Jazz – Round Midnight

Der Trompeter Theo Croker und der Jazzbegriff

Montag, 26. September 2022, 23:30 bis 00:00 Uhr

Eine Sendung von Sarah Seidel

"Ich bringe eine Menge Integrität mit, wenn es um Musik geht", sagt der 37-jährige Trompeter Theo Croker. "Wenn ich Musik mache, achte ich nicht auf Genres oder darauf, in welche Schublade meine Musik später mal gesteckt wird. In der Musik bin ich absolut ehrlich. Ich fokussiere mich und nehme die Vibrations in der Musik wahr."

Theo Croker und der Jazzbegriff

Theo Croker, Jazztrompeter © picture alliance / Malte Christians/dpa | Malte Christians Foto: Malte Christians
Theo Croker ist einer der starken Trompeter der heutigen Zeit. Er will die tiefsten Aspekte von Kreativität erforschen.

Theo Crokers Alben sind eine Art Labor, in dem er die Musik gestaltet. Ein Mix mit einer sehr modernen Sound-Ästhetik. Musik, die auf der Suche nach der eigenen schwarzen Identität entsteht - mit Soulgesang, HipHop-Beats und Rap. Für sein Album "Love Quantum" hat er sich weitgehend vom Prinzip Jazz gelöst und einen durchelektrifizierten und durchproduzierten Rahmen gewählt. "Jazz Is Dead" heißt ein Titel des Albums. Wirklich? Für Croker ist "Jazz" ein Begriff, der von den alten Jazz-Granden nie akzeptiert wurde - nicht von Miles Davis, Louis Armstrong, Charles Mingus oder Duke Ellington.

"Sie alle haben das Wort Jazz abgelehnt", so der Trompeter. "Wie geht man 120 Jahre später damit um, dass ihre Gesichter weltweit für den Jazz stehen? Sie waren so viel größer als das. Das Wort 'Jazz' wurde genutzt, um schwarze Musik und die intellektuellen, kreativen schwarzen Künstler in eine Schublade zu stecken. Eine Schublade, die man kontrollieren und dem Mainstream unterordnen kann. All diese großen Künstler haben moderne Musik gemacht", sagt Croker.

Die tiefsten Aspekte der Kreativität erforschen

Kurz nach seinem Album "Love Quantum" ist im August 2022 "Sketches Of Miles" erschienen, eine Aufnahme mit dem Theo Croker Quartett im Rahmen der Reihe "Jazz at Berlin Philharmonic". Ein Tribut an Miles Davis und den Jazz der 1950er Jahre. Auch das ist Theo Croker: ein Musiker, der die Tradition kennt, schätzt und weitergibt.

Seit einiger Zeit spielt er im Sextett des französischen Saxofonisten Émile Parisien, eine europäisch-amerikanische Liaison, die für Theo Croker noch einmal neue Perspektiven auftut. "Zusammen versuchen wir, die tiefsten Aspekte der Kreativität zu erforschen", sagt Theo Croker, einer der starken Trompeter der heutigen Zeit – authentisch, hochtalentiert, geistreich und produktiv.

 

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