Eine Szene in der Wüste mit den "Eternals", von links:  Sprite (Lia McHugh), Druig (Barry Keoghan), Kingo (Kumail Nanjiani), Phastos (Brian Tyree Henry), Karun (Harish Patel), Sersi (Gemma Chan) und Ikaris (Richard Madden)
Ikaris (Richard Madden, links) und Sersi (Gemma Chan) in einer Szene aus dem Marvel-Film "Eternals" von Chloé Zhao © Marvel Studios 2021

Kino-Tipps für den Herbst: "Eternals", "Last Night in Soho"

Stand: 30.11.2021 18:56 Uhr

Der Herbst bietes starkes Kino: Im Oktober sind Ridley Scotts Mittelalterfilm "The Last Duel" und Sönke Wortmanns "Contra" angelaufen. Im November starten unter anderem der Blockbuster "Eternals" und der Liebesfilm "Ammonite".

von Patricia Batlle

Im November locken Blockbuster wie Chloé Zhaos "Eternals" von Marvel und Edgar Wrights Horrorfilm "Last Night in Soho" mit Anya Taylor-Joy ("Das Damengambit") ins Kino, außerdem Filmperlen des Independent-Kinos wie "Ammonite" mit Kate Winslet und Saoirse Ronan, der auf Fakten basierende Gefängnis-Film "Große Freiheit" und der Film "Lieber Thomas" mit Albrecht Schuch.

"Dear Evan Hansen" - starkes Broadway-Musical mit Amy Adams

Evan Hansen (Ben Platt) mit seiner Mutter Heidi (Julianne Moore) im Musical-Film "Dear Evan Hansen" © 2021 UNIVERSAL STUDIOS
Broadway-Star Ben Platt - hier mit Juliane Moore als Filmmutter - hat für seine Rolle als Außenseiterschüler im Musical "Dear Evan Hansen" Tony, Grammy und Emmy erhalten. Folgt eine Oscar-Nominierung?

Mit "Dear Evan Hansen" legt Regisseur Stephen Chbosky ein mitreißendes, sympathisches und musikalisch spannendes High-School-Musical vor, das seit Jahren große Erfolge am Broadway feiert. Die Hauptrolle im Film spielt und singt Broadway-Star Ben Platt, der den Titel gebenden Schüler Evan Hansen verkörpert - und dafür bereits einen Tony, einen Grammy und einen Emmy gewonnen hat. Evan Hansen ist ein Außenseiter mit Sozialphobie, dem der Therapeut empfohlen hat, Briefe an sich selbst zu schreiben. Darin soll er sich erzählen, wie schön das Leben doch sein kann. In der Schule beginnt er einen dieser Briefe mit "Dear Evan Hansen" - doch dieser gerät in falsche Hände. Als unmittelbar danach eine Tragödie geschieht, sieht sich Evan in eine von Missverständnissen und Lügen verwickelt, die ihn überfordern - und große Konsequenzen haben. In weiteren, großartig gesungenen Nebenrollen überzeugen Kaitlyn Dever ("Booksmart"), Julianne Moore als allein erziehende Mutter und die Funken sprühende Amy Adams, die bereits 2007 in "Verwünscht" all ihr musikalisches Können zeigte. Seit 28. Oktober (FSK 12).

Die Geschichte meiner Frau - Historienkino aus Hamburg mit Léa Seydoux

Léa Seydoux (von links als Lizzy) und Gijs Naber als Jacob Störr im Film "The Story Of My Wife" - am Alter Wandrahm in der Speicherstadt Hamburg - der Film lief im Wettbewerb in Cannes 2021 © Alamode Film
Léa Seydoux (von links als Lizzy) und Gijs Naber als Jacob Störr im Film "The Story Of My Wife" in einer Szene am Alter Wandrahm in der Speicherstadt Hamburg.

Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi (Berlinale-Siegerin mit "Körper und Seele") hat bereits in den 80er-Jahren Filmförderung in Hamburg erhalten und dort ihren ersten Film gedreht. Ihren jüngsten, "Die Geschichte meiner Frau", zum Teil auch: ein dreistündiges Drama mit Léa Seydoux, für das viele Szenen in der Speicherstadt gedreht wurden. Enyedi verfilmt darin einem Roman des ungarischen Schriftstellers Milán Füst. Hauptperson ist Kapitän Jacob Störr, gespielt von Gijs Naber. Störr, ein hartgesottener niederländischer Schiffskapitän, schließt in einem Café mit seinem Freund Dadin (Louis Garrel) die Wette ab, die erste Frau zu heiraten, die das Lokal betritt. Diese willigt überraschenderweise ein - verdreht ihm aber den Rest seines Lebens den Kopf. Der Film lief im Wettbewerb beim Filmfest Cannes und feierte Deutschlandpremiere beim Filmfest Hamburg. Seit 4. November (FSK 12).

