Stand: 24.09.2019 22:38 Uhr

Chat-Protokoll: Fettleber

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Der Gastroenterologe Dr. Rainer Günther hat Fragen im Visite Chat beantwortet.

Lebererkrankungen werden häufig erst sehr spät erkannt, denn die Leber hat keine Nerven, die Schmerz signalisieren könnten. Oft sind bei Betroffenen Müdigkeit und Schwäche die einzigen Anzeichen. Die häufigste Lebererkrankung in Deutschland ist die sogenannte Fettleber, ausgelöst meist durch falsche Ernährung mit zu viel Zucker. Dann ist das Stoffwechselorgan überlastet, es kommt zu Fetteinlagerungen und Entzündungen. Ganz allmählich verändert sich das Lebergewebe, verliert an Leistung und wird im schlimmsten Fall dauerhaft geschädigt. Wird eine Fettleber frühzeitig erkannt, kann sie vollständig geheilt werden.

Der Gastroenterologe Dr. Rainer Günther hat im Visite Chat Fragen zum Thema Fettleber beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

nevermann: Bei mir, 55Jahre, wurden erhöhte Leberwerte, sowie ein erhöhter Ammoniakspiegel im Blut festgestellt. Zudem bin ich häufig schlapp, müde und kraftlos. Seit sieben Jahren muss ich regelmäßig Medikamente, wie Antiepileptika, Blutdrucksenker (drei verschiedene in Kombination), Blutverdünner, Schilddrüsenmedikament (L-Tyroxin wegen Hashimoto), ein Blasenspasmolytikum und Magenschoner einnehmen. Wie kann ich meine Leber wieder gesund bekommen? Zudem habe ich das SIAD-Syndrom.

Dr. Rainer Günther: Man müsste zunächst die Ursache der Leberwerterhöhung feststellen, um dann eine Behandlung einzuleiten, damit die Leber dann wieder gesund werden kann.

Margot: Was halten Sie von der „Schlank im Schlaf-Diät“ zum Bekämpfen einer Insulinresistenz? Heißt, morgens nur Kohlenhydrate, mittags eine gemischte Mahlzeit, abends eine reine Eiweißmahlzeit. Jeweils fünf Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten.

Günther: Eine Ernährungsumstellung sollte immer individuell erfolgen. Wenn diese Ernährungsart mit einem Erfolg verbunden ist, dann ist es sicher die richtige Ernährungstherapie für Sie.

Hengra: Hat eine Fettleber Einfluss auf die Schlafqualität?

Günther: Eine Fettleber alleine hat sicher keinen nachweisbaren Einfluss auf die Schlafqualität. Viel wesentlicher ist die Ursache der Fettleber. Meistens ist es ja ein Übergewicht und das kann dazu führen, dass man in der Nacht nicht genug Sauerstoff zu sich nehmen kann (Stichwort: Schlaf-Apnoe-Syndrom) und dadurch die Schlafqualität leidet.

Rebecca: Mein Gamma-Glutamyl-Transferase-Wert liegt bei 55, also laut meinem Arzt leicht erhöht. Auf dem Ultraschall sah man auch eine leichte Veränderung. Reicht es, etwas an Gewicht zu verlieren oder kann man dies medikamentös behandeln? Ich habe einen BMI von 30. Desweiteren ist meine Milz stark vergrößert. Kann das mit der Leber zusammenhängen?

Günther: Die Kombination aus erhöhtem BMI und dem Ultraschallbefund, sowie dem Laborwert ist vereinbar mit einer Fettleber und der wesentliche Punkt hierbei wäre, sein Körpergewicht zu reduzieren.

Margrit: Eine Ökotrophologin hat mir während einer Reha gesagt, dass man allein durch den Verzehr von zu viel Obst durch den Fruchtzucker eine Fettleber entwickeln kann. Ist das wirklich so?

Günther: Fructose (Fruchtzucker) in hohen Konzentrationen, wie es zum Beispiel in dem Industriezucker vorhanden ist, ist häufig mit der Entwicklung von einer Fettleber verbunden. Wenn man sich an die empfohlene Tagesmenge an Obst hält, das sind zwei Handvoll, besteht kein Risiko für eine Schädigung der Leber.

Xenia: Muss man mit einer Fettleber zwingend übergewichtig sein? Ich esse viel Fettiges, aber bin schlank.

Günther: Eine fettreiche Ernährung muss nicht unbedingt zu einer Fettleber führen. Das Wesentliche sind die Gesamtkalorien, die man zu sich nimmt, egal aus welchen Nahrungsmittelbestandteilen sie bestehen.

