Stand: 16.02.2016 10:10 Uhr

Chat zum Metabolischen Syndrom, Untergewicht, Rheuma

Die Ernährungs-Docs: Anne Fleck. © NDR
Ernährungsmedizinerin Dr. Anne Fleck ist Rheumatologin in Hamburg.

Essen als Medizin: Was muss ich insbesondere bei kindlichem Rheuma oder dem Metabolischen Syndrom beachten? Was tue ich gegen Untergewicht, wie komme ich wieder zu Kräften?
Nach Folge 9 der Ernährungs-Docs war Dr. Anne Fleck im Chat. Die erfahrene Ernährungsmedizinerin und Rheumatologin hat Ihre Fragen beantwortet. Hier finden Sie das Protokoll zum Nachlesen.

millefolia: Ich habe nur eine Frage, ob das Quark-Frühstück auch mittags gegessen werden kann. Da ich um fünf Uhr aufstehen muss und da einfach noch nichts essen kann.

Dr. Anne Fleck: Ja :-)

Snoopy: Ich habe eine Typ-A-Gastritis, das heißt eine ständige Entzündung im Magen. Kein Medikament hilft. Was kann ich noch essen, was die Gastritis hemmt und Magenschmerzen reduziert? Habe Angst, dass dadurch irgendwann ein Tumor entsteht.

Fleck: Eine Entzündung der Magenschleimhaut kann gegebenenfalls durch häufige kleine, proteinreiche Lebensmittelgaben bekämpft werden. Zum Beispiel Eier, Nüsse, Samen, Käse, Fisch, Fleisch. Dadurch wird die Magensäureproduktion gehemmt.

Inge: Durch das Metabolische Syndrom leide ich an dem PCO-Syndrom und habe einen unerfüllten Kinderwunsch. Haben Sie hierzu noch besondere Tipps? Können Sie hier auch die Ernährung vom TV-Beitrag empfehlen?

Fleck: Ich empfehle einen Frühstücksquark mit hochwertigen, geschützt hergestellten Ölen, zum Beispiel Lein- und Weizenkeimöl. Die Kombination mit Eiweiß hilft auch bei der Gewichtsabnahme, und die Öle sind günstig bei Kinderwunsch.

Angela: Sie schlagen vor, dass man zum Leinöl Weizenkeimöl nehmen soll. Leider bekommt man weder im Geschäft noch im Internet Weizenkeimöl. Kann ich das Leinöl mit Hanföl kombinieren? Oder wäre ein anderes Öl besser?

Fleck: Es gibt im Internet sicher Verfügbarkeiten von Omega-geschütztem Weizenkeimöl und Leinölen. Hanföl als Ersatz ist aber auch denkbar.

Hannah: Ich habe Untergewicht (BMI ca. 17) und bin blass, fühle mich antriebslos und schwach. Durch Bewegung fühle ich mich schnell geschafft. Was kann ich tun? Ist dies ein Mangel? (Bin weiblich.)

Fleck: Es wäre ratsam, beim Hausarzt abklären zu lassen, ob es eine ernste Ursache für das Untergewicht gibt (Beispiel auch Bestimmung der Blutwerte, inklusive Ferritin (Eisen) bei Verdacht auf Eisenmangel oder Schwächesyndrom). Auch würde ich Ihnen die Abklärung einer Zöliakie empfehlen.

Anja: Sind bei Entzündungen im Körper und der Haut (Schuppenflechte, Magenschleimhaut, Hashimoto) immer die gleichen Ernährungsformen ratsam, oder gibt es Unterschiede zu beachten? Ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich essen soll. Können Sie mir ein gutes Leinöl empfehlen?

Fleck: Nicht verzweifeln! Die antientzündliche Strategie ist zum Beispiel beim Rezept Frühstücksquark gut abgebildet, essenziell wichtig ist die Qualität der eingesetzten Öle. Das Leinöl zum Beispiel sollte unbedingt Omega-geschützt hergestellt sein. Solche Öle sind auch entsprechend markiert (omega-safe oder Oxyguard).

deshhe: Ich hatte 25 Jahre keinen Rheumafaktor. Nach einer Grippe ging es langsam los. Was kann noch Ursache eines Rheumafaktors sein?

Fleck: Der Rheumafaktor ist nicht spezifisch, das heißt, er ist noch kein sicherer Beweis für eine entzündlich-rheumatische Grunderkrankung. Sie sollten sich trotzdem unbedingt beim Rheumatologen vorstellen und das abklären lassen.

Susann: Sind Nachtschattengewächse und Gluten schädlich bei entzündlichem Rheuma?

Fleck: Schädlich ist zu schlecht bewertet, aber es empfiehlt sich eine Einschränkung von modernen Weizenprodukten. Wer nicht unter einer Gluten-Unverträglichkeit leidet, muss nicht alle glutenfreien Produkte meiden. Zum Beispiel ist Dinkel, trotz Glutengehalt, empfehlenswert. Nachtschattengewächse, wie Kartoffeln, sollten individuell nach Verträglichkeit verzehrt werden.

Bgebauer: Ich leide an Fingerendgelenksarthrose, die sich schubweise in den Fingern bemerkbar macht. Mutter und Großmutter hatten dies ebenfalls. Kann ich mit entsprechender Ernährung die Schübe beziehungsweise die Arthrose selbst in den Griff bekommen?

Fleck: Absolut rate ich dazu, antientzündliche Ernährungsbestandteile im Alltag zu integrieren, also hochwertige Omega-3-reiche Fette (Rezeptvorschlag: Frühstücksquark). Dann sehr viel Gemüse, wenig verarbeitetes Fleisch, und abends empfehle ich, auf Rohkost zu verzichten. Bei schubartigen Beschwerden sollte eine sogenannte Pfropfarthritis rheumatologisch abgeklärt werden. Manchen hilft auch Hagebuttenextrakt aus der Apotheke.

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 02.02.2020 | 13:45 Uhr

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