Zeitzeichen

18. April 1605

Samstag, 18. April 2020, 19:05 bis 19:20 Uhr, NDR Info

Der Geburtstag des italienischen Komponisten Giacomo Carissimi
Ein Beitrag von Walter Liedtke (WDR)

Giacomo Carissimi ist ein musikalischer Propagandist der Gegenreformation im 17. Jahrhundert. Er arbeitet jahrzehntelang am Jesuitenkolleg in Rom unweit des damals noch ganz neuen Petersdoms. Die Jesuiten begeistern die Menschen mit ihren Predigten für den katholischen Glauben, Carissimi mit seiner Musik. Dafür nutzt er die Formen der gerade erst entstandenen Kunstform Oper.

Er vertont alttestamentarische Geschichten mit verteilten Rollen. Dadurch gibt er entscheidende Impulse für die Entwicklung der Gattung des Oratoriums. Er reißt die Zuhörer durch seine emotionalen Rezitative und Chöre mit - später in der Barockmusik transportieren vor allem die Arien die Emotionen. Außerdem sind seine Oratorien Kammermusik und nicht für große Besetzungen gedacht. Ebenso wichtig ist Carissimi für die Herausbildung der Form der Geistlichen Kantate. Seine Kantaten werden am Hof der zum Katholizismus übergetretenen Königin Christina von Schweden in Rom aufgeführt, deren Kapellmeister er ist. In der Übergangszeit zwischen Renaissance- und Barockmusik testet er neue Grenzen aus und prägt mit dem Oratorium und der Kantate zwei Gattungen, die dann von den 80 Jahre später geborenen Komponisten Händel und Bach zur Vollendung gebracht werden.