Zeitzeichen

19. Juli 1898

Donnerstag, 19. Juli 2018, 20:15 bis 20:30 Uhr, NDR Info

Der Geburtstag des Philosophen Herbert Marcuse
Ein Beitrag von Jutta Duhm-Heitzmann (WDR)

Er war eine Ikone der Studentenbewegung und sein Leben so abwechslungsreich wie das kaum eines anderen Philosophen: Herbert Marcuse, der am 19. Juli 1898 als Sohn eines jüdischen Textilfabrikanten in Berlin geboren wurde. Die Schrecken des Ersten Weltkriegs und die gesellschaftlichen Umwälzungen in der Weimarer Republik politisierten ihn, die Machtergreifung Hitlers 1933 trieb ihn als Emigrant in die USA.

Schon während seines Philosophiestudiums in Deutschland hatte er sich mit dem Frühwerk von Karl Marx beschäftigt. In Amerika setzte er sein politisches und analytisches Wissen beim Geheimdienst OSS ein - sein Beitrag zum Kampf gegen die Nazis. 1954 bekam Herbert Marcuse eine Philosophie-Professur und schrieb Werke, die ihn zu einer Galionsfigur der 68er machten, unter anderem 1964 "Der eindimensionale Mensch". Seine Vorlesungen an der University of California in San Diego und an der Freien Universität Berlin wurden Kult, Tausende drängten in die Säle und diskutierten über kulturkritische Begriffe wie die "totale Manipulation des Individuums", die "suggestive Kraft der Konsumwerbung" oder eine "Gesellschaft ohne Opposition". Dabei sah der bewunderte Herbert Marcuse, der 1979 starb, eine Lösung der gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit nicht etwa in einer Revolution, sondern in der "großen Verweigerung", sich den Sogkräften des Kapitalismus auszuliefern.