Zeitzeichen

22. November 1220

Sonntag, 22. November 2020, 19:05 bis 19:20 Uhr, NDR Info

Seiten eines Kalenders © Fotolia_80740401_Igor Negovelov

Bewundert und verteufelt

Sendung: ZeitZeichen | 22.11.2020 | 10:00 Uhr | von Wember, Heiner

Am 22. November 1220 wird Friedrich II. zum Kaiser gekrönt. Er war seiner Zeit in vielen Dingen voraus. Er förderte die Naturwissenschaften und drängte das Papsttum zurück.

Die Kaiserkrönung von Friedrich II.
Ein Beitrag von Heiner Wember (WDR)

Seine Zeitgenossen nannten ihn "Stupor mundi", "Das Erstaunen der Welt". Tatsächlich gab es viel zu Staunen bei Kaiser Friedrich II. Der Enkel Barbarossas war so ganz anders als seine mittelalterlichen Vorgänger. Er wuchs in Palermo auf und verbrachte einen Großteil seines Lebens südlich der Alpen. Friedrich sprach viele Sprachen. Er schrieb ein Meisterwerk über die Falkenjagd und führte als wissbegieriger Monarch das Rechnen mit der Null ein.

Friedrich führte einen Kreuzzug ohne Blutvergießen. Als gebildetem Kaiser gelang es Friedrich, mit dem Sultan für Jerusalem einen Kompromiss auszuhandeln. Der Kaiser führte eine moderne Verwaltung ein und konnte den Einfluss des Papsttums zurückdrängen. Friedrich, als "Wunderwesen" beschrieben, gilt heute als erster moderner Mensch auf dem Kaiserthron, der die Naturwissenschaften förderte und Universitäten gründete. Friedrich war seiner Zeit weit voraus; entsprechend wurde er von seinen Gegnern verleumdet. Sie behaupteten, er sei in Wirklichkeit ein Metzgerskind gewesen und untergeschoben worden; er sei ein Freund der Moslems und im Grunde kein christlicher Herrscher.