Stand: 18.05.2020 12:54 Uhr

Rechte bilden Netzwerke im ländlichen Raum

Projektleiter Ruben Obenhaus steht vor einem Plakat mit der Aufschrift "Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus für Demokratie". © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt
Politikwissenschaftler Ruben Obenhaus und seine Kolleginnen und Kollegen beobachten völkische Siedler in Niedesachsen.

Wer eine rechtsextreme Haltung hat, zieht sich zunehmend in ländliche Räume Niedersachsens zurück. So lautet die Einschätzung der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus für Demokratie. Laut Projektleiter Ruben Obenhaus sind dabei die Höfe von völkischen Siedlern im Nordosten des Bundeslandes ein beliebter Rückzugsort für Menschen mit rechter Gesinnung. "Sie vernetzen sich dort, laden Rechtsextreme ein und Kinder aus rechtsextremen Familien", sagte der Politikwissenschaftler. Auch Jugendcamps werden in diesen Gebieten abgehalten.

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Rechtsextreme Familien aus ganz Deutschland

Die Rückzugsorte liegen demnach in den Landkreisen Lüchow-Dannenberg, Uelzen, Lüneburg und im Heidekreis. Das Projekt untersucht diese Gegenden seit drei Jahren. Seit dem Start sei zu beobachten, dass rechtsextreme Familien aus ganz Deutschland die völkischen Siedlungen nutzen, um sich zu verbinden. Laut Obenhaus eine "explosive Mischung". In den Familien wachse eine neue Generation an Rechtsextremen heran.

Politikwissenschaftler: Gefahr nicht unterschätzen

Der Nordosten Niedersachsens wurde bereits 2017 von der Amadeu Antonio Stiftung als Sammelbecken der rechten Szene beschrieben. Die völkische Szene in Niedersachsen sei die größte im Westen Deutschlands. Zu den völkischen Siedlern gehören laut der Mobilen Beratung auch Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen. Sie gingen strategisch vor und hätten Kontakte zur NPD. Die Anzahl der rechtsextremen Familien in ländlichen Regionen in Niedersachsen wird auf 60 bis 80 geschätzt. Auch wenn es sich um eine Minderheit handele, dürfe die Gefahr nicht unterschätzt werden, so Obenhaus.

"Demokratie leben!"

Das Team der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus besteht aus sechs Beraterinnen und Beratern. Es unterstützt unter anderem Vereine und Verbände, pädagogische Einrichtungen und Verwaltungen. "Wir waren in den vergangenen Jahren in sämtlichen Landkreisen in ganz Niedersachsen aktiv", sagte Projektleiter Obenhaus. Das Projekt wird über das Bundesprogramm "Demokratie leben!" finanziert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.05.2020 | 15:00 Uhr

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