Arthrose: Selbsthilfe bei Gelenkschmerzen

Stand: 07.05.2020 21:33 Uhr

Bei Arthrose sind meist mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen - häufig tritt die Gelenkerkrankung an Knien, Hüften, Fingern oder Zehen auf.

Bis zu acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an Arthrose. Die betroffenen Gelenke schmerzen mal mehr und mal weniger stark, typischerweise besonders beim Anlaufen. Später aber auch unabhängig von Belastung. Mit der Zeit lassen sich die Gelenke immer schlechter bewegen.

Ursachen für Arthrose

Als schützende, elastische Schicht sitzt der Knorpel auf den beiden Knochenenden, die ein Gelenk bilden. Er wird von Gelenkflüssigkeit genährt. Eine gesunde Knorpelschicht wirkt wie ein Stoßdämpfer. Bei Belastung wird die Knorpelschicht gestaucht, um sich anschließend wieder auszudehnen. Dabei saugt sich der Knorpel mit Gelenkflüssigkeit voll. Nutzt er sich jedoch ab, dann reibt irgendwann Knochen auf Knochen.

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Ein  Mann umfasst sein Daumengelenk © Fotolia.com Foto: Astrid Gast

Gelenkschmerzen: Wie entsteht Arthrose?

Arthrose ist eine Erkrankung der Gelenke: Der Körper baut Knorpel ab. Welche Faktoren führen dazu? mehr

Manchmal ist ein Unfall oder eine angeborene Fehlstellung (Dysplasie) die Ursache für vorzeitigen Verschleiß - zum Beispiel X-Beine. Die Medizin sieht Arthrose aber inzwischen vor allem als chronische Entzündungskrankheit: Die Entzündungen führen zu Knorpelabbau und Schmerzen. Übergewicht ist ein erheblicher Risikofaktor: Das übermäßige Bauchfett befeuert eine systemische Entzündung, die auch den Knorpel schädigt. Darüber hinaus belastet jedes zusätzliche Kilo unsere tragenden Gelenke doppelt und dreifach: Beim normalen Gehen beispielsweise müssen die Knie das 2,5-Fache des Körpergewichts abfedern, beim Hinabsteigen einer Treppe sogar das 3,5-Fache.

Symptome einer Arthrose

Arthrose beginnt mit Steifheitsgefühlen, mitunter zeigen sich Schwellungen am Gelenk. Im weiteren Verlauf kommt es meist erst zu Belastungsschmerzen, später dann zu Dauerschmerz mit Bewegungseinschränkung.

Diagnose von Arthrose

Der Arzt wird fragen, wo und wann Schmerzen auftreten. Er tastet die Gelenke ab, prüft die Funktion, die Stabilität der Bänder und der umgebenden Muskeln. Verfahren wie Röntgen, Computer- oder Magnetresonanztomografie (CT beziehungsweise MRT) geben Aufschluss über Veränderungen am Gelenkspalt und mögliche Risse am Knorpel. Die Gelenkspiegelung (Arthroskopie), eine Methode der "Schlüsselloch-Chirurgie", kommt heute bei Arthrose mangels Nutzen nur noch selten zum Einsatz.

Arthrose behandeln durch Ernährungstherapie

Der entscheidende Schlüssel zur Heilung von Arthrose ist eine Umstellung der Ernährung. Mit bewusster Ernährung und maßvoller Bewegung gewinnen Patienten deutlich mehr Lebensqualität und können den Gelenkersatz, der der allerletzte Ausweg ist, hinausschieben oder sogar vermeiden. Die Ernährungstherapie basiert auf zwei Säulen:

  1. Hemmung der Entzündung
  2. Entlastung der Gelenke durch Abbau überflüssiger Kilos.
Auf den Speiseplan kommen deshalb wenig Kalorien und tierische Produkte, dafür viel Gemüse und gesunde Pflanzenöle.

Ernährungstherapie bei Arthrose
Eine Box mit verschiedenen gesunden Lebensmitteln. (Bildmontage) © fotolia.com Foto: pat_hastings, Sphotocrew, valery121283, atoss

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Bewegungstherapie stärkt Muskulatur und Knorpel

Bei Arthrose ist Bewegung entscheidend: Naturgemäß versucht man zwar, das betroffene Gelenk zu schonen und Schmerzen zu vermeiden - aber: Gerade bei Belastung wird die wichtige Gelenkflüssigkeit durch den Knorpel gepumpt, die ihn ernährt und das Gelenk "schmiert". Mehrmals wöchentliche gezielte Bewegung, gern Kraftsport, gegebenenfalls Kranken- oder gelenkschonende Wassergymnastik, stärkt außerdem die stützende Muskulatur ums Gelenk und fördert die Durchblutung. Massagen können die Beweglichkeit zusätzlich verbessern.