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Die ungarische Filmemacherin Ildikó Enyedi beim Filmfest Hamburg stellt ihr in Hamburg gedrehtes Drama "Die Geschichte meiner Frau" vor © FIlmfest Hamburg / Martin Kunze Foto: Martin Kunze

Filmemacherin Ildikó Enyedi über Hamburg und ihr neues Drama

Die Ungarin hat eine enge Bindung zu Hamburg. Hier startete die Berlinale-Siegerin ihre Karriere und hat mehrfach gedreht. mehr

"Eternals" - Marvel-Superheldinnen Blockbuster von Chloé Zhao

Ikaris (Richard Madden, links) und Sersi (Gemma Chan) in einer Szene aus dem Marvel-Film "Eternals" von Chloé Zhao © Marvel Studios 2021
Ikaris (Richard Madden, links) und Sersi (Gemma Chan) lieben sich seit Jahrtausenden. Doch die beiden Eternals leben sich irgendwann auseinander.

Die in den USA lebende Künstlerin Chloé Zhao hat im Februar die wichtigsten Oscars mit ihrem Film "Nomadland" abgeräumt: Sie wurde als beste Regisseurin, ihr Drama als "bester Film" ausgezeichnet. Ihr nächster Film ist ein Blockbuster aus dem Hause Marvel - ein Vorwissen des Marvel-Universums ist jedoch nicht vonnöten, um "Eternals" zu verstehen. Die sogenannten Eternals beschützen auf der Erde die Menschheit vor Deviants (einer Art Killermonstern). Zehn dieser Heldinnen und Helden unter Führung von Ajak (Salma Hayek) müssen neu auftauchende, eigentlich ausgerottete Deviants ausschalten. Doch erst einmal müssen sie ihre Differenzen und Präferenzen untereinander klären, denn einig in der Sache sind sich die Jahrtausende alten Eternals schon lange nicht mehr. Chloé Zhao legt mehr Wert auf die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den von Angelina Jolie, Richard Madden, Gemma Chan und Salma Hayek gespielten Helden als andere der actiongeladenen Blockbuster Marvels. Dabei spielt sie klug mit Anleihen an die griechische Mythologie, auf die ewigen Fragen: "Wo komme ich her, wo will ich hin?" und lässt viele Filmzitate einstreuen - inklusive "Shining" und "Herr der Ringe". Seit 4. November (FSK 12).

"Ammonite" - Lesbische Liebesgeschichte mit Kate Winslet und Saoirse Ronan

Saoirse Ronan und Kate Winslet spielen in "Ammonite" von Francis Lee im viktorianischen England eine Paläontologin (Winslet) und eine junge Ehefrau, sich durch Zufall kennen- und lieben lernen. Der Film basiert auf dem realen Leben einer der ersten Paläontologinnen (Mary Anning) - die hier eine fiktive Beziehung mit der Frau eines befreundeten schottischen Kollegen eingeht. Regisseur Francis Lee ("God's Own Country") inszeniert die spröde Annäherung der jungen Charlotte (Saoirse Ronan) an die bereits mehrfach von Kollegen übergangene Wissenschaftlerin mit fast kühler Distanz, setzt kaum Musik ein. Die Küstenlandschaft, an der Mary Anning (Winslet) ihre Fossilien - die Ammoniten - sucht, ist ebenso steinig und schroff, wie die aufkeimende Beziehung, die erst spät in Liebe übergeht. Der Film über die queere Liebe im viktorianischen Zeitalter ist seit dem 4. November im Kino (FSK ab 12).

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Kate Winslet (links) und Soairse Ronan (rechts) in einer Szene des Films "Ammonite".

"Ammonite": Liebesdrama mit Kate Winslet und Saoirse Ronan

Die schroffe Mary und die junge Charlotte verlieben sich im viktorianischen England ineinander. Hat ihre Beziehung eine Zukunft? mehr

"Last Night in Soho" - Horrorfilm von Edgar Wright mit Anya Taylor-Joy

Anya Taylor-Joy und Matt Smith im Film "Last Night in Soho" von Edgar Wright © Parisa Taghizadeh/Focus Features Foto: Parisa Taghizadeh
Anya Taylor-Joy spielt die Doppelgängerin Sandy, die den Manager Jack (Matt Smith) kennenlernt - im Thriller "Last Night in Soho" von Edgar Wright.

