Silvan Strauß am Schlagzeug © Silvan Strauß

Silvan Strauß ist Preisträger des Hamburger Jazzpreises 2021

Stand: 03.08.2021 15:14 Uhr

Der Hamburger Jazzpreis ist einer der renommiertesten Preise für Jazz im Norden. Alle zwei Jahre werden Jazzmusiker*innen für besondere Leistungen in Hamburg ausgezeichnet.

Silvan Strauß am Schlagzeug © Silvan Strauß
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Mitreißend, emotional und körperlich - beim Sehen, beim Spielen und vor allem beim Hören - wenn Silvan Strauß hinter einem Drumset sitzt, ist das ein Erlebnis. Komplizierte Grooves, schwierige Taktarten, vertrackte Rhythmen - all das klingt federleicht und löst unweigerlich aus, dass man mitwippen und grooven muss. Hier ist ein Schlagzeuger mit einer eigentlich ganz simplen Einstellung am Werk.

"Irgendwie freu ich mich immer auf das nächste Konzert am meisten!" sagt Silvan Strauß, und davon gibt es ja jetzt zum Glück auch wieder ein paar. Erst einmal aber freut sich der gebürtige Allgäuer über den Hamburger Jazzpreis, eine für ihn völlig unerwartete Überraschung. "Es war so ein richtig klassischer Anruf aus dem Nichts, wie man sich das so vorstellt bei solchen Sachen. Ich war gerade im Supermarkt, hatte mir ein kleines Feierabendbier gekauft und das ist dann zum Celebration-Bier geworden."

Und Grund zum Feiern gibt es reichlich. Für den Hamburger Jazzpreis bewirbt man sich nicht. Eine von der Interessensvertretung, dem Jazzbüro Hamburg, einberufene Jury, die vor allem aus Musiker*innen der hiesigen Jazzszene besteht, zeichnet eine Künstlerin oder einen Künstler für besondere Verdienste um den Jazz in der Hansestadt aus. Eine besondere Auszeichnung, wie der Schlagzeuger meint: "Es ist wahnsinnig schön, eine Bestätigung zu bekommen in Form von so einem Preis. Und wenn ich auch so die Jury sehe und die ganze Szene, dann sind das alles Leute, die ich wahnsinnig schätze und wenn man so deutlich zurückbekommt, dass man auch geschätzt wird, dann macht mich das wahnsinnig happy und stolz."

Verwurzelt in der Hamburger Jazzszene

Silvan Strauß stammt aus Kempten im Allgäu. Schon als Kleinkind trommelt er auf allem herum, was er in die Hände bekommt. Nach ersten Erfolgen beim Wettbewerb "Jugend Musiziert" und Gehversuchen in Rock- und HipHop-Bands, wird er Mitglied im Landesjugendjazzorchester Bayern. In dieser Zeit lernt Silvan einige seiner engsten Freunde und Weggefährten kennen, den Gitarristen Alex Eckert und den Percussionisten Samuel Wooton. Gemeinsam verschlägt es sie zum Studieren nach Hamburg. Dort lernen sie den Bassisten Daniel Stritzke kennenlernen, der von der Insel Föhr in die Großstadt zur Musikhochschule gekommen ist. Seitdem sind die vier unzertrennlich und mischen die Hamburger Jazzszene als Kollektiv mit dem Namen TOYTOY auf.

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Silvan Strauß  am Schlagzeug © Daniel Koch

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Schlagzeuger Silvan Strauß, kürzlich mit dem Hamburger Jazzpreis 2021 ausgezeichnet, zu Gast bei NDR Kultur à la carte. mehr

"Es ist einfach Familie und gleichzeitig auch Kollegen - wir haben schon tausendmal gestritten, tausendmal richtig gute Gigs gespielt, schon tausendmal gefeiert oder in irgendwelchen ranzigen WGs auf dem Boden gepennt. Das nimmt uns keiner mehr weg und da ist dann vieles mit einem Blick klar, wo andere Leute lang diskutieren müssten." beschreibt der Schlagzeuger die Arbeit mit dem Kollektiv. Diese Eingespielheit merkt man Silvan Strauß und TOYTOY an. Einer der größten Erfolge ist die Konzertreihe "re:jazzed", wo die Band legendäre HipHop-Alben mit vielen Gastmusiker*innen unterschiedlichster Prägung studieren und auf ihre eigene besondere Art neu interpretieren.

Einfach hinkommen, Schlagzeug spielen

Das Zusammenbringen verschiedener Leute mit klassischen, jazzigen oder ganz anderen musikalischen Wurzeln ist eine Herzensangelegenheit von Silvan Strauß. Besonders angetan hat es dem Schlagzeuger HipHop - eine Kunstform, die viele Gemeinsamkeiten mit Jazz hat. Silvan Strauß: "Es ist wie ein geiles Museum, oft ein Track alleine schon - mit den ganzen Samples, aus welchen Filmen, von welchen Platten kommen die her. Wenn man die Ohren und das Herz und den Kopf aufmacht, kannst Du bei beiden Kunstformen - oder vielleicht ist es ja auch nur eine - einfach wahnsinnig viel lernen." Durch diese Offenheit hat der junge Drummer ein inzwischen auch international weit verzweigtes künstlerisches Netzwerk gesponnen. Er spielt mit zahlreichen Jazzgrößen, ist Mitglied in der Band der portugiesischen Sängerin Maria João oder der Bassistin Lisa Wulff und arbeitet regelmäßig mit der NDR Bigband. "Ich genieße es auch total Sideman zu sein. Da komm ich hin, ich hab mein Drumset dabei, setz mich hin und dann spiel ich. Da hab ich nicht so eine eigene programmatische Aufgabe: Einfach hinkommen, Schlagzeug spielen so gut es geht und das ist es."

Das klingt dann manchmal kompliziert, aber dann doch leichtfüßig und vor allem mitreißend. Wenn er am Schlagzeug sitzt, ist er eben ein Erlebnis, der Silvan Strauß!

Das Interview führte Felix Tenbaum.

Dieses Thema im Programm:

NDR Jazz | Play Jazz! | 03.08.2021 | 22:35 Uhr

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