Stand: 21.03.2019 18:32 Uhr

Kalkschulter: Wann behandeln - und wie?

Die Kalkschulter ist eine häufige Ursache von Schulterbeschwerden. Sie tritt vornehmlich im Alter zwischen 30 und 50 Jahren auf, betroffen sind insbesondere Frauen. Geschätzt jeder zehnte Bundesbürger hat Kalkeinlagerungen in einer Schultersehne, die allerdings längst nicht immer schmerzhaft sind. Treten Schmerzen auf, dann meist plötzlich und ohne vorausgegangene Belastung. Typischerweise kommt es zu starken bewegungsabhängigen Beschwerden - insbesondere bei Über-Kopf-Bewegungen, aber auch nachts in Ruhe.

Bewegungs-Doc Helge Riepenhof zeigt einem Patienten eine Übung mit Theraband am Arm. © NDR Foto: Oliver Zydek

Kalkschulter: Was Muskeln ausmachen können

Die Bewegungs-Docs -

Starke Schulterschmerzen schränken das Leben von Frank O. ein. Sind wirklich die Kalkdepots am Sehnenansatz schuld, oder verschlimmert Krafttraining seine Beschwerden?

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Kalkeinlagerungen in Sehnen als Ursache

Durch das Schultergelenk ziehen sich Sehnen. Sie verlaufen in einem engen Raum zwischen dem Schulterdach und dem Oberarmkopf. Aus noch ungeklärtem Grund kommt es vor, dass der Körper Sehnenzellen zu Knorpelzellen umbaut und Kalziumsalze einlagert (Formationsphase). Ein erhöhtes Risiko für dieses Phänomen tragen offenbar Diabetes-Patienten.

Der Kalkeinlagerungsprozess kann Jahre andauern und auch zwischendurch lange ruhen. Irgendwann lösen sich die Kalkkristalle wieder und werden abgebaut (Resorptionsphase). Infolge der Umbauprozesse kommt es oft es zu einer Verdickung der Sehnen, die Beschwerden verursacht. Verschlimmert werden die Beschwerden durch muskuläre Dysbalancen, also wenn ein Missverhältnis in der Kraft von die Schulter umgebenden Muskeln vorliegt, sodass die Sehne am Schulterdach reibt. Bei Kraftsportlern, die hauptsächlich für die Optik trainieren, ist es keine Seltenheit, dass der Oberarmkopf muskulär hochgezogen wird und den Supraspinatus-Muskel im Schulterdach einklemmt.

Schulterschmerzen durch falsch trainierte Muskeln

Im ungünstigen Fall können die Kalkdepots aufbrechen und in den Schulterschleimbeutel gelangen. Daraus folgt oft eine besonders schmerzhafte akute Entzündungsreaktion.

Symptome der Kalkschulter

Die Anzeichen variieren je nach der genauen Lage des Kalkdepots. Häufig bestehen Schmerzen im äußeren vorderen Schulterbereich, die in den Orberarm oder sogar bis zum Handgelenk ausstrahlen. Eher selten treten die Beschwerden schon während der Kalkeinlagerung auf, meist entstehen sie beim Auflösen der Kalkdepots und vor allem durch das Einbrechen von Kalk in den Schleimbeutel. Die Schmerzen verschlimmern sich nachts beim Liegen auf der betroffenen Schulter sowie beim Anheben des Arms über Schulterhöhe. In der Akutphase lässt sich der Arm unter Umständen gar nicht anheben.

Diagnose unter anderem durch Bildgebung

Abzugrenzen ist die Kalkschulter gegen andere Schmerzursachen wie etwa einen Sehnen(ein)riss oder Arthrose. Kalkeinlagerungen am Sehnenansatz lassen sich in der Regel durch Röntgen des Schultergelenks und eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) gut darstellen. Besonders per Ultraschall ist das Ausmaß einer möglicherweise begleitenden Schleimbeutelentzündung gut zu erkennen.

Ob festgestellte Kalkeinlagerungen auch wirklich schmerzursächlich sind, kann der Arzt nur durch eine genaue Anamnese und die körperliche Untersuchung prüfen. Er betrachtet dazu das Zusammenspiel von Schulter-, Rücken und Brustmuskulatur.

Therapie der Kalkschulter: zunächst konservativ

Meist heilt die Kalkschulter binnen einiger Wochen oder Monaten von allein aus. Behandelt wird in der Regel zunächst konservativ, also ohne Operation.

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Physiotherapeutische Übungen kräftigen bestimmte Muskelgruppen und wirken dadurch gegen Schulterschmerzen.

Gegen akute Schmerzen hilft die kurzfristige Gabe von Schmerzmitteln, sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac. Unter Umständen kann eine lokale Injektion von Kortison sinnvoll sein, weil es antientzündlich und abschwellend wirkt.

Unter Umständen kann in der akuten Schmerzphase eine kurzfristige Ruhigstellung der Schulter in einer Armschlinge helfen. Normalerweise aber erfolgt begleitend zur medikamentösen Schmerzlinderung eine Bewegungstherapie. Sie soll gezielt die Muskeln kräftigen, die den Oberarmkopf nach unten ziehen - damit erhält die Sehne mehr Raum, und der Druck wird vom Schleimbeutel genommen.

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Bleibt eine Linderung der Beschwerden aus, kann eine extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) helfen. Dabei werden die Kalkdepots mithilfe hochenergetischer Ultraschallwellen zertrümmert. Zudem fördern die Ultraschallwellen die Durchblutung in der Region, sodass die Kalkreste besser abgebaut werden können. Häufig reichen drei zehnminütige Sitzungen in einem Abstand von je einer Woche, um die Beschwerden nachhaltig zu beseitigen. Obwohl der Erfolg dieser Methode wissenschaftlich gut belegt ist, übernehmen die Krankenkassen die Kosten dafür in der Regel allerdings nicht.

Operation ist letzte Option

Bleiben alle konservativen Therapieversuche über einen längeren Zeitraum erfolglos, kann eine operative Entfernung der Kalkdepots erwogen werden. Im Rahmen eines minimalinvasiven Eingriffs können die Kalkdepots dabei eröffnet und ausgeräumt werden. Auch nach einer OP ist gleich (wieder) mit gezielten Übungen zu beginnen, um die Beweglichkeit zu erhalten und die gelenkstabilisierenden Muskeln zu kräftigen.

Dass die Kalkeinlagerungen wiederkehren, ist sehr selten. Allerdings kommt eine Kalkschulter häufig beidseitig vor (knapp 40 Prozent der Fälle).

Dieses Thema im Programm:

Die Bewegungs-Docs | 25.03.2019 | 21:00 Uhr

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