Julia: Wie lange dauert es, bis sich eine Fettleber regeneriert? Kann man alleine anhand der Leberblutwerte eine Fettleber erkennen?

Günther: In den Frühstadien einer Fettleber oder einer Leberentzündung ist auf jeden Fall eine vollständige Regeneration der Leber möglich. Das Wesentliche dabei ist eine dauerhafte, nachhaltige Gewichtsabnahme. In vielen Fällen reichen schon fünf bis sieben Prozent des Körpergewichts. Der Erfolg ist aber individuell verschieden und kann bereits aber innerhalb weniger Monate eintreten. Allein an Blutwerten kann man eine Leberverfettung in vielen Fällen nicht feststellen. Es sollte sicherlich immer auch eine Ultraschalluntersuchung erfolgen, um die typischen Veränderungen festzustellen.

Django: Ich habe schon über viele Jahre leicht erhöhte Leberwerte. Es wurde vor zwei Jahren durch eine Ultraschalluntersuchung eine Fettleber festgestellt. Ich bin 63 Jahre alt, 165 cm groß und wiege 78 kg. Ich esse drei Mahlzeiten am Tag und ernähre mich gesund. Manchmal wird auch mal genascht. Gewicht verliere ich nicht. Und mein Arzt sagte, dass es auch nicht weiter schlimm ist. Übrigens habe ich einen Hund, mit dem ich regelmäßig dreimal täglich größere Strecken gehe. Was kann ich noch tun?

Günther: Eine Fettleber anhand der Angaben scheint möglich. Durch eine leichte Gewichtsreduktion könnte eine leichte Besserung eintreten. Wichtig dabei ist, dass man einmal ehrlich die täglich zu sich genommene Kalorienmenge feststellt, um zu sehen, wo die kleinen Sünden sind.

Elisabeth: Wegen einer Autoimmunerkrankung der Leber nehme ich seit zwei Jahren das Medikament Azathioprin. Meiner Blutleberwerte sind momentan gut. Kann ich das Medikament absetzen?

Günther: Bei einer Autoimmunhepatitis sollte immer ein Leberspezialist in die Behandlung eingebunden sein. Grundsätzlich gilt: Wenn man über mindestens zwei bis drei Jahren unter einer Therapie vollständig normale Leberwerte hat, dass man dann zusammen mit dem behandelnden Arzt überlegen kann, ob man die Dosis reduzieren und gegebenenfalls auch beenden kann.

jutta: Es wurde nur vom Arzt bemerkt, dass ich eine Fettleber habe. Keinen Kommentar weiter. Nun mache ich mir nach der Sendung Sorge, was ich nun selbst in die Hand nehmen kann.

Günther: Nach dem aktuellen Kenntnisstand gibt es keine harmlose Fettablagerung in der Leber. Man sollte immer die Ursache dafür herausarbeiten. In vielen Fällen ist es ein Übergewicht, was der Auslöser ist, und dann kann man schon selber durch eine Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion eine Verbesserung erreichen.

Marita: Ich habe seit über drei Monaten Vitamin B12-Werte über 4000 pg/ml. Könnte eine krankhafte Speicherung in der Leber hierfür die Ursache sein und was kann ich dagegen machen?

Günther: Durch eine normale Ernährung ohne zusätzliche Einnahme von B 12 in Form von Tabletten wird es keine Schädigung durch Vitamin B 12 in der Leber geben.

Chatterin: Was ist das für ein Stoff in Süßigkeiten, der die Verfettung der Leber begünstigt, den Sie eben im Interview erwähnten, aber nicht näher bezeichneten?

Günther: Leider hatten wir dafür keine ausreichende Zeit. Der Zuckerstoff der gemeint war, ist die Fructose, die häufig den Süßigkeiten beigemengt ist, aber leider vom Körper direkt in Fett umgewandelt werden kann und dann in der Leber abgelagert wird.

Anna: Können erhöhte Leberwerte aufgrund einer fehlenden Gallenblase auftreten? Äußern sich Beschwerden der Leber durch Stechen links unterm Rippenbogen?

Günther: Bei einer fehlenden Gallenblase nach einer Gallenblasenoperation sollten keine erhöhten Leberwerte auftreten. Wenn dies doch der Fall sein sollte, müsste man gegebenenfalls eine weitere Abklärung machen, ob nicht eine zusätzliche andere Lebererkrankung vorliegt.

Gisa: Ich habe eine leichte Fettleber. Kann das auch von Medikamenten kommen und wenn ja, von welchen?

