Arthrose: Selbsthilfe bei Gelenkschmerzen

Stand: 16.04.2021 11:35 Uhr

Arthrose ist eine sehr verbreitete Gelenkerkrankung. Was kann man tun, um die Schmerzen dauerhaft zu lindern - möglichst ohne OP?

Bis zu acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an Arthrose. Die betroffenen Gelenke schmerzen mal mehr und mal weniger stark. Arthrose in den Fingern erschwert das Greifen. Arthrose in Knie und Hüfte macht sich typischerweise zunächst durch Schmerzen beim Anlaufen bemerkbar - später aber auch unabhängig von Belastung. Mit der Zeit lassen sich betroffene Gelenke immer schlechter bewegen.

Symptome einer Arthrose

Arthrose beginnt mit Steifheitsgefühlen, mitunter zeigen sich Schwellungen am Gelenk. Im weiteren Verlauf kommt es meist erst zu Belastungsschmerzen, später dann zu Dauerschmerz mit Bewegungseinschränkung.

Diagnose von Arthrose

Bei der ärztlichen Untersuchung wird zunächst erfragt, wo und wann genau Schmerzen auftreten. Abtasten der Gelenke und Prüfung ihrer Funktion, der Stabilität der Bänder und der umgebenden Muskeln sind die nächsten Schritte. Verfahren wie Röntgen, Computer- oder Magnetresonanztomografie (CT beziehungsweise MRT) geben dann Aufschluss über Veränderungen am Gelenkspalt und mögliche Risse am Knorpel.

Die Gelenkspiegelung (Arthroskopie), eine Methode der "Schlüsselloch-Chirurgie", kommt heute bei Arthrose mangels Nutzen nur noch selten zum Einsatz.

Ursachen für Arthrose

Arthrose ist eine Verschleißerkrankung. Als schützende, elastische Schicht sitzt normalerweise der Knorpel auf den beiden Knochenenden, die ein Gelenk bilden. Eine gesunde Knorpelschicht wirkt wie ein Stoßdämpfer: Bei Belastung wird der Knorpel gestaucht, um sich anschließend wieder auszudehnen. Dabei saugt sich der Knorpel wie ein Schwamm mit Gelenkflüssigkeit voll. Diese Gelenkflüssigkeit nährt ihn und hält ihn geschmeidig. Im Laufe der Jahrzehnte wird der Knorpel jedoch spröder. Verschiedene Faktoren können den Verschleiß beschleunigen. Darunter auch mangelnde Bewegung, denn nur bei Benutzung des Gelenks wird die nährende Gelenkflüssigkeit durch den Knorpel gepumpt.

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Ein  Mann umfasst sein Daumengelenk © Fotolia.com Foto: Astrid Gast

Gelenkschmerzen: Wie entsteht Arthrose?

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Manchmal ist ein Unfall oder eine angeborene Fehlstellung (Dysplasie) die Ursache für vorzeitigen Verschleiß, zum Beispiel X-Beine. Die Medizin sieht Arthrose aber inzwischen vor allem als chronische Entzündungskrankheit: Die Entzündungen führen zu Knorpelabbau und Schmerzen. Übergewicht ist ein erheblicher Risikofaktor: Das übermäßige Bauchfett befeuert eine systemische Entzündung, die auch den Knorpel schädigt. Darüber hinaus belastet jedes zusätzliche Kilo unsere tragenden Gelenke doppelt und dreifach: Beim normalen Gehen beispielsweise müssen die Knie das 2,5-Fache des Körpergewichts abfedern, beim Hinabsteigen einer Treppe sogar das 3,5-Fache.

Arthrose behandeln durch Ernährungstherapie

Ein maßgeblicher Schlüssel zur Heilung von Arthrose ist eine Umstellung der Ernährung. Mit bewusster Ernährung und maßvoller Bewegung gewinnen Patienten deutlich mehr Lebensqualität und können den Gelenkersatz, der der allerletzte Ausweg ist, hinausschieben oder sogar vermeiden. Die Ernährungstherapie basiert auf zwei Säulen:

  1. Hemmung der Entzündung
  2. Entlastung der Gelenke durch Abbau überflüssiger Kilos.
Auf den Speiseplan kommen deshalb wenig Kalorien und tierische Produkte, dafür viel Gemüse und gesunde Pflanzenöle. Antientzündliche Gewürze wirken zusätzlich schmerzlindernd.

