Stand: 20.01.2019 06:57 Uhr

Viel Applaus für die Kraft der "Maria"

von Katja Weise
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18 Jahre alt und schwanger: Die "Maria" wird am Thalia Theater von Lisa Hagmeister verkörpert.

Der britische Dramatiker Simon Stephens, einer der international erfolgreichsten seines Landes, ist mit seinen Stücken immer am Puls der Zeit. Er hat über die Auswirkungen des Irak-Krieges auf die britische Gesellschaft geschrieben und über die Terroranschläge in London. Zum Auftakt der internationalen Lessingtage am Hamburger Thalia Theater ist dort am Sonnabend die Uraufführung seines neuen Stückes herausgekommen: "Maria".

Es ist, als hätte Simon Stephens das Stück für sie geschrieben: für Lisa Hagmeister. Sie ist Maria, gerade 18 Jahre alt geworden, hochschwanger. Stolz trägt sie ihren Kugelbauch vor sich her, ein Mädchen aus einer Hafenstadt, nach dem sich die Arbeiter umdrehen. Die wichtigste Person in ihrem Leben, ihre Mutter, wurde von einem Lastwagen überfahren. Wer der Vater des Kindes ist, weiß Ria nicht.

Es geht um die ganz großen Themen

Stephens erzählt Marias Geschichte in drei Kapiteln und tippt dabei viele Themen an: die Krake Kapitalismus, die Gefahren des Netzes, Einsamkeit, Amokläufer. Doch letztlich geht es vor allem um die ganz großen: Geburt, Liebe, Tod. Stephens fängt sie ein in vielen Dialog-Szenen, die im Thalia Theater um einen Lastwagen kreisen mit der Aufschrift "All you need is love".

Eine Szene aus dem Theaterstück "Maria".

"Maria" im Thalia: Teenager sucht eigenen Weg

Hamburg Journal -

Im Rahmen der Lessingtage zeigt das Thalia Theater das Stück "Maria" des Briten Simon Stephens. Es handelt von der inspirierenden Selbstfindung einer schwangeren 18-Jährigen.

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Mosaik-Technik in Fluss gebracht

Die Menschen, die Simon Stephens beschreibt, stehen unter enormem ökonomischen Druck. Sie flüchten sich ins Netz und suchen dort Kontakt, Gemeinschaft ist ein seltenes Gut. Der Regisseur Sebastian Nübling stellt die Figuren in seiner Inszenierung regelrecht nebeneinander. Der Arzt, der Maria untersuchen soll, wechselt, während er mit ihr spricht, einen Reifen. Nübling hat schon etliche Stücke von Simon Stephens uraufgeführt und besitzt ein Gespür für dessen Mosaik-Technik. Er strafft und bringt die Dialoge mit viel Musik und Bewegung in Fluss.

Dass die Uraufführung so gut gelingt, liegt zum großen Teil an Hauptdarstellerin Lisa Hagmeister: Sie verkörpert den Text. Selbst Passagen, die beim Lesen plakativ wirken, überzeugen plötzlich durch ihre Kraft. Ihre Maria ist naiv und kraftvoll, ein eigensinniges Mädchen, wild entschlossen, sich das Leben nicht aus der Hand nehmen zu lassen. Am Ende gab es viel Applaus.

Interview

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Viel Applaus für die Kraft der "Maria"

Internet, Kapitalismus, Einsamkeit: In Simon Stephens "Maria" geht es wieder um große aktuelle Themen. Bei der Uraufführung am Thalia Theater überzeugte vor allem die Hauptdarstellerin.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Thalia Theater
Am Alstertor
20095  Hamburg
Telefon:
(040) 328 14-444
E-Mail:
theaterkasse@thalia-theater.de
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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Klassikboulevard | 20.01.2019 | 14:20 Uhr

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