Endometriose: Symptome erkennen und behandeln

Stand: 16.08.2021 11:30 Uhr

Bei Endometriose handelt es sich um eine Wucherung von Gewebe im Bauchraum, das der Gebärmutterschleimhaut ähnlich ist. Viele Frauen durchlaufen eine Odyssee bis die Diagnose gestellt wird.

Rund zwei Millionen Frauen leiden in Deutschland unter der Schmerzerkrankung Endometriose. Viele Patientinnen haben einen Ärztemarathon hinter sich - im Schnitt vergehen zehn Jahre bis zur sicheren Diagnose der chronischen Schmerzerkrankung. Bei der Endometriose wächst Gewebe ähnlich der Gebärmutterschleimhaut frei im Bauchraum. Diese Herde treten häufig am Bauchfell auf. Sie können aber auch in die Wände von Nachbarorganen wie Blase oder Darm wuchern. Die Wucherungen sind zyklusabhängig aktiv.

Weil das Blut nicht abfließen kann, entstehen Verklebungen, die starke Schmerzen verursachen können. Nach der Regelblutung bilden sich dann Narben, die am Ende des nächsten Zyklus wieder aufbrechen. Und: Das Immunsystem reagiert auf das Gewebe, es kommt zu Entzündungen. Die Ursache der Krankheit ist noch nicht geklärt. Erst mit dem Ende der Wechseljahre können die Wucherungen manchmal zurückgehen, manche Frauen haben aber auch darüber hinaus starke Beschwerden.

Symptome sind vielfältig

Da sich die Endometriose-Herde in verschiedenen Körperregionen und an Organen insbesondere des Beckens ausbreiten können, sind die Beschwerden der Betroffenen sehr unterschiedlich und schwer zu deuten. Experten und Expertinnen sprechen daher auch von einem Chamäleon der Gynäkologie. Frauen mit Endometriose haben nicht immer oder nicht nur diese Symptome, doch viele leiden unter diesen starken Beschwerden:

  • extreme monatlichen Unterbauchkrämpfen, die viele Betroffene über Tage praktisch ausknocken oder nur durch starke Schmerzmittel auszuhalten sind, freiverkäufliche Schmerzmittel helfen häufig gar nicht
  • Übelkeit
  • Kreislaufschwäche
  • regelabhängige Schmerzen an anderen Körperstellen wie zum Beispiel Blase, Leiste oder auch Schulter
  • starke Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Schmerzen beim Wasserlassen

Eine besonders schwerwiegende Folge der Endometriose kann die Unfruchtbarkeit der Frau sein. Häufig wird die Erkrankung jedoch erst bei der Suche nach der Ursache des unerfüllten Kinderwunsches entdeckt. Etwa 20 bis 40 Prozent dieser Frauen haben eine Endometriose.

Diagnose durch Bauchspiegelung mit anschließender OP

Die Bauchspiegelung (Laparoskopie) ist die einzige Methode, um eine Endometriose zweifelsfrei feststellen zu können. Bei dieser Untersuchung, die in einem von rund 50 spezialisierten Zentren in Deutschland durchgeführt werden sollte, schauen Ärzte und Ärztinnen durch die sogenannte Schlüsselloch-Technik (kleine Schnitte) in den Bauch. Dieser wird dann nach Endometriose-Herden abgesucht. Sind Herde entdeckt, werden diese entfernt, denn ansonsten wuchern diese weiter und können auch andere Organe angreifen.

Behandlung: Hormone, Ernährungsumstellung und TENS-Anwendungen

Hormone sollen verhindern, dass sich neues Gewebe bildet. Dies geschieht durch eine Gestagen-Monotherapie. Aber: Die Endometriose ist damit in der Regel nicht geheilt. Die Wucherungen können zurückkommen. Selbst nach einer OP liegt das Rückfallrisiko für Bauchfellherde bei zehn Prozent, für Zysten an den Eierstöcken bei 30 bis 40 Prozent.

Was welcher Frau hilft, ist sehr individuell. Experten und Expertinnen setzen zur Linderung der Schmerzen auf weitere Therapiemaßnahmen:

  • Schmerztherapie
  • Vegane Ernährung mit Verzicht auf Zucker und Gluten führt oftmals zur deutlichen Beschwerdebesserung.
  • TENS-Anwendungen sowie Yoga und Osteopathie können Verspannungen im Beckenbereich lösen und für Entspannung sorgen.
  • Eine psychologische Begleitung ist ebenfalls sinnvoll und Selbsthilfegruppen sind für Patientinnen mit Endometriose eine wichtige Möglichkeit, sich auszutauschen.

 

Weitere Informationen
Modell der Gebärmutter liegt auf einem Tisch.

Gebärmutter entfernen: Ja oder nein?

Bei gutartigen Veränderungen wie Myomen muss eine Gebärmutter nicht immer entfernt werden. Mit welchen Verfahren lässt sich das Organ weitgehend erhalten? mehr

Modell der Gebärmutter liegt auf einem Tisch.

Was hilft bei Blasen- oder Gebärmuttersenkung?

Inkontinenz oder Schmerzen im Unterleib können die Folge sein, wenn sich die Gebärmutter sich aufgrund einer Beckenbodenschwäche absenkt. Was können betroffene Frauen tun? mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 17.08.2021 | 20:15 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Eine junge Frau lässt sich impfen. © picture alliance/dpa Foto: Bernd von Jutrczenka

Covid-19 trotz Impfung: Wie häufig kommen Impfdurchbrüche vor?

Einige Menschen erkranken trotz vollständiger Impfung an Covid-19. Woran liegt das und wer ist besonders gefährdet? mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr