Stand: 24.08.2020 11:21 Uhr

Sehnenriss in der Schulter richtig behandeln

3D Grafik einer menschlichen Schulter © Colourbox
Wenn die Schulter schmerzt, kann ein Sehnenriss die Ursache sein.

Nach einem Sturz auf die Schulter stellen Ärzte häufig die Diagnose Schulterprellung, wenn auf dem Röntgenbild kein Bruch zu sehen ist. Doch es kann sich auch um einen Sehnenriss (Ruptur) handeln. Dieser kann operiert oder mit einer gezielten Phyiotherapie über mehrere Monate behandelt werden. Bleibt ein Sehnenriss an der Schulter unbemerkt, kommt es zu irreparablen Schäden an der sogenannten Rotatorenmanschette. Im schlimmsten Fall muss ein künstliches Schultergelenk eingesetzt werden.

VIDEO: Schulter verletzt: Wann ist eine OP sinnvoll? (6 Min)

Vier Muskeln halten Schultergelenk

Jede Bewegung des Oberarms im Schultergelenk wird über die Muskeln und Sehnen der Rotatorenmanschette gesteuert. Sie stabilisiert die Schulter und hält den Gelenkkopf des Oberarmknochens in seiner Position. Dazu ziehen vier Muskeln vom Schulterblatt zum Oberarmknochen und setzen dort mit ihren Sehnen an. Sie legen sich wie eine Manschette rund um den Kopf des Knochens, decken das Schultergelenk dachartig ab, verbinden ihn mit dem Schulterblatt und sorgen dafür, dass wir den Arm seitlich anheben und ihn drehen können.

Im Gespräch
Der Physiotherapeut zeigt ein Modell der Schulter.
4 Min

Sehnenriss in der Schulter: Physiotherapie oder OP?

Bei einem Sehnenriss in der Schulter reicht eine Physiotherapie nicht immer aus. Wann eine OP der Rotatorenmanschette sinnvoll ist, erklärt der Gelenkchirurg Dr. Jens Agneskirchner. 4 Min

Wenn die Schultersehne reißt

Nach einem Riss der Rotatorenmanschette verkürzen sich oftmals die Sehnen und die Muskulatur bildet sich zurück. In der Gelenkkapsel entstehen Vernarbungen und es kommt zu einem Verschleiß der Gelenkflächen (Arthrose). Die Rotatorenmanschette kann dann nicht mehr durch eine Naht rekonstruiert oder durch physiotherapeutische Maßnahmen trainiert werden.

Häufig betroffen ist die Supraspinatussehne. Sie verläuft zwischen dem Oberarmknochen und dem Schulterdach. Beim seitlichen Abspreizen des Arms stoßen die beiden Knochen fast zusammen und engen dabei die Supraspinatussehne ein. Dadurch wird das Gewebe auf Dauer geschwächt.

Zu einem Sehnenriss an der Schulter können Abnutzung, Belastungen oder Verletzungen führen. Den Verschleiß begünstigen langjähriges Arbeiten über Kopf oder Sportarten wie Tennis, Basketball, Handball und Golf. Das Risiko, einen Riss zu erleiden, steigt mit dem Alter. Ungefähr fünf bis zehn Prozent der Rupturen treten akut auf, bei 80 bis 90 Prozent handelt es sich um degenerative, schleichend voranschreitende Risse, die immer durch Schmerzen symptomatisch werden.

Symptome einer Sehnenruptur

Die Symptome eines Sehnenrisses an der Schulter entwickeln sich langsam, typisch sind belastungsabhängige Schmerzen seitlich und vorn am Gelenk sowie eine Kraftminderung beim seitlichen Anheben des Arms. Häufig treten die Schmerzen nachts in Seitenlage auf. Eine Sehnenverletzung kann zu einer Arthrose des Schultergelenks führen.

Sehnenriss mit Medikamenten und Physiotherapie behandeln

Sicher nachweisen lässt sich ein Sehnenriss an der Schulter mit einer Magnetresonanztomografie. Die Behandlung richtet sich unter anderem nach der Schwere der Verletzung:

Eine konservative Therapie mit schmerzstillenden Medikamenten eignet sich nur, wenn der Sehnenriss die Funktion der Schulter wenig beeinträchtigt.

Eine Behandlung allein mit Physiotherapie ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich: Die Muskeln und Sehnen sind kaum zurückgezogen, das umliegende Gewebe ist intakt und der Oberarmkopf nicht verschoben. Eine Physiotherapie hat das Ziel, die Schulter durch gezieltes Training zu mobilisieren, indem die anderen Muskeln den ausgefallenen Muskel kompensieren und den Oberarmkopf in der Pfanne halten. Das Training ist aufwendig - mehrmals pro Woche über etwa sechs Monate - und muss kontinuierlich Erfolge zeigen, um eine Operation dauerhaft zu vermeiden.

OP bei Sehnenriss in der Schulter

Eine Operation ist nötig, wenn die Beschwerden länger als sechs bis acht Wochen andauern, ohne dass sich die Symptome bessern oder wenn sich der Arm nicht lange in abgespreizter Position halten lässt. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die gerissene Sehne ihre Funktion nicht erfüllen kann.

  • Ist der Riss klein, die Sehne nicht zurückgerutscht und die Muskulatur hinter der Sehne intakt, lässt sich der Riss spannungsfrei verschließen.

  • Reißt eine der vier Sehnen vom Knochen ab und zieht sich die Sehne mit dem Muskel zurück, dann ist der Oberarmkopf nicht mehr in der Gelenkpfanne zentriert und kann herausrutschen. Für den Betroffenen ist das schmerzhaft: Er kann den Arm nicht mehr heben oder drehen, die Schulter wird instabil. In diesem Fall kann eine Operation nur dann erfolgreich sein, wenn die Ruptur frühzeitig erkannt wird.

Ist die Sehne zu stark zurückgezogen oder nicht stabil genug, kann der Einsatz einer Gelenkprothese erforderlich sein, um die Funktion der Schulter wiederherzustellen.

Nach der OP hilft Physiotherapie, die Kraft und Beweglichkeit der Schulter wiederherzustellen. In den meisten Fällen ist die Schulter nach einer Weile wieder voll funktionstüchtig.

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Experten zum Thema

Priv.-Doz. Dr. Jens D. Agneskirchner
Orthopäde und Unfallchirurg
go:h Gelenkchirurgie Orthopädie: Hannover
Bertastraße 10
30159 Hannover
www.g-o-hannover.de

Prof. Dr. Helmut Lill, Chefarzt
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
DIAKOVERE Krankenhaus
Marienstraße 72-90
30171 Hannover
(0511) 129-2331
www.diakovere.de

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Visite | 25.09.2018 | 20:15 Uhr

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