Stand: 26.06.2017 13:57 Uhr  | Archiv

Schilddrüse: Hashimoto und Basedow behandeln

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ direkt unter dem Kehlkopf, das den gesamten Stoffwechsel steuert. Sie produziert die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die im ganzen Körper ihre Wirkung entfalten, Herz und Kreislauf antreiben, die Verdauung beschleunigen und auch die Stimmung heben. Ist die Funktion der Schilddrüse gestört, kann der ganze Organismus aus dem Gleichgewicht geraten.

Wie wird eine kranke Schilddrüse behandelt?

Diagnose: TSH-Wert im Labor bestimmen

Ob eine Schilddrüsenerkrankung vorliegt, zeigt vor allem der im Labor ermittelte Blutwert des Hormons TSH. Es wird von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ausgeschüttet und stimuliert die Produktion der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Ein erhöhter TSH-Wert deutet auf eine Unterfunktion hin, ein zu niedriger TSH-Wert auf eine Überfunktion.

Doch eine einmalige Bestimmung des TSH-Werts sagt wenig aus. Denn das Hormon ist schwierig zu messen und seine Konzentration im Blut hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel Tageszeit, akute Krankheiten, eingenommene Medikamente, Körpergewicht und Alter. Deshalb muss ein auffälliger Wert nach einigen Wochen kontrolliert werden. Oft hat sich der TSH-Wert bis dahin wieder normalisiert.

Bestätigt sich der Befund, sind weitere Laboruntersuchungen nötig (T3, T4, Antikörper MAK und TAK). Eine Ultraschalluntersuchung und eine Schilddrüsenszintigrafie (Aufnahmen mit Kontrastmittel) können nähere Informationen über die Struktur und Funktion einzelner Organanteile geben.

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Unterfunktion durch Hashimoto-Thyreoiditis

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) macht sich zum Beispiel durch ständige Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Gewichtszunahme, niedrigen Puls, trockene Haut und Haarausfall bemerkbar. Die Ursache kann eine chronische Entzündung des Organs sein, die Hashimoto-Thyreoiditis. Dabei attackiert das körpereigene Immunsystem die hormonbildenden Zellen der Schilddrüse und zerstört sie nach und nach, bis sie nicht mehr genug lebenswichtige Schilddrüsenhormone produzieren kann.

Bei einer chronischen Unterfunktion müssen die Patienten lebenslang eine halbe Stunde vor dem Frühstück die fehlenden Schilddrüsenhormone in Form von Tabletten einnehmen, um den Hormonmangel auszugleichen. Die Diagnose der Unterfunktion muss gesichert sein, denn eine unnötige Einnahme der Hormone kann zum Beispiel Herzrhythmusstörungen und Osteoporose verursachen.

Hashimoto: Beschwerden trotz Therapie

Trotz der Therapie haben viele Betroffene mit einer Unterfunktion der Schilddrüse weiter Probleme. Sie fühlen sich nicht wohl, obwohl die Blutwerte der Schilddrüsenhormone im Normalbereich sind. Oft schwanken die Schilddrüsenwerte bei Hashimoto-Erkrankten - das erschwert die Einstellung der richtigen Dosis. Klagt ein Patient trotz der Tabletten und eines TSH-Werts im Normbereich immer wieder über Müdigkeit und Niedergeschlagenheit, sollte der Arzt die Thyroxin-Dosis anpassen.

Überfunktion durch Morbus Basedow

Liegt eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) vor, klagen Betroffene oft über eine Gewichtsabnahme trotz guten Appetits, Hitzewallungen, Zittern, Nervosität oder Herzrasen. Ursache dafür können Entzündungen oder die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow sein. Bei der Basedow-Krankheit richten sich bestimmte Abwehrstoffe (Autoantikörper) gegen körpereigene Schilddrüsenzellen und regen die Produktion von Hormonen an. Frauen sind davon fünfmal häufiger betroffen als Männer.

Bei älteren Menschen sind meistens hormonproduzierende Knoten in der Schilddrüse für die Überfunktion verantwortlich. Diese sogenannten heißen Knoten unterliegen dabei nicht der Regulation der Hirnanhangsdrüse. Ursächlich hierfür ist meist ein Jodmangel. Aber auch die dauerhafte Einnahme von Kortisonpräparaten, längeres Fasten oder schwere Erkrankungen wie eine Lungenentzündung können die Schilddrüse negativ beeinflussen.

Überfunktion mit Tabletten behandeln

Für die medikamentöse Therapie der Überfunktion stehen hemmende Präparate zur Verfügung. Für eine dauerhafte Anwendung sind die sogenannten Thyreostatika allerdings ungeeignet. Die Tabletten dürfen nicht länger als 18 Monate eingenommen werden, weil sie auf Dauer zu einer Verringerung der weißen Blutkörperchen und damit zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führen und auch die Leber schädigen können.

Radiojodtherapie und Operation bei Überfunktion

Haben sich die erhöhten Werte nach einigen Monaten nicht normalisiert, kann eine Radiojodtherapie oder eine Operation erforderlich werden:

  • Bei der Radiojodtherapie nehmen die Betroffenen eine Kapsel mit radioaktivem Jod zu sich. Die Substanz reichert sich im überaktiven Schilddrüsengewebe an und zerstört es von innen. Dafür ist ein mehrtägiger Aufenthalt im Krankenhaus nötig, bis die Strahlendosis im Körper so weit gesunken ist, dass der Erkrankte die Klinik verlassen kann. Idealerweise liegen die Schilddrüsenwerte nach der Therapie wieder im Normbereich. Liegen sie darunter, können sie mit Thyroxin-Tabletten ergänzt werden.
  • Eine Operation ist sinnvoll, wenn das Organ schon zu groß gewachsen ist für eine Radiojodtherapie oder der Verdacht auf einen bösartigen Schilddrüsenknoten besteht. Beim Entfernen der Schilddrüse versucht der Chirurg meist, die winzigen Nebenschilddrüsen zu erhalten, die den Kalziumstoffwechsel steuern. In manchen Fällen kommt es aber während des Eingriffs zu Durchblutungsstörungen der Nebenschilddrüsen. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Stimmbänder durch die Operation geschädigt werden.

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Visite | 27.06.2017 | 20:15 Uhr

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