerzen.

Vielfach beginnen sie schleichend, manchmal aber plötzlich wie mit einem Paukenschlag: Kopfschmerzen. Dumpf oder stechend, pochend oder drückend, den ganzen Kopf umfassend oder regional begrenzt - die Schmerzen können ganz verschieden sein. Mediziner unterscheiden rund 250 Kopfschmerzarten, eine davon muss wohl jeder Mensch irgendwann erdulden. Am verbreitetsten mit nahezu 90 Prozent ist der Spannungskopfschmerz.

Kopfschmerzen treten schon bei Kindern auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Statistisch betrachtet geht die Kopfschmerzneigung ab dem Alter von 45 Jahren zurück. Nur selten steckt hinter Kopfschmerzen eine ernste Grunderkrankung - meist sind sie harmlos und lassen sich mit einer Schmerztablette oder Hausmitteln bekämpfen. Schwere, immer wieder auftretende Kopfschmerzen, zum Beispiel Migräne oder Cluster-Kopfschmerz, erfordern allerdings eine spezielle Therapie. Je nach Stärke und Häufigkeit können Kopfschmerzen die Lebensqualität enorm beeinträchtigen.

VIDEO: Chronische Kopfschmerzen mit Ernährungsumstellung lindern (15 Min)

Zahlreiche Ursachen führen zu Kopfschmerz

Es gibt zahlreiche unterschiedliche Ursachen für Kopfschmerzen, von denen meist mehrere zusammenwirken. Was genau im Kopf vor sich geht, liegt trotz intensiver Forschung nach wie vor großteils im Dunkeln. Offenbar reagiert das körpereigene Schmerzhemm-System nicht richtig auf eine Reizung - infrage kommen dabei äußere Reize wie Wetterumschwünge, schlechte Raumluft oder Stress ebenso wie innere Vorgänge, zum Beispiel Hormonschwankungen während des Zyklus bei Frauen.

Kopfschmerzen können auch die Folge von Veränderungen oder Erkrankungen in anderen Körperbereichen sein, typischerweise sind sie zum Beispiel eine Begleiterscheinung von Bluthochdruck. Als Schmerzauslöser infrage kommen aber auch beispielsweise Nervenreizungen (Trigeminus-Neuralgie, Okzipitalis-Neuralgie), Verspannungen der Kiefer-, Nacken- oder Rückenmuskulatur oder ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule. Außerdem können die Kopfschmerzen auf Nebenwirkungen von Medikamenten beruhen - etwa aufgrund häufiger Schmerzmitteleinnahme.

Symptom: Oft dumpfer oder drückender Schmerz

Spannungskopfschmerzen treten gelegentlich auf, sie werden selten chronisch (zehn oder mehr Schmerztage pro Monat). Meist beschreiben die Patienten sie als leicht bis mittelschwer, dumpf und drückend. Sie leiden zuweilen unter erhöhter Lärm- und Lichtempfindlichkeit, andere Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Brechreiz oder Sehstörungen treten selten auf. Betroffen sind in der Regel beide Kopfhälften, allerdings nur bestimmte Regionen - zum Beispiel Stirn und Schläfen oder Scheitel. Hinterkopf und Nacken scheinen mitunter den Ausgangspunkt zu bilden. Meist halten die Schmerzen zwischen einer halben Stunde und wenigen Tagen an.

Kopfschmerz-Tagebuch erleichtert Diagnose

Bewegungs-Doc Christian Sturm tastet den Nacken einer Patientin ab. © NDR
Orthopäde Christian Sturm tastet, ob Muskel-Verhärtungen vorhanden sind.

Um herausfinden, welche Art von Kopfschmerzen vorliegen, wird der Arzt gründlich die Krankengeschichte erfragen (Anamnese) und dabei auch nach Auslösern forschen. Insofern ist es sinnvoll, den Arzttermin mit dem Führen eines Kopfschmerz-Tagebuchs vorzubereiten, in dem man über mindestens vier Wochen notiert:

  • wo es genau schmerzt,
  • wie sich der Schmerz anfühlt,
  • wie lange die Schmerzattacken dauern
  • wie oft sie auftreten
  • ob und welche Medikamente eingenommen wurden.

Aufschlussreich für die Diagnose sind auch die Lebensumstände: etwa Stress im Beruf oder im privaten Bereich, andere vorliegende körperliche oder seelische Belastungen oder Erkrankungen.

Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt unter anderem die Reflexe prüfen, um die neurologische Empfindlichkeit auf Reize festzustellen. Normalerweise wird er auch Herz und Blutdruck prüfen. Verspannungen lassen sich von erfahrenen Ärzten über das Abtasten von Schädel, Schulter, Rücken und Nackenbereich feststellen.

Behandlung: Kleine Änderungen bewirken oft viel

Kopfschmerzen sind individuell sehr verschieden, ebenso die passenden Behandlungsmethoden. Verallgemeinernd lässt sich nur sagen, dass häufig schon kleine Änderungen des Lebensstils zur Linderung beitragen, etwa

  • die Mediennutzung einschränken
  • auf gute Sitzhaltung achten, den Arbeitsplatz ergonomisch einrichten (Bildschirm nicht zu tief)
  • für gutes Raumklima sorgen, mehrmals täglich kurz mit Durchzug lüften
  • täglich mehrmals an die frische Luft gehen
  • mehr beziehungsweise regelmäßiger schlafen.

Physiotherapie
Svea Köhlmoos steht frontal vor einer Wand und stützt die Hände in Schulterhöhe dagegen. © NDR

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Bewegungstherapie: Lockern und Stress abbauen

Regelmäßiger Ausdauersport (Laufen, Schwimmen, Radfahren) senkt nachweislich den Stresshormonspiegel und kann damit Schmerzattacken vorbeugen. Viele Betroffene profitieren außerdem davon, Entspannungstechniken zu erlernen und in den Alltag einzubauen (autogenes Training, Meditation, Atemtherapie) oder entspannende Sportarten wie Tai-Chi und Yoga auszuüben. Ist eine verspannte Nackenmuskulatur schuld an den Kopfschmerzen, dann helfen spezielle Dehn- und Kräftigungsübungen.

Bei manchen hilft Hypnose, einen Versuch wert ist zudem das Anwenden komplementärer Behandlungsformen wie Akupunktur oder Biofeedback-Verfahren.

Kopfschmerz-Therapie: Zucker und Histamine einschränken

Bei chronischen Kopfschmerzen und bei Migräne hat sich darüber hinaus häufig eine Ernährungsumstellung als hilfreich erwiesen: Manche Menschen reagieren empfindlich auf Histamine. Zudem profitiert der gesamte Stoffwechsel von einer reduzierten Kohlenhydrat-Zufuhr: Weniger Weißmehl, weniger Süßes - jeder Kopfschmerz-Patient kann dieser Ansatz versuchen.

Medikamente und weitere Therapie-Ansätze

Klassische Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (Aspirin), Paracetamol oder Ibuprofen können Spannungskopfschmerz wirksam bekämpfen - welche Substanz am besten anschlägt, ist individuell verschieden. Wichtig ist immer, solche Medikamente nicht öfter als zehnmal im Monat einzunehmen, da sie sonst ihrerseits Kopfschmerzen triggern können.

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