Zeitzeichen

5. Juli 1960

Sonntag, 05. Juli 2020, 19:05 bis 19:20 Uhr, NDR Info

Die deutsche Erstaufführung des Films "Außer Atem" von Jean-Luc Godard
Ein Beitrag von Ariane Hoffmann (WDR)

Die Handlung des Films "Außer Atem" ist schnell erzählt: Auf den Champs-Elysées in Paris begegnet Autoknacker Michel (Jean-Paul Belmondo) der amerikanischen Studentin Patricia (Jean Seberg). Er verliebt sich in sie. Doch sie verrät ihn nach zwei Tagen an die Polizei. Bei der Verhaftung wird Michel von einem Beamten erschossen. Seine letzten Worte zu Patricia: "Ich finde dich zum Kotzen." Mit seinem ersten Spielfilm will der noch unbekannte, französische Regisseur Jean-Luc Godard den "Film noir" mit Stars wie Humphrey Bogart ehren.

Doch er kreiert ein eigenes, neues Genre: die "Nouvelle vague" - die neue Welle - einen Abgesang auf das klassische Genre und den immer siegreichen Gangstertyp. Anders als Bogart ist Jean-Paul Belmondo am Ende der Verlierer. Und Jean Seberg ist nicht nur süß und unschuldig, sondern eine knallharte Verräterin. Gedreht wird "Außer Atem" erstmals mit wackeliger Handkamera und natürlichem Licht, unterlegt mit Alltagsgeräuschen aus Paris. Während Godards erster Spielfilm in Frankreich sofort ein Erfolg und Belmondo über Nacht zum Star wird, sind die Meinungen in Deutschland uneins. "Außer Atem" wird am 5. Juli 1960 auf der Berlinale erstaufgeführt und bringt Godard den Silbernen Bären ein. Während einige Zeitungen den Film als Aufforderung zur Kriminalität bezeichnen, lieben ihn die deutschen Intellektuellen. Inzwischen ist "Außer Atem" ein Klassiker des französischen Films.