Günther: Es kann ganz selten durch Medikamente auch eine Verfettung der Leber eintreten. Das sind dann meisten Medikamente, die in den Zuckerstoffwechsel eingreifen. Als Beispiel kann man die dauerhafte Einnahme von Cortison nennen.

Bert: Kann ich meiner Leber mit Nahrungsergänzungsmitteln, wie hochdosierter Mariendistel und Artischocke, etwas Gutes tun, oder ist das Unsinn?

Günther: Es gibt für diese Nahrungsergänzung keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass sie einen positiven Effekt auf die Leber haben. Im Einzelfall ist das möglich. Was auf jeden Fall vermieden werden sollte, ist eine hochdosierte Einnahme dieser Mittel, da dann sogar eine Schädigung der Leber auftreten kann.

Micha: Ich bin 75 Jahre und habe schon seit Jahren eine (leichte) ertastete Fettleber. Mein Gamma-Wert liegt bei etwa 80-110 U/l, GPT bei ca. 38 und GOT bei 39. Ich leide auch unter Müdigkeit und zeitweilige Körperschwäche. Mein Hausarzt interessiert mein Problem von den Leberwerten her eher weniger, solange das Weiße in den Augen nicht gelb ist. Wie soll ich mich verhalten?

Günther: Man würde sich sicher wünschen, dass eine weitergehende Abklärung der Leberwerte erfolgt. Sie können anhand unseres in der Sendung angesprochenen Lebertestes auch schon einmal ganz gut abschätzen, ob wirklich ein Risiko für Ihre Leber besteht.

Peet: Zeigen Transaminasen oder andere Enzyme eine Fettleber an?

Günther: Transaminasen oder andere Enzyme können ein Hinweis auf eine Fettleber sein, müssen aber nicht erhöht sein.

Geli: Mein Arzt hat bei mir vor ein paar Jahren eine beginnende Fettleber diagnostiziert. Ich habe das nicht ernst genommen. Aber ich spüre, dass die Taille rechts dicker ist als links. Ich denke, da ist doch was mit der Leber, oder?

Günther: Wenn schon die Diagnose einer Fettleber durch Ihren Arzt gestellt worden ist und die Ursache ein Übergewicht ist, dann sollte man sicherlich jetzt mit einer Umstellung der Ernährung und einer Gewichtsreduktion beginnen.

Angst: Ich liege im Krankenhaus und habe die Diagnose AIH bekommen. Bin jetzt auf Prednisolon 60 mg eingestellt. Eingeliefert wurde ich mit Ikterus. Ich bin schlank, treibe viel Sport und esse normal. Wegen ähnlicher Beschwerden war ich im Vorfeld oft beim Arzt. Wurde immer mit Grippe nach Hause geschickt. Habe Angst, dass ich schlimmer krank bin, als ich denke. Wer operiert noch eine 67-jährige agile Frau?

Günther: Wenn die klare Diagnose einer Autoimmunhepatitis gestellt worden ist, ist die bereits begonnene Therapie mit Prednisolon (Cortison) die richtige Therapie und es besteht eine gute Chance, dass die Autoimmunhepatitus vollständig zum Stillstand kommt.

Siggi291: Ich nehme seit 2007 Antidepressiva und L-Thyroxin. Seitdem habe ich 50 kg zugenommen. Mein Hausarzt meint, dass ich solange ich die Medikamente nehme, meine Fettleber nicht loswerden kann. Stimmt das?

Günther: Hier wäre es sicherlich sinnvoll eine Ernährungsberatung in Anspruch zu nehmen, weil man auch unter dieser Medikamenteneinnahme Möglichkeiten hat sein Gewicht zu normalisieren.

Caro: Haben die Medikamente Salofalk und Azathioprin Einfluss auf die Leberwerte?

Günther: Im Einzelfall können die Medikamente zu einer Leberwerterhöhung führen. Wenn das der Fall ist, muss der behandelnde Arzt dann entscheiden, ob die Therapie weiter fortgeführt wird.

Manju: Ich habe eine sehr große Leberzyste, die mittlerweile ca. 11 x 12 cm groß geworden ist. Muss ich die Leber operieren lassen? Gibt es eine Möglichkeit die Zysten zu reduzieren?

Günther: Eine Leberzyste ist eine gutartige Erkrankung, die eigentlich nur behandelt werden sollte, wenn sie Beschwerden macht. Dann kann man mit einem kleinen chirurgischen Eingriff die Zyste dauerhaft von Flüssigkeit befreien.

Utev: Kann meine leichte Fettleber auch durch Narkose und Medikamente nach einer Hüft-OP ausgelöst worden sein?

