Stand: 21.08.2020 17:49 Uhr

Azubi mit 61: Quereinsteiger gegen Lokführermangel

Lokführer unterwegs mit einem Güterzug. © imago Foto: Manfred Segerer
Rund 400 Lokführer fehlen aktuell allein in Niedersachsen. Helfen gegen den Mangel sollen unter anderem Quereinsteiger (Archivbild).

Wie Feuerwehrmann und Baggerfahrer stand Lokführer einst ganz oben auf der Berufswunschliste vieler Jungen. Davon scheint im Erwachsenenalter nicht mehr viel übrig geblieben zu sein. Seit Jahren werden zu wenig Lokführer ausgebildet. Hinzu kommt der demografische Wandel, in dessen Folge zahlreiche altgediente Mitarbeiter in den Ruhestand gehen.

VIDEO: Quereinsteiger auf dem Weg zum Lokführer (4 Min)

400 Lokführer fehlen in Niedersachsen

Trotz aller Appelle bleibt der Mangel akut: Nach Angaben der Norddeutschen Eisenbahnfachschule (NEF) fehlen aktuell allein in Niedersachsen rund 400 Lokführer, wie NDR Niedersachsen berichtet. Bundesweit soll es sich um etwa 1.400 unbesetzte Stellen handeln. Um die drohenden Folgen wie weitere Zugausfälle und ausgedünnte Fahrpläne zu vermeiden, setzen die Bahnunternehmen auch auf Berufswechsler. Um mehr Quereinsteiger auszubilden, haben die Eisenbahngesellschaften ihre Zusammenarbeit konkretisiert und gemeinsam mit dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium und der Agentur für Arbeit die Initiative "Zug um Zug zum Lokführer" ins Leben gerufen.

Azubi im Alter von 61 Jahren

Umgesetzt wird die Ausbildung für Quereinsteiger unter anderem in Ankum (Landkreis Osnabrück). Der dortige ausgemusterte Bahnhof wird für das Ausbildungs-Zentrum genutzt, von dem es landesweit drei gibt. Ein Jahr dauert die Ausbildung samt Theorie- und Praxisteil. Das Alter der Azubis spielt dabei kaum eine Rolle. Viele der Lokführer-Lehrlinge sind laut NEF-Ausbilder Sebastian Schlemmer älter als 50 Jahre. Sein ältester Azubi sei sogar 61 Jahre alt gewesen. Schlemmer sieht einen Trend: In letzter Zeit ließen sich immer mehr Menschen auch in höherem Alter nochmal zum Lokführer ausbilden. Meistens handele es sich dabei um Männer, so Schlemmer. Und vielleicht ist darunter der ein oder andere, der sich gegen Ende seines Arbeitslebens doch noch seinen Berufswunsch aus Kindheitstagen erfüllt.

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Blick in den Führerstand eines Nahverkehrszuges der DB-Regio AG. © dpa Foto: Martin Schutt

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 21.08.2020 | 19:30 Uhr

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