Giorgi Kiknadze über den Werner Burkhardt Musikpreis

Stand: 21.04.2021 09:00 Uhr

Ein kühler Morgen im Hamburger Schanzenviertel. Der Bassist Giorgi Kiknadze hat seinen Kontrabass dabei. Wenn es sein muss, sagt er, trägt er ihn auch durch ganz Hamburg.

Giorgi, Du hast einige Bands. In wie vielen Bands spielst Du gerade parallel?

Im Moment leider in keiner, aufgrund der Situation. Aber es gibt vier bis fünf, vielleicht auch sechs. Davon sind drei eigene Projekte.

Kommst Du in normalen Zeiten manchmal durcheinander mit den Bands?

Nein, ich weiß meistens was ansteht.

Glückwunsch zum Werner Burkhardt Musikpreis! 2020 wurde schon offiziell bekanntgegeben, dass Du ihn bekommst. Jetzt wurde er verliehen.

Vielen Dank!

Was bedeutet Dir das? Du bist jemand, der schon lange in der Szene unterwegs ist. Der mit vielen Leuten in Bands spielt. Ist so ein Preis trotzdem noch etwas besonderes?

Es ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Es ist vor allen Dingen der erste Preis, den ich bekomme. Und wenn ich die letzten zwei Jahre Revue passieren lasse, dann waren das auf jeden Fall die produktivsten meiner Karriere! Von daher fühlt sich der Preis sehr gut und auch gerechtfertigt an - und darüber bin ich sehr glücklich. Ich habe einfach bei vielen Projekten in den letzten zwei Jahren mitgemacht und auch selbst viel geschrieben und daher sehe ich diesen Preis auch als Anerkennung dafür, dass auch mehr Musik und mehr Bands entstanden sind.

Du bist immer unterwegs. Woran arbeitest Du gerade? Du versuchst natürlich auf Abstand weiter zu proben - wie funktioniert das?

Aktuell steht die Preisverleihung bevor, für die ich eine Band zusammengestellt habe. Wir haben uns gestern zuerst testen lassen und danach ganz konform mit Abstand geprobt. Das ist, was wir tun und das ist unsere Arbeit. Deswegen muss das auch möglich sein!

Der Werner Burkhardt Musikpreis wird vor allem als Preis für junge Musiker interpretiert. Du machst ja eigentlich schon eine ganze Weile Jazz. Aber Du bist noch jung.

Ich gehe offensichtlich noch als jung durch - und da habe ich nichts gegen.

Informationen zum Werner Burkhardt Musikpreis

Werner Burkhardt Musikpreis

Den Werner Burkhardt Musikpreis verleiht die Hamburgische Kulturstiftung an herausragende junge Hamburger Jazzmusiker. extern

Es ist ein Preis, der von einem Musikjournalisten initiiert wurde, der Zeit seines Lebens Spaß am Jazz hatte. Jetzt präsentierst Du das Ganze im Stream. Was hast Du für das Preisverleihungskonzert für Songs ausgesucht?

Das sind alles Kompositionen von mir, die in den letzten drei Jahren entstanden sind. Sie spiegeln ganz gut mein Schaffen in dieser Zeit wider. Sie sind für unterschiedliche Projekte entstanden, aber auch insgesamt wird das glaube ich ganz gut zusammen passen. Manche Stücke sind speziell auf diese Besetzung ausgerichtet.

So ist vieles in den letzten Jahren entstanden: Wenn ich zum Beispiel wusste, dass ich in der Reihe "Live Views", bei der ich 12 Konzerte im Jazzraum im Hafenbahnhof kuratiert und gespielt habe, mit einem bestimmten Musiker zusammenspielen werde. Das hat oft dazu geführt, dass ich speziell für diesen Anlass etwas geschrieben habe. Das ist immer schön und besonders.

Du hast die Musik dann sofort im Kopf?

Ich stelle mir dann beim Komponieren oft schon vor, wie klingt das mit den entsprechenden Musikern. Das fließt in die Komposition mit ein.

Ich nehme an Du komponierst viel am Klavier?

Ja, eigentlich ausschließlich.

Aber du hast auch Cello gelernt, oder?

Genau, ich habe als Kind mit dem Klavierspielen angefangen und als ich nach Deutschland kam habe ich bis zum Abitur als Zweitinstrument Cello gespielt. Irgendwann kam dann der Kontrabass dazu. Nach der Schule ist das Cello dann leider auf der Strecke geblieben.

Man kann nicht alles haben. Jetzt hast du ein etwas größeres Instrument.

Das stimmt!

Du hast Deine vielen musikalischen Ausrichtungen angesprochen. Spannend finde ich auch, dass Du komplette Konzertabende mit dem Programm von Popgrößen gestaltest - z.B.  David Bowie oder die Beatles. Wir haben schonmal miteinander gesprochen, damals hast Du gesagt: "Die Beatles sind immer noch die Band!"

Manchmal denke ich: "Wie langweilig muss das für jemanden sein, der von mir wissen möchte, was ich für Musik höre?!“. Aber ich kann nichts dagegen tun. Das ist seit meiner Kindheit so und ich wundere mich jedes Mal über diese Musik und höre sie jedes Mal so, als würde ich sie zum ersten Mal hören. Dann ist da irgendwann auch ein Bedürfnis, mal zu schauen, ob man das in die eigene Art von Musik integrieren kann. Das musste ich ausprobieren! Mit David Bowie war das ein bisschen anders, der kam sehr spät dazu. Ich kannte natürlich den Namen, aber ich hatte mit seiner Musik eigentlich nichts am Hut, bis vor ein paar Jahren. Dann hat es mich aber sehr beeindruckt.

Du bist in Tiflis geboren, mit Deiner Familie im Alter von neun Jahren nach Deutschland gekommen. Ein etwas seltsame Frage: Was ist georgisch an Dir, und was ist deutsch an Dir?

Ein gesunder Anteil von beidem steckt in mir. Ich fühle mich eindeutig als Georgier, ich bin dort geboren. Ich spreche mit meiner Tochter georgisch, das ist mir unglaublich wichtig. Aber ich bin privilegiert das Deutsche auch in mir zu haben, hier aufgewachsen und zur Schule gegangen zu sein. Ich habe hier studiert, ich liebe die Sprache, ich liebe die Menschen. Bestimmte Eigenschaften, die es in Deutschland gibt, gepaart mit Eigenschaften, die es in Georgien gibt, machen mich zu einem privilegierten Menschen.

Der Werner-Burkhardt-Preis wäre eigentlich 2020 an Giorgi Kiknadze verliehen worden. Jetzt wird er einige Monate später am 21. April im Yoko Club verliehen. Das Preisträger-Konzert mit dem Quintett von Giorgi Kiknadze und eine anschließende Fragerunde gibt es im Stream.

Hier geht es zum Stream

FATJAZZ im Yoko Club

Das Werner Burkhardt Musikpreis Preisträgerkonzert ab 20 Uhr von Giorgi Kiknadze mit anschließender Fragerunde im Stream extern

Das Interview führte Jan Paersch.

Dieses Thema im Programm:

NDR Jazz | Play Jazz! | 19.04.2021 | 22:35 Uhr