Stand: 28.09.2018 19:26 Uhr

Reederei befürchtet "deutlichen Einnahmeausfall"

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Schwerbehinderte fahren künftig auf der Strecke zwischen Emden und Borkum gratis. Auf anderen Strecken müssen sie teilweise weiter zahlen.

Der Fährbetreiber Ems AG befürchtet nach dem jüngsten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts einen "deutlichen Einnahmeausfall" und denkt über Kompensationszahlungen des Landes Niedersachsen sowie höhere Fahrpreise nach. "Wir müssen analysieren, in welcher Höhe wir gesetzliche Ausgleichleistungen vom Land erhalten werden und auf welchen Einnahmeausfällen wir endgültig sitzen bleiben. Erst dann können wir sagen, ob und wie weit deshalb allgemeine Fahrpreisanpassungen notwendig werden", sagte Fährdienstleiter Hans-Jörg Oltmanns als Reaktion auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts am Donnerstag.

Fährverkehr zwischen Emden und Borkum ist Nahverkehr

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte am Donnerstag die Revision des Fährbetreibers Ems AG abgewiesen und entschieden, dass die Fährverbindung zwischen Borkum und Emden als Nahverkehr gilt. Somit ist für Schwerbehinderte mit dem Ausweis "G" und einer erforderliche Wertmarke die Beförderung wie in Bussen und Bahnen kostenlos. "Für die Schwerbeschädigten freut uns das Urteil durchaus", so Oltmanns. Der Gerichtsbeschluss, gegen den keine weiteren Rechtsmittel möglich sind, betrifft lediglich den Schiffsliniendienst von Emden zur Nordseeinsel Borkum.

Urteil betrifft andere Fährstrecken nicht

Ein Sprecher der Frisia-Reederei, die Fähren von und nach Norderney sowie Juist betreibt, betonte am Freitag, dass Schwerbehinderte auf diesen Routen auch künftig ein Ticket kaufen müssten. Die Reederei betrachte den Fährbetrieb nach wie vor als Fernverkehr. "Wir befördern überwiegend Urlauber", sagte der Frisia-Sprecher. Die Landesbehindertenbeauftragte in Niedersachsen, Petra Wontorra, kritisierte diese Haltung. "Ich sehe mindestens Norderney genauso in der Pflicht wie Borkum", sagte sie am Freitag. Am Oberverwaltungsgericht Lüneburg ist bereits die Klage eines Schwerbehinderten auf kostenlose Fahrten auf den Frisia-Routen anhängig. Von und nach Langeoog und Wangerooge kommen Schwerbehinderte bereits heute gratis.

Liegt die Zahl der Berechtigten über dem Landesschnitt?

Wie groß die tatsächlichen Einnahmeausfälle auf der Strecke zwischen Emden und Borkum sein werden, hängt nach Einschätzung der Ems AG davon ab, wie viele Personen die kostenfreie Fahrt in Anspruch nehmen. Auf der Insel gebe es zahlreiche Rehabilitationseinrichtungen, man schließe nicht aus, dass die Zahl der Berechtigten deutlich über dem Landesdurchschnitt von 3,5 Prozent aller Reisenden liegen könnte, hieß es in einer Mitteilung der Reederei.

Weitere Informationen

Borkum-Fähre ist für Schwerbehinderte kostenlos

Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden: Inselverkehr ist Nahverkehr - die Fährverbindung zwischen Borkum und Emden ist künftig für Schwerbehinderte kostenlos. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.09.2018 | 07:00 Uhr

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