Günther: Es ist unwahrscheinlich, dass durch die heute eingesetzten modernen Narkosemittel und kurzzeitig eingenommene Medikamente nach einer Hüft-OP eine Fettleber ausgelöst wurde.

Sandra: Ist eine Diabeteserkrankung ein Vorläufer für eine zu erwartende Lebererkrankung?

Günther: Bei Diabetes, wenn er nicht optimal eingestellt ist, kann es auch zu einer Leberverfettung kommen. Die meisten anderen Lebererkrankungen treten nicht gehäuft mit einem Diabetes auf.

Lucy: Bei bestehender Leberzirrhose (Child A) und erfolgter Viruseradikation (Hepatitis C) habe ich häufig Darmprobleme (viele Unverträglichkeiten, Magen- und Darmkrämpfe). Kann es einen Zusammenhang zwischen Leberzirrhose und Magen- und Darmbeschwerden geben, und falls ja, wie wäre damit umzugehen?

Günther: Nach den neuesten Erkenntnissen kann hier ein Zusammenhang bestehen. Darmbeschwerden bei Lebererkrankungen sind gar nicht so selten. Bei einer schon bestehenden Leberzirrhose könnten durch den Blutstau im Darm auch Magen- und Darmbeschwerden zu erklären sein. Man kann aber eigentlich ganz gut im Ultraschall diesen Zusammenhang erkennen. Wenn Sie diese Beschwerden haben, sollten Sie das mit dem behandelnden Leberspezialisten besprechen.

Gisi: Im Ultraschall wurde eine leichte Fettleber festgestellt. Die Leberwerte sind in Ordnung. Ich leide an Müdigkeit und auch Körperschwäche. Mein Hausarzt hat nicht weiter darauf reagiert. Ich bin nicht übergewichtig, habe jedoch sehr viele Süßigkeiten gegessen. Ich leide seit Jahren an Blähungen. Es wurde keine Ursache bisher dafür gefunden. Kann das mit der Leber zusammenhängen?

Günther: Es könnte ein Zusammenhang bestehen und man sollte hier eine abschließende Abklärung durchführen.

seni: Verursacht eine latente Schilddrüsenunterfunktion eine Fettleber?

Günther: Durch eine Schilddrüsenunterfunktion kann es auch zu Stoffwechselveränderungen kommen, die im Einzelfall eine Verfettung der Leber auslösen können.

Sabrina D.: Gibt es überhaupt Heilungschancen bei einer Leberzirrhose wenn man die Ernährung komplett umgestellt hat? Mein Mann hat seit der Erkrankung vor einem Jahr 30 kg abgenommen, trinkt keinen Alkohol und raucht nicht mehr. Uns wurde gesagt für eine Lebertransplantation ist er noch zu gesund.

Günther: Eine Leberzirrhose kann sich leider nicht mehr vollständig zurückbilden. Durch eine Vermeidung der Ursache der Leberzirrhose kann man aber eine langfristige Stabilisierung erreichen, sodass eine Lebertransplantation auf Dauer nicht nötig ist.

Blume: Bei mir wurde FNH diagnostiziert. Besteht die Möglichkeit, dass dies bösartig wird? Ich esse sehr gerne Süßigkeiten und trinke gelegentlich Alkohol. Hat dies Auswirkungen?

Günther: Eine FNH (fokale noduläre Hyperplasie) ist eine gutartige Lebererkrankung, die in keinem Fall bösartig entarten kann.

Manue: Habe eine Fettleber. Seit zwei Jahren sind bei der regelmäßigen Überprüfung der Leberwerte diese immer im Rahmen der normalen Werte! Erklärung dafür?

Günther: Eine Fettleber im Anfangsstadium muss nicht mit einer Leberwerterhöhung zusammenhängen. Wenn aber eine Verfettung der Leber bereits nachgewiesen ist, besteht ein Risiko, dass aus einer Fettleber eine Fettleberentzündung wird. Dann sind häufiger erhöhte Leberwerte nachweisbar, aber auch die Schädigung der Leber fortgeschrittener. Man sollte daher gerade in den Frühstadien der Fettleber beginnen, das Fett aus der Leber wieder zu entfernen. Der beste Weg ist eine kalorienreduzierte Ernährung.

Tigerlily: Ich soll wegen meinen erhöhten Leberwerten eine Leberbiopsie gemacht bekommen. Ist diese Untersuchung gefährlich? Welche Komplikationen könnte es geben? Ich habe MS und muss täglich MS-Tabletten einnehmen.

Günther: Wenn aus medizinischer Sicht eine Leberbiospie notwendig ist, dann ist sie mit den heutigen Methoden auch risikoarm durchführbar.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 24.09.2019 | 20:15 Uhr

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