Ein leerer Kinosaal mit roten Sitzen © Picture Alliance Foto: Klaus Ohlenschlaeger

Corona verursacht hohe Schäden im Kunst- und Kulturbereich

Stand: 06.06.2021 12:35 Uhr

Die Corona-Pandemie hat im deutschen Kunst- und Kultursektor offenbar enorme Schäden hinterlassen. Das ergibt sich aus einem Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages, das dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorliegt.

Das Gutachten beziffert demnach den Umsatzrückgang in der Kultur- und Kreativwirtschaft für das vergangene Jahr auf insgesamt 22,4 Milliarden Euro. Am stärksten waren laut Bericht die Bereiche Filmwirtschaft, Darstellende Kunst und Kunstmarkt betroffen. Sie seien auf das Umsatzniveau von 2003 zurückgefallen. Insgesamt sind laut Gutachten rund 260.000 Unternehmen und mehr als 1,8 Millionen Menschen im Kultursektor tätig.

30 Milliarden Euro Umsatzverlust im laufenden Jahr?

Das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes hatte bereits im Februar 2021 in einer Studie Zahlen zu den Einbrüchen im Kultursektor vorgelegt. Für das laufende Jahr berechnete das Zentrum bei anhaltender Corona-Pandemie für die Kultur- und Kreativwirtschaft mehr als 30 Milliarden Euro an Umsatzverlust, in einigen Bereichen sogar bis zu 69 Prozent Minus. Die Szene werde "länger als andere Branchen brauchen, um aus der Krise herauszukommen", hieß es in der Analyse. Innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft ergeben sich laut der Studie des Zentrums ähnlich wie im Vorjahr erneut deutliche Unterschiede. So berechneten die Experten gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 für dieses Jahr für darstellende Künste ein Minus von bis zu 69 Prozent. In der Musikwirtschaft (minus 59 Prozent) und im Kunstmarkt (minus 61) seien die Werte ähnlich dramatisch.

Kulturrat warnt vor Einsparungen im Kulturbetrieb

Angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise warnt der Deutsche Kulturrat vor Einsparungen im Kulturbetrieb in den nächsten Jahren. "Wir versuchen, den Parteien vor der Bundestagswahl das Versprechen abzuringen, dass sie nicht an der Kultur sparen", sagte Geschäftsführer Olaf Zimmermann der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Ich mache mir besondere Sorgen um die vielen Kommunen, die überschuldet sind. Die Kommunen nehmen deutlich weniger Geld ein, weil Gewerbesteuer fehlt. Das wird sich auf die kulturelle Infrastruktur auswirken." Gleichzeitig lobte Zimmermann das Engagement des Bundes und der Länder für die vom Lockdown betroffenen Kultureinrichtungen: "Ich schätze, dass in der Corona-Krise bis zu zehn Milliarden Euro zusätzlich in den Kulturbetrieb geflossen sind. Darum haben wir kein Massensterben von Kultureinrichtungen und Kulturbetrieben. Das ist ein großer Erfolg."

Die Kultur krisenfester machen

Allerdings sei der Kulturbereich sehr krisenanfällig, sagte Zimmerann. "Viele soloselbstständige Künstler sind ja in Tagesfrist in Not gefallen. Sie hatten keine Rücklagen. Wir müssen uns überlegen, wie der Kulturbereich für die Zeit nach der Pandemie krisenfester gemacht werden kann."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 06.06.2021 | 14:40 Uhr