Eine Person bekommt eine Spritze in den Oberarm. © Colourbox Foto: Antonio Gravante

Corona-Impfstoff: Biontech will Zulassung beantragen

Stand: 10.11.2020 15:31 Uhr  | Archiv

Eine baldige Zulassung eines Corona-Impfstoffs scheint näher zu rücken: Die Mainzer Firma Biontech und ihr US-Partner Pfizer haben Ergebnisse aus einer großen Wirksamkeitsstudie vorgelegt.

Demnach bietet ihr Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Zudem habe es bislang keine schwerwiegenden Nebenwirkungen gegeben.

Studie: Vielversprechende Ergebnisse

Experten bewerten die Ergebnisse zu Wirksamkeit und Sicherheit als vielversprechend - und hoffen, dass nun rasch große Mengen des Impfstoffes zur Verfügung stehen werden. Der Impfstoff habe eine höhere Wirksamkeit gezeigt, als es etwa von Grippe-Impfstoffen bekannt sei. Man müsse aber zur abschließenden Bewertung noch die Veröffentlichung der Primärdaten abwarten, wie zum Beispiel der genauen Daten bezüglich einzelner Altersgruppen.

US-Zulassung soll beantragt werden

Biontech und Pfizer kündigten an, in der kommenden Woche die US-Zulassung zu beantragen. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA prüft bereits seit Anfang Oktober die Daten zu dem Impfstoff in einem "rolling review"-Verfahren - also noch während der laufenden Studien. Die erste Zwischenanalyse der weltweiten Phase-3-Studie weist darauf hin, dass der Impfstoff eine Covid-19-Erkrankung recht zuverlässig verhindern kann. Es sollen aber noch weitere Daten aus der laufenden Studie gesammelt werden.

Jeder Zweite erhielt Placebo

An der Studie nahmen in mehreren Ländern mehr als 43.500 Probanden teil. Die Hälfte von ihnen erhielt den Impfstoff, die andere ein wirkungsloses Scheinmittel (Placebo). Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die den Impfstoff erhalten hatten, erkrankten nur wenige. Biontech und Pfizer sprechen zwar von einer Wirksamkeitsrate von über 90 Prozent, konkrete Zahlen wurden bislang aber noch nicht veröffentlicht.

Pfizer und Biontech kooperieren seit März

Das Mainzer Unternehmen Biontech arbeitet seit März für die Entwicklung des Impfstoffs mit dem US-amerikanischen Pharmariesen Pfizer zusammen. Unterstützt werden die Mainzer Forscher dabei mit Fördergeld der Bundesregierung in Höhe von bis zu 375 Millionen Euro.

Die Wissenschaftler forschen an Wirkstoffen auf Basis sogenannter Messenger-RNA (mRNA): Teile des Erbmaterials von Tumorzellen oder Viren werden in menschliche Zellen geschleust. Dort dienen sie den Zellen als Bauplan für typische Abschnitte des Fremdkörpers, auf die das Immunsystem reagieren soll. Der Körper produziert danach den eigentlichen Impfstoff selbst. Vorteil der mRNA-Impfstoffe: Sie lassen sich innerhalb kürzester Zeit in sehr großen Mengen herstellen. Außerdem scheint die mRNA-Impfung bereits nach vier Wochen zu wirken, man muss also nicht lange auf den Schutz warten.

Weitere Informationen
Forscher in weißen Kitteln klettern einen Berg hoch, auf dessen Spitze eine Spritze steht.

Corona: Die Jagd nach dem Impfstoff

Wer forscht zu Corona-Impfstoffen? Wie funktionieren sie? Wer bekommt sie zuerst? Wer finanziert die Forschung, wer profitiert? mehr

Screenshot der Archiv-Seite des Tickers zur Jagd nach dem Impfstoff.

Meldungs-Archiv: Infos zur Impfstoff-Suche

Forscher weltweit haben nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus gesucht. Der NDR hat "Die Jagd nach dem Impfstoff" über Monate begleitet. Hier eine Übersicht der Meldungen von Juli 2020 bis Januar 2021. mehr

Ein Sprintze und Impfstoffe © Colourbox

Coronavirus: Impfstoffe in der Testphase

Noch gibt es in Deutschland keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Coronavirus - Forscher sind aber zuversichtlich. Visite gibt einen Überblick über den aktuellen Stand. mehr

Ein Arzt horcht eine hustende Frau ab © fotolia.com Foto: Jean Paul CHASSENET

Coronavirus: So verläuft die Erkrankung Covid-19

Fieber, Husten, manchmal Schnupfen - die Symptome nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 sind eher unspezifisch. mehr

Ein Mann liegt mit einem Beatmungsgerät auf einer Isolierstation. (Themenbild) © Colourbox

Covid-19: Wann sind die Intensivstationen überlastet?

Sollte es mehr Patienten als Betten geben, muss bei der sogenannten Triage ausgewählt werden, wer beatmet wird und wer nicht. mehr

Menschen stehen cor einem Restaurant an, in dem die 2G-Regel gilt. © picture alliance/dpa Foto: Oliver Berg

Corona-Blog: Ab Sonnabend 2G beim Shoppen in Niedersachsen

Dann dürfen Ungeimpfte nur noch in Läden des täglichen Bedarfs einkaufen. Zudem soll die Zuschauerzahl bei Veranstaltungen sinken. Alle Corona-News von Montag im Blog. mehr

Experten zum Thema

Prof. Dr. Marylyn Addo
Leiterin Sektion Infektiologie
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
www.uke.de

Prof. Dr. Ugur Sahin, Vorstandsvorsitzender (CEO)
BioNTech GmbH
An der Goldgrube 12
55131 Mainz
www.biontech.de

Univ.-Prof. Gerd Fätkenheuer, Infektiologe Oberarzt Klinik I für Innere Medizin
Leiter Infektiologie Uniklinik Köln
Kerpener Str. 62
50937 Köln
https://innere1.uk-koeln.de/erkrankungen-therapien/infektiologie/

Dieses Thema im Programm:

Visite | 10.11.2020 | 20:15 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten warten am Eingang zum Corona-Testzentrum am Flughafen Hannover-Langenhagen. © picture alliance/dpa Foto: Moritz Frankenberg

FAQ: Was über die neue Coronavirus-Variante Omikron bekannt ist

Wissenschaftlern bereitet die zunächst im Süden Afrikas entdeckte Mutante B.1.1.529 Sorge. Was wir bisher über die Omikron-Variante wissen. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr