Jazz – Round Midnight

Flammen aus Archie Shepps Saxofon

Mittwoch, 14. April 2021, 23:30 bis 00:00 Uhr

Archie Shepp auf dem Juan Jazz Festival 2017 in Juan-les-Pins in Frankreich. © Lantonin / Andia

Am Mikrofon: Sarah Seidel

Archie Shepp auf dem Juan Jazz Festival 2017 in Juan-les-Pins in Frankreich. © Lantonin / Andia
Archie Shepp auf dem Juan Jazz Festival 2017 in Juan-les-Pins in Frankreich.

"Fire Music" – Archie Shepp legte in jungen Jahren Feuer, jedenfalls musikalisch. Dieses Feuer loderte aus seinem Saxofon, seinen Songtexten und seiner politischen Haltung. Die Schreie seines Instruments waren intensiv und aufrüttelnd. In den 1960er Jahren, zur Zeit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, war er der "angry young man", ein über die vorherrschende gesellschaftliche Ungleichheit und den Rassismus aufgebrachter junger Afroamerikaner, der seine Gefühle mittels seines Horns zum Ausdruck brachte. Das Saxofon als Waffe des Musikers, als Instrument des Protests, oder als, so sagte er es selbst einmal, "Maschinengewehr des Vietcong".

Speerspitze der Jazz-Avantgarde

Archie Shepp gehörte als Künstler des Labels Impulse! zur Speerspitze der Jazz-Avantgarde, sein Mentor und Vorbild war John Coltrane. Schon die Titel von Shepps Aufnahmen zeugen von seinen Intentionen als Künstler. Da waren die Alben "Things Have Got To Change", "The Cry Of My People" und "Attica Blues", allesamt aufgenommen für das Label Impulse!. Letzteres thematisiert die blutige Niederschlagung einer Revolte in einem Gefängnis in Upstate New York. In seiner späteren Karriere wurde der Saxofonist ruhiger und melodischer und betonte in seiner Musik wieder mehr die traditionellen afroamerikanischen Idiome wie Blues, Gospel und Spiritual.  

In Paris

1971 nahm Archie Shepp eine Professur in Amherst, Massachusetts an. Eine Aufgabe, der er sich 30 Jahre lang widmete. Er ist Gründer des Labels "Archieball", auf dem auch sein neuestes Duoalbum mit dem Pianisten Jason Moran erschienen ist. Seit mehr als 25 Jahren lebt der Saxofonist mit seiner Frau hauptsächlich in Paris, wo der Fotograf Arne Reimer ihn besucht und einen gut gekleideten, sehr ernsthaften Gesprächspartner erlebt hat.

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