Bewegungstherapie bei Arthrose
Svea Köhlmoos zeigt die Dehnung im Prinzenstand. © NDR

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Bei Arthrose ist Bewegung entscheidend, um den angegriffenen Knorpel zu stärken und die umgebende Muskulatur zu kräftigen. Bewegung lässt sich ganz einfach in den Alltag einbauen. mehr

Ein  Mann umfasst sein Daumengelenk © Fotolia.com Foto: Astrid Gast

Was hilft bei chronischen Gelenkschmerzen?

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Behandlung: Keine Bandagen, schmerzlindernde Wickel

Orthopäden warnen jedoch vor Tape-Verbänden und Bandagen, die inzwischen überall erhältlich sind. Sie sollen angeblich beim Training die Gelenke stabilisieren. Doch das funktioniert nicht, Patienten mit einem instabilen Kniegelenk geben solche Produkte beispielsweise nicht die notwendige Stabilität. Nur das richtige Training kann Arthrose aufhalten oder verhindern.

Die Schmerzen lindern kann ein Öl aus Hochmoortorf, Rosskastanie, Ackerschachtelhalm und Lavendel: Man gibt das Öl (anthroposophisches Arzneimittel, aus der Apotheke) auf ein Baumwolltuch, das mit einem zweiten Tuch oder einer Plastiktüte über dem Gelenk fixiert wird. Die Anwendung sollte täglich erfolgen, dabei mindestens eine Viertelstunde einwirken lassen.

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Medikamentöse Therapie nur temporär anwenden

Hilfreich sind täglich fünf Gramm Hagebuttenpulver, gewonnen aus den Samen und Schalen der Frucht. Denn die Hagebutte enthält sogenannte Galaktolipide, die Studien zufolge den Knorpelabbau hemmen können. Abgesehen von dieser Phytotherapie sind Medikamente bei Arthrose auf die Dauer keine befriedigende Lösung.

Kortisoninjektionen lindern zwar den Schmerz für einige Wochen - die Langzeitanwendung von Kortison schwächt jedoch die Knochen. Die Wirksamkeit von Hyaluronsäure-Injektionen (aus Hahnenkämmen) zum Knorpelaufbau ist wissenschaftlich noch nicht bestätigt. Tabletten mit Wirkstoffen wir Diclofenac oder Acetylsalicylsäure unterdrücken den Schmerz und hemmen Entzündungen. Wegen ihrer Nebenwirkungen sind sie aber ebenfalls nur kurzfristig in akuten Phasen akzeptabel.

Multimodale Schmerztherapie bei chronischen Schmerzen

Mit einem fachübergreifenden Behandlungsprogramm lassen sich chronische Gelenkschmerzen in vielen Fällen in den Griff bekommen. Dabei trainieren Ärzte, Physiotherapeuten und Psychotherapeuten mit den Betroffenen Alltagsaktivitäten und tasten sich an die individuellen körperlichen und psychischen Belastungsgrenzen heran.

In der vierwöchigen Intensivtherapie erfahren die Teilnehmer viel über typische Merkmale chronischer Schmerzen, wo diese herkommen und wie sie damit umgehen können. Am Ende kennen die Betroffenen die Unterschiede zwischen akuten und chronischen Schmerzen, können die Schäden auf dem Röntgenbild besser einschätzen und wissen, wie Schmerzmittel funktionieren und richtig eingesetzt werden. Die Erfolgsrate ist sehr hoch: 70 bis 80 Prozent der Teilnehmer berichten über anhaltende Linderung ihrer Beschwerden.

Ganzheitliche Therapie behandelt auch die Psyche

In psychotherapeutischen Einzelgesprächen lernen die Betroffenen, ihrem Körper wieder zu vertrauen und die Schmerzen zu ignorieren. Denn auch die Seele leidet unter den Schmerzen: Frust, Ängste, depressive Verstimmungen, Rückzug und Einsamkeit können Spuren sein, die der Schmerz in der Psyche hinterlassen hat.

Oft hat der Schmerz eine Schutzfunktion: So lässt sich zum Beispiel ein Konflikt am Arbeitsplatz mit einer Krankschreibung vermeiden, oder bei Beziehungsproblemen bekommt der Partner möglicherweise Mitleid und wendet sich dem Betroffenen wieder zu. Hier kann eine Verbesserung der Problemlösungsfähigkeit viel bewirken.

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Svea Köhlmoos zeigt die Dehnung im Prinzenstand. © NDR

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Dieses Thema im Programm:

Die Bewegungs-Docs | 25.05.2020 | 21:00 Uhr

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Holzwegweiser mit den Aufschriften "vielleicht", "falsch", "richtig" und "kommt drauf an". © Chris_pl/fotolia Foto: Chris_pl

Arthrose: Therapie-Empfehlungen im DIN-A4-Format (PDF)

Entzündungshemmende Ernährung, Hilfreiches aus der Natur: Die wichtigsten Fakten und Lebensmittelempfehlungen auf einen Blick. Download (119 KB)

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