Ernährungstherapie bei Arthrose
Eine Box mit verschiedenen gesunden Lebensmitteln. (Bildmontage) © fotolia.com Foto: pat_hastings, Sphotocrew, valery121283, atoss

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Bewegungstherapie stärkt Muskulatur und Knorpel

Wie oben geschrieben, ist zur Gelenkerhaltung genügend Bewegung ganz entscheidend. Naturgemäß versucht man zwar, schmerzende Gelenke zu schonen - dies ist aber nur bei akutem Entzündungsgeschehen notwendig (rote, heiße Gelenke). Nur bei Bewegung wird die wichtige Gelenkflüssigkeit durch den Knorpel gepumpt, die ihn ernährt und das Gelenk "schmiert".

Wichtig ist also, betroffene Gelenke durchzubewegen und die umgebende Muskulatur zu stärken. Dies geschieht beispielsweise durch mehrmals wöchentlich gezielte Übungen, gern Kraftsport, gegebenenfalls Kranken- oder gelenkschonende Wassergymnastik. Massagen können die Beweglichkeit zusätzlich verbessern.

Bewegungstherapie bei Arthrose
Svea Köhlmoos zeigt die Dehnung im Prinzenstand. © NDR

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Ein  Mann umfasst sein Daumengelenk © Fotolia.com Foto: Astrid Gast

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Schmerzlindernde Behandlung durch Wickel

Orthopäden warnen vor leichtfertigem Vertrauen in Tape-Verbände und Bandagen, die inzwischen überall erhältlich sind. Sie sollen angeblich beim Training die Gelenke stabilisieren. Doch das funktioniert nicht: Patienten mit einem instabilen Kniegelenk geben solche Produkte nicht die notwendige Stabilität. Nur das richtige Training kann Arthrose aufhalten oder verhindern.

Die Schmerzen lindern kann ein Öl aus Hochmoortorf, Rosskastanie, Ackerschachtelhalm und Lavendel: Man gibt das Öl (anthroposophisches Arzneimittel, aus der Apotheke) auf ein Baumwolltuch, das mit einem zweiten Tuch oder einer Plastiktüte über dem Gelenk fixiert wird. Die Anwendung sollte täglich erfolgen, dabei mindestens eine Viertelstunde einwirken lassen.

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Medikamentöse Therapie nur temporär anwenden

Hilfreich sind täglich fünf Gramm Hagebuttenpulver, gewonnen aus den Samen und Schalen der Frucht. Denn die Hagebutte enthält sogenannte Galaktolipide, die Studien zufolge den Knorpelabbau hemmen können. Abgesehen von dieser Phytotherapie sind Medikamente bei Arthrose auf die Dauer keine befriedigende Lösung.

Kortisoninjektionen lindern zwar den Schmerz für einige Wochen - die Langzeitanwendung von Kortison schwächt jedoch die Knochen. Die Wirksamkeit von Hyaluronsäure-Injektionen (aus Hahnenkämmen) zum Knorpelaufbau ist wissenschaftlich noch nicht bestätigt. Tabletten mit Wirkstoffen wir Diclofenac oder Acetylsalicylsäure unterdrücken den Schmerz und hemmen Entzündungen. Wegen ihrer Nebenwirkungen sind sie aber ebenfalls nur kurzfristig in akuten Phasen akzeptabel.

Multimodale Schmerztherapie bei chronischen Schmerzen

Mit einem fachübergreifenden Behandlungsprogramm, der sogenannten multimodalen Therapie, lassen sich chronische Gelenkschmerzen in vielen Fällen in den Griff bekommen. In der vierwöchigen Intensivtherapie erfahren die Teilnehmer viel über typische Merkmale chronischer Schmerzen, wo diese herkommen und wie sie damit umgehen können. Am Ende kennen die Betroffenen die Unterschiede zwischen akuten und chronischen Schmerzen, können die Schäden auf dem Röntgenbild besser einschätzen und wissen, wie Schmerzmittel funktionieren und richtig eingesetzt werden. Die Erfolgsrate ist sehr hoch: 70 bis 80 Prozent der Teilnehmer berichten über anhaltende Linderung ihrer Beschwerden.

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 05.10.2020 | 21:00 Uhr

Zum Ausdrucken (PDF)

Holzwegweiser mit den Aufschriften "vielleicht", "falsch", "richtig" und "kommt drauf an". © Chris_pl/fotolia Foto: Chris_pl

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