Einen intensiven Trip ins London der 1960er-Jahre bietet der jüngste Horrorfilm von Edgar Wright: "Last Night in Soho", der im Spätsommer beim Filmfest Venedig Weltpremiere feierte. Im geheimnisvollen Doppelgängerinnen-Thriller zieht die behütete Eloise (Thomasin McKenzie) in die Hauptstadt, um Mode zu studieren. Sie liebt ausgefallene Stoffe, schneidert ihre Kleidung selbst und träumt sich immer mehr ins glamouröse Leben Londons der 60er. Sie gibt sich als Sandy aus (gespielt von Anya Taylor-Joy) und zieht von Club zu Club, bis sie einen faszinierenden Mann kennenlernt: den Manager Jack (Matt Smith). Bald erlebt sie, dass die wilden Jahre gar nicht so romantisch und frei sind, wie es immer scheint. Das Ganze gerät zum Albtraum - in kräftigen, fast halluzinogenen Farben inszeniert von "Baby Driver"-Regisseur Wright. Im Kino ab 11. November (FSK 16).

"Große Freiheit" - Queeres Gefängnis-Drama mit Franz Rogowski

Szene mit Franz Rogowski (links) und Georg Friedrich (r.) aus "Große Freiheit" von Sebastian Meise © Freibeuter Film
Franz Rogowski (links) und Georg Friedrich (r.) spielen in "Große Freiheit" von Sebastian Meise zwei Verurteilte Straftäter, die in derselben Zelle einsitzen.

Das Filmfest Hamburg begann mit dem deutsch-österreichischen Spielfilm "Große Freiheit" von Sebastian Meise, der beim Filmfest in Cannes in der Reihe "Un certain regard" lief und dort den Preis der Jury erhielt. Das bewegende Gefängnisdrama mit Georg Friedrich und Franz Rogowski in den Hauptrollen thematisiert die unfreie Liebe im Nachkriegsdeutschland und den Paragraphen 175. Rogowski spielt darin Hans Hoffmann, der häufig mit anderen Männern Sex auf dem Männerklo hat. Da er dabei erwischt wird und gegen den Paragraphen 175 verstoßen hat, muss Hoffmann für zwei Jahre ins Gefängnis. Es ist aber nicht das erste Mal, dass er wegen dieses Paragraphen sitzt. Bei einem früheren Aufenthalt hat er bereits einen Zellengenossen getroffen, der ihn zunächst gar nicht in der Zelle haben möchte. Dann lernt Viktor (Georg Friedrich) Hans besser verstehen. Nun halten die beiden zueinander. Ab 11. November (FSK 16).

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Szene aus dem Film "Große Freiheit" © Freibeuterfilm_Rohfilm

"Große Freiheit": Spielfilm über Gefängnis für Homosexuelle

Lange Jahre stand Homosexualität in der Bundesrepublik unter Strafe. Möglich war das über §175 im Strafgesetzbuch. mehr

"Lieber Thomas" NDR Film über Thomas Brasch mit Albrecht Schuch

Vor 20 Jahren starb der Schriftsteller Thomas Brasch. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Katharina Thalbach reiste Brasch 1976 im Zuge der Biermann-Ausbürgerung aus der DDR aus und wurde zu einem Star des westdeutschen Kulturbetriebs in den 70er- und 80er-Jahren. Regisseur Andreas Kleinert hat ihm nun einen Kinofilm gewidmet: "Lieber Thomas", mit Albrecht Schuch, Jella Haase, Jörg Schüttauf und vielen anderen ist eine Koproduktion mit NDR, BR, arte und WDR. Am 10. November hat "Lieber Thomas" eine Vorab-Premiere in Hamburg und startete am 11. November (FSK 16).

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Schwarz-Weiß-Fotografie eines Mannes der auf einer Bühne an einem Tisch sitzt und nach vorne blickt. © Zeitsprung Pictures / Wild Bunch Germany Foto: Peter Hartwig

"Lieber Thomas": Kinofilm erinnert an Thomas Brasch

Regisseur Andreas Kleinert hat einen Spielfilm über den Schriftsteller und Dramatiker Thomas Brasch gedreht. mehr

"Kabul Kinderheim" - Drama der aghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat

Die Lübecker Produzentin Katja Adomeit und die Kabuler Regisseurin Shahrbanoo Sadat entwickeln seit Jahren eine Reihe von fünf Spielfilmen, die die jüngere Geschichte Afghanistans schildert. Die Reihe basiert auf autobiografischen, bislang unveröffentlichten Memoiren von Ànwar Hashimi - eines Freundes der Regisseurin. Er zog als Jugendlicher von Zentral-Afghanistan nach Kabul und erlebte dort im sowjetisch geführten Kinderheim eine Metropole unter dem Einfluss der UDSSR.

VIDEO: "Kabul Kinderheim": Kindheit in Afghanistan der 80er-Jahre (5 Min)

Kinder in einem Waisenhaus spielen Schach - Szene aus dem Spielfilm "The Orphanage" von Sharbanoo Sadat und Katja Adomeit © FDC 2019
Kinder im Waisenhaus spielen Schach - im Spielfilm "The Orphanage" von Shahrbanoo Sadat und Katja Adomeit.

Aber auch eine Stadt voller Liebe zu Bollywoodfilmen. Für diese verkauft der Hauptdarsteller im Film illegal Tickets auf der Straße. Hashimi lernt die erste Liebe kennen und fährt in ein Pionierlager nach Moskau. Doch irgendwann rücken die Taliban näher. Regisseurin Sadat hat den Film "Kabul Kinderheim" in Tadschikistan, Schleswig-Holstein und Hamburg gedreht. Seit ihrer Flucht aus Afghanistan im August lebt sie in der Hansestadt Hamburg, wo sie ihren nächsten Film drehen möchte. "Kabul Kinderheim", der 2019 in Cannes unter dem Titel "The Orphanage" lief, startete am 4. November in den deutschen Kinos (FSK 12).

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Prof. Dr. Richard Pohl (Christoph Maria Herbst, r.) ermutigt Naima (Nilam Farroq, l.) vor ihrem ersten Debattierwettbewerb. © Constantin Film

"Contra": Christoph Maria Herbst als rassistischer Professor

Der Film mit Nilam Farooq und Christoph Maria Herbst handelt von einer Studentin, die sich, nicht nur rhetorisch, gegen ihren Professor behaupten muss. mehr

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"First Cow": Film über die Schönheit des Zusammenhaltens

Mit "First Cow" gelingt der US-Regisseurin Kelly Reichardt eine sanfte Umdeutung der Männerbilder des Westerngenres. mehr

Adam Driver als Maurizio Gucci und Lady Gaga als Patrizia Reggiani in Ridley Scotts Film "House of Gucci" © 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc Foto: Fabio Lovino

Mord, Macht, Glamour: Lady Gaga brilliert in "House of Gucci"

Das Krimi-Drama um das italienische Modehaus präsentiert mit Al Pacino, Adam Driver, Jeremy Irons und Lady Gaga ein Staraufgebot. mehr

Festivalleiter Albert Wiederspiel vom Filmfest Hamburg.
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Filmfest Hamburg: "Die Rechnung ist aufgegangen"

Das Filmfest endete am Sonnabend mit der Preisverleihung. Leiter Albert Wiederspiel zog eine positive Bilanz. 3 Min

Szene aus Wes Andersons Komödie "The French Dispatch" mit Wally Wolodarsky (von links) Bill Murray and Owen Wilson © Courtesy of  Searchlight Pictures / 2020 Twentieth Century Fox Film Corporation

"The French Dispatch": Wes Andersons Ode an den Journalismus

Wes Andersons visueller Stil ist eigenwillig und unverwechselbar, sein Humor skurril. Das gilt auch für "The French Dispatch". mehr

Szene aus dem Film "The Last Duel" © Walt Disney/20th Century Fox

"The Last Duel": "MeToo" im Mittelalter

Eine Frau klagt ihren Vergewaltiger an - vor einem rein männlichen Gericht. Der Film von Ridley Scott mag im Mittelalter spielen, die Thematik ist aber hochaktuell. mehr

Keanu Reeves als Neo in einer Nachtszene auf der Straße in  "Matrix 4 Resurrections" von Lana Wachoski © Courtesy of Warner Bros. Pictures

2G oder 2G-Plus? Die Regeln für den Kinobesuch im Norden

Welche Corona-Regeln gelten für den Kinobesuch? Eine Übersicht für die norddeutschen Bundesländer seit Dezember 2021. mehr

Filmszene mit allen Superheldinnen und Superhelden aus dem Marvel-Film "Eternals" von Chloé Zhao © Marvel Studios 2021

Filme 2021: Diese Highlights laufen dieses Jahr noch im Kino

Kinofans freuen sich auf die "West Side Story", auf Bond Nr. 25, das Roadmovie "Töchter" und "Eternals" von Chloé Zhao. mehr

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NDR Info | Kultur | 28.10.2021 | 07:20 Uhr