Stand: 04.05.2017 16:52 Uhr  | Archiv

Kloster Ebstorf: Blick auf die Welt im Mittelalter

In einer Abstellkammer des Klosters Ebstorf tauchte im 19. Jahrhundert ein ganz besonderer Schatz auf: Eine riesige mittelalterliche Weltkarte, etwa 13 Quadratmeter groß, auf 30 zusammengesetzten Pergamentblättern gemalt. Die Karte, die um das Jahr 1300 angefertigt wurde, zeigt die Welt als kreisförmige Scheibe mit Jerusalem im Zentrum.

Ausschnitt aus der Ebstorfer Weltkarte © Kloster Ebstorf
So sahen die Menschen im Mittelalter die Welt: Jerusalem ist der Mittelpunkt der Welt und die Erde scheibenförmig.

Alle im Mittelalter bekannten Regionen der Welt sind auf dem Pergament verzeichnet. Menschen, Tiere und Fabelwesen bevölkern die fernen Länder. Ganz im Osten, auf der Karte oben, findet sich sogar das Paradies. Die Karte ist ein historisches Zeugnis von unschätzbarem Wert und machte das Kloster weit über die Grenzen der Lüneburger Heide hinaus bekannt. 1943 verbrannte das Original im niedersächsischen Staatsarchiv während eines Bombenangriffs auf Hannover. In Kloster Ebstorf ist heute eine originalgetreue Kopie zu besichtigen.

Eine fromme Legende bringt dem Kloster Wohlstand

Auf der Karte eingezeichnet ist auch Kloster Ebstorf. Es war ab dem 13. Jahrhundert ein bekannter Wallfahrtsort, denn nach einer mittelalterlichen Legende waren dort mehrere Märtyrer begraben. Sie hatten der Überlieferung zufolge im 9. Jahrhundert in der Nähe des Ortes bei einer Schlacht gegen die Normannen den Tod gefunden. Seine Stellung als Wallfahrtsort verhalf dem Kloster im Mittelalter zu wirtschaftlicher und kultureller Blüte.

Wertvolle Marienstatuen und 600 Jahre alte Glasfenster

Blick auf den Äbtissinnenflügel des Klosters Ebstorf © Kloster Ebstorf
Blick auf den Äbtissenenflügel des Klosters. Heute ist Ebstorf ein evangelisches Damenstift.

Aus dieser Zeit stammen auch viele bedeutende Kunstschätze des Klosters. Dazu gehören die um 1400 geschaffenen Glasfenster im Kreuzgang, die um 1300 entstandene lebensgroße Statue des Heiligen Mauritius sowie mehrere Madonnenstatuen aus dem 13. und 14. Jahrhundert im Nonnenchor.

Die Klosterkirche St. Mauritius und der Kreuzgang stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und wurden im Stil der norddeutschen Backsteingotik erbaut. In den Jahren 2014/15 wurde das Gotteshaus zuletzt umfassend saniert. Seit der Reformation beherbergt das Kloster - ebenso wie die anderen fünf Heideklöster - ein evangelisches Damenstift. Noch heute leben dort Stiftsdamen.

Spirituelles Wandern

Kloster Ebstorf

Kirchplatz 10
29574 Ebstorf
Tel. (05822) 23 04

Das Kloster ist vom 1. April bis 31. Oktober geöffnet. Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise auf der Website des Klosters.

Kloster Ebstorf liegt landschaftlich reizvoll im Tal des Flüsschens Schwienau etwa 25 Kilometer südlich von Lüneburg. Auf verschiedenen Wanderwegen lässt sich die Umgebung erkunden. So führt der etwa 4,5 Kilometer lange "Auferstehungsweg" nach Hanstedt mit seiner 1.000 Jahre alten Feldsteinkirche und der "Schöpfungsweg" auf knapp sechs Kilometern nach Melzingen. Am Wegesrand stehen Tafeln, die regionale Künstler zum jeweiligen Wegethema gestaltet haben.

Zum Wanderwege-Angebot der Region gehört auch die "Via Scandinavica". Dabei handelt es sich um einen uralten Pilgerweg, der bereits vor 1.000 Jahren von den Gläubigen auf dem Weg von Skandinavien nach Santiago de Compostela genutzt wurde. 2012 wurde er durchgängig neu beschildert. Ein Teilstück verbindet Kloster Medingen und Ebstorf.

Karte: Ebstorf

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 26.09.2014 | 10:15 Uhr

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