Stand: 29.10.2017 12:28 Uhr

Ein Feuerwerk der Worte

von Marie-Caroline Chlebosch

Das Opernhaus mitten in Hannovers Zentrum ist wie gemacht für das Finale einer Dichterschlacht, die der Landeshauptstadt in den vergangenen Tagen einen außergewöhnlichen lyrischen Glanz verliehen hat. Von den 1.200 orangefarbenen Sitzen im Saal bleibt an diesem Abend kaum einer leer. Bereits am frühen Abend strömen die Zuschauer auf Ränge und Parkett, in den Raum, der sonst erfüllt ist vom Klang der Arien von Giuseppe Verdi oder Wolfgang Amadeus Mozart. Und die Worte, die an diesem Abend von der Bühne ins Publikum schwingen, sind ebenso kraftvoll und mitreißend.

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Der Sieger im Einzel-Wettkampf: Alex Burkhard

Hallo Niedersachsen -

Alex Burkhard hat die Meisterschaft im Einzel-Wettbewerb des deutschsprachigen Poetry Slam gewonnen. Hier sein Auftritt im finalen Stechen.

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Sieger Alex Burkhard: "Ein fantastisches Gefühl"

Besonders die Worte von Alex Burkhard aus München, dessen Sieg im Einzel-Slam vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert wird. Er hatte sich über die bayerischen Landesmeisterschaften qualifiziert. In seinen beiden Finaltexten erzählt der Wortkünstler von Begegnungen, davon, wie er einen Freund kennengelernt und dabei die Liebe für den Reggae entdeckt hat. Und er beschreibt so wortgewandt wie geistreich sein Zusammentreffen mit einer Frau, die nur unverbindlich Zeit mit ihm verbringen möchte. Die Texte: klug und aufmunternd mit einer klaren Pointe. Alex Burkhard hat sich gegen neun andere Finalisten durchgesetzt. Nach dem Sieg fehlen dem Dichter fast die Worte: "Es ist ein fantastisches Gefühl", sagt er und fügt hinzu: "Ich bin sehr ruhig und fokussiert auf die Bühne und habe dann versucht, diese Minuten zu genießen."

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Gewinner im Team-Wettbewerb: "Heun & Söhne"

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Julian Heun und David Friedrich sind zusammen "Heun und Söhne" - und die Sieger des Team-Wettbewerbs bei den Meisterschaften im deutschsprachigen Poetry Slam. Ihr Beitrag aus dem Stechen.

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Das beste Team: "Heun und Söhne"

Wie sich die Freude über den Sieg anfühlt, haben bereits drei Stunden zuvor Julian Heun und David Friedrich erfahren, die als Team "Heun und Söhne" den Titel nach Berlin holten. Sieben weitere Teams waren mit ihnen im Finale auf der Bühne zu sehen. Mit Witz und dem gewissen Quäntchen Ernst einer klugen Gesellschaftskritik schilderte "Heun und Söhne", wie man es sich im Leben einfach machen kann.

"Respect the poets", sagt die "Slamily"

Die deutschsprachigen Meisterschaften gelten als Familientreffen der "Slamily" - eine Wortschöpfung aus Slam und Family. Trotz des Wettbewerbs ist die Stimmung unter den Künstlern die eines Miteinanders. Man kennt sich und ist auch stets bereit, die "Familie" zu vergrößern. Wichtig dabei sind Text und Poet, nicht aber Alter, Herkunft oder Beruf. "Für mich war es unbeschreiblich", erzählt Omar Khir Alanam, der aus Graz angereist ist und vor drei Jahren aus Syrien nach Österreich kam. "Die Slammer schenken mir viel Liebe und Kraft und genau das ist es, was eine Familie ausmacht." Auch Team-Slam-Gewinner Julian Heun betont: "Wir lieben alle Menschen, die hier sind." Auf die Fragen, wie Hannover den Slam organisiert hat, kommt eine klare Antwort: "Hannover war sehr gut, wirklich in allen Belangen bisher ziemlich rund. Bis jetzt auf jeden Fall eine meiner Lieblingsmeisterschaften im deutschsprachigen Raum."

Organisatoren sind sehr zufrieden

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Erst auf der Bühne, dann im Publikum verfolgte auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) das Slam-Finale.

Der Dank an die, die Hannover in den vergangenen Tagen zur Slam-Hauptstadt gemacht haben, kam an diesem Abend aus vielen Richtungen. Von den Poeten, den Zuschauern und von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der eine Ansprache auf der Bühne hielt: "Ich habe mich gefragt, wie es sein kann, dass die Meisterschaft 20 Jahre einen Umweg um Hannover gemacht hat. Die Antwort: Es ist irrsinnig aufwendig." Aber dieser Aufwand habe sich gelohnt, betonte er: "Das ist ein echter innovativer Beitrag zur Kultur bei uns im Land." Für die Organisation der deutschsprachigen Meisterschaften hatten elf Künstler den Verein "Live Literatur Hannover" gegründet, ein Teil davon zudem die GmbH "Büro für Popkultur". Mehr als zwei Jahre dauerte die Organisation bis zur Eröffnungsgala am vergangenen Dienstag im Theater am Aegi. Jörg Smotlacha, Mitbegründer des "Büros für Popkultur", zieht ein durchweg positives Fazit: "Vorher war die Anspannung groß und wir hatten bis zum Finale noch unheimlich viel zu tun. Aber je mehr funktioniert hat und je mehr man sieht, wie sehr sich alle Teilnehmer freuen und dass auch das Publikum zufrieden nach Hause geht, sind wir jetzt am Ende nur noch glücklich."

Sämtliche Veranstaltungen der Meisterschaft waren ausverkauft. Insgesamt haben etwa 10.000 Menschen den Poeten auf der Bühne zugesehen. Die deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften sind auch ein Aushängeschild für die Bewerbung der Landeshauptstadt als Europäische Kulturhauptstadt 2025 - mit dem Wunsch der Organisatoren, dann wieder ein großes Literaturfest auszurichten.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 26.10.2017 | 19:30 Uhr

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