Sendedatum: 18.06.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Das war die Letzte: Ab heute Nichtraucher!

"Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit", "Rauchen kann tödlich sein", "Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu" - jeder Raucher kennt diese Warnungen und schafft es trotzdem nicht, ohne Zigaretten auszukommen.

Die meisten Raucher versuchen es wieder und wieder, sich das Rauchen abzugewöhnen - auf Dauer meist erfolglos. Schuld ist der Suchtstoff Nikotin: Er bindet an sogenannte nikotinerge Acetylcholinrezeptoren im Gehirn und führt dadurch zur  Freisetzung des Botenstoffes Dopamin. Die Ausschüttung von Dopamin führt zu einem Glücks- oder Wohlgefühl. Das Rauchen einer Zigarette wird so zu einem Belohnungsritual. Es beruhigt und regt gleichzeitig an.

Rauchen drosselt den Appetit und führt so zu einer Gewichtsabnahme. Mit der Nikotinkarenz fehlt dieser Effekt und es kommt automatisch zu einer Gewichtszunahme.

Wege aus der Sucht

Es gibt verschiedene Ansätzen zur Raucherentwöhnung. Raucherentwöhnungskurse unter professioneller Anleitung haben dabei die größte Erfolgsrate. Hier lernen mehrere Raucher in Gruppengesprächen und mit therapeutischer Hilfe, Wege aus ihrer Sucht zu finden. Wertvolle Hinweise über die Schwere der Abhängigkeit liefern die Aufzeichnungen eines Raucher-Tagebuchs, das die Kursteilnehmer führen müssen. Den meisten ist gar nicht bewusst, wann sie sich im Alltag nebenbei eine Zigarette angesteckt haben. Das Tagebuch entlarvt besonders die kleinen, hektischen Raucherpausen. Die Analyse der Notizen im Tagebuch genügt oft schon, um die Raucher ihren Tageskonsum drosseln zu lassen.

Das ist zwar ein guter Anfang, aber zu Gelegenheitsrauchern werden langjährig Abhängige damit nicht. Eine wichtige Rolle bei der Entwöhnung spielt auch die Aufklärung über die tatsächlichen Wirkungen des Nikotins und der vielen Zusatzstoffe in der Zigarette über einen langen Zeitraum: Raucherlunge, Raucherbein und Lungenemphysem sind nur einige Beispiele für die Gefährlichkeit der Zigarette.

Im Kurs erfahren die Teilnehmer auch, dass die vermeintlich harmloseren "leichten" Zigaretten besonders tückisch sind, denn ihr Rauch gerät beim Inhalieren noch tiefer in die Lunge und schädigt somit noch mehr Gewebe als die "Standardzigarette".

Rauchfreie Alternativen schaffen

In einem Raucherentwöhnungskurs schmieden die Teilnehmer gemeinsam Pläne für ein Leben ohne Glimmstängel und notieren im Kursbuch, wie sie den Zigaretten künftig aus dem Weg gehen werden. Für jede typische Situation, in der sie sich bisher eine Zigarette angesteckt haben, entwickeln sie rauchfreie Alternativen wie zum Beispiel das Lösen von Kreuzworträtseln. Wichtig: Die Alternative sollte möglichst nichts mit Essen zu