Stand: 25.03.2020 11:19 Uhr

Lichtblick des Tages: Solidarität für den Club Südpol

von Anina Pommerenke

Die Bässe wummern - durch Nebelschwaden sind blitzende Lichteffekte zu sehen. Doch zur Musik des DJs tanzt nur eine einzige Person. So sah die erste digitale Party des Hamburger Clubs Südpol aus. Sie wurde live ins Internet gestreamt, um Spenden zu sammeln. Der DJ hat auf ein Honorar verzichtet. Gäste haben alleine während dieser Aktion 4.300 Euro auf ein Spendenkonto überwiesen. Denn seit Anfang März bedroht die Corona-Krise die Existenz des Südpols.

Hark Empen sitzt an seinem Laptop. © NDR Foto: Anina Pommerenke
Hark Empen und seine Kolleginnen und Kollegen arbeiten aus dem Homeoffice. Alle Entscheidungen trifft der kollektive Verein gemeinsam, Konferenzen finden übers Internet statt.

Hark Empen zählt mit Plastikhandschuhen das Trinkgeld vom letzten Partywochenende aus, um es endlich an die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu verteilen. Eine kleine Finanzspritze für alle, die plötzlich ohne Job klar kommen müssen. Bisher hatte sich wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr niemand getraut, das Geld anzufassen. "Wir hatten das Wochenende 7./8. März schon besondere Hygienemaßnahmen eingeführt und auch unser Personal entsprechend geschult, weil das ja besonders gefährdet ist", sagt Empen. "Die Tage danach war eigentlich schon klar, dass wir keine Veranstaltungen mehr durchführen können." Obwohl Veranstaltungen mit weniger als 1.000 Menschen zu dem Zeitpunkt noch gar nicht offiziell verboten waren!

Arbeitgeber für viele Kulturschaffende

Der bunt beleuchtete Club Südpol von in einer Außenansicht. © Juha Hansen Foto: Juha Hansen
Mit den Parties finanziert der Club die Miete, Gehälter, aber auch zahlreiche Kulturveranstaltungen, wie Lesungen, Filmabende und Diskussionsrunden.

Der kollektive Verein mit rund 200 Mitgliedern, der hinter dem Südpol steht, finanziert mit den Einnahmen aus den Partys Filmabende, Konzerte, Lesungen und Diskussionen. Aber auch die Miete und Gehälter für fünf feste Mitarbeiter. Arbeitgeber sei man aber noch für viel mehr Kulturschaffende, DJs oder Lichttechniker zum Beispiel: "Wir sind insolvenzbedroht, das betrifft viele andere Kulturinstitutionen, mit denen wir gerade versuchen, uns zu solidarisieren und zu vernetzen."

Fixkosten für März und April gesichert

Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer: Schon nach der ersten abgesagten Party mobilisierten sich in den sozialen Netzwerken tausende Fans und Gäste des Clubs. Sie fragten, wie sie helfen und ob sie auch Geld spenden könnten. So haben die Fans schon die Fixkosten für März und April gesichert: "Wir waren alle super happy. Wir arbeiten hier jetzt nicht, um super viel Geld zu verdienen. Wir machen das wirklich aus Spaß an der Sache. Es ist unglaublich, diese Unterstützung zu erfahren und wir hoffen, dass es so weiter geht."

Kreative Lösungen für die Zukunft finden

Der Club Südpol während einer Party. © Juha Hansen Foto: Juha Hansen
Eine erste Spendenaktion haben Gäste und Fans des Clubs organisiert. Der Rückhalt ist enorm, so konnten immerhin schon die Mieten für die Monate März und April gedeckt werden.

Auch die Miete kann der Südpol stunden. Doch das ersetzt nicht die fehlenden Einnahmen aus den abgesagten Veranstaltungen: "Erstmal geht es jetzt nur ums nackte Überleben. Wie wir dann weiter machen, da müssen wir dann mit unseren Vereinsmitgliedern kreative Lösungen finden." Zur Debatte stehen derzeit eine Rettungskampagne, weitere digitale Partys oder ein großes Solidaritäts-Fest, sobald Veranstaltungen wieder stattfinden können. Langfristig hoffe man auf die Unterstützung der Politik, damit zum Beispiel auch Vereine Kredite einfacher beantragen können, erklärt Hark Empen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 25.03.2020 | 06:20 Uhr