Affenpocken in Deutschland: Wie gefährlich ist das Virus?

Stand: 30.05.2022 21:46 Uhr

Nach bestätigten Fällen in mehreren europäischen Ländern sind auch in Deutschland Infektionen mit Affenpocken gemeldet worden - mittlerweile auch in Norddeutschland. Wie gefährlich ist das Virus?

von Korinna Hennig und Nele Rößler

Mit Affenpocken Infizierte sollen in Deutschland für mindestens 21 Tage in Isolation, so lautet die Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI). Zudem müssten die Symptome ausgeheilt sein, bevor die Isolation beendet werden könne, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Auch für Kontaktpersonen von Infizierten gelte die "dringende Empfehlung", sich für 21 Tage in Quarantäne zu begeben. Am 30. Mai wurde der erste Fall in Norddeutschland gemeldet: Die Bernhard-Nocht-Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) nahm nach eigenen Angaben einen infizierten 32-jährigen Patienten auf.

Lauterbach: Impfdosen gegen Affenpocken sind auf dem Weg

Lauterbach rechnet mit den ersten Impfdosen gegen Affenpocken in den ersten beiden Juni-Wochen. In der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" sagte der SPD-Politiker Ende Mai, er erwarte dann rund 40.000 Einheiten, anschließend etwa 200.000 weitere. Eine Impfung der allgemeinen Bevölkerung sei nicht im Gespräch, hatte Lauterbach bereits zuvor gesagt. Vielmehr werde über Impfempfehlungen für besonders gefährdete Personen nachgedacht.

Schmidt-Chanasit befürchtet keine Affenpocken-Pandemie

Laut Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sollte man auf keinen Fall von einer Pandemie sprechen, von diesem Szenario seien wir weit entfernt. Der Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung in Hamburg erklärte auf NDR Info, dass das Affenpockenvirus ein ganz anderes Virus sei als das Sars-CoV-2-Virus. Es sei sehr viel schwerer übertragbar. Zudem seien bisher nur wenige Einzelfälle bekannt. "Wenn ein Fall auftritt, kann man um diesen Fall herum impfen und somit eine Weiterverbreitung unterbinden."

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Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Affenpocken:

Wie wird das Virus übertragen?

Menschen stecken sich vor allem an Tieren mit dem Virus an. Durch den Kontakt mit Blut, Gewebe oder Ausscheidungen infizierter Tiere oder dadurch, dass man deren Fleisch isst. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist laut Robert Koch-Institut selten. Sie ist allerdings möglich durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Schorf der Affenpocken-Infizierten und vermutlich auch durch Sex. Ungewöhnlich an der aktuellen Lage ist, dass das Virus in Menschen ohne Reise-Vorgeschichte nachgewiesen wurde, offenbar hatten sie sich tatsächlich durch engen Kontakt mit Infizierten angesteckt. Diagnostizieren lassen sich Affenpocken offenbar gut, der Hautausschlag ist sehr spezifisch. Auch die Diagnostik durch PCR-Verfahren ist gut etabliert.

 

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NDR Info | Aktuell | 24.05.2022 | 15:45 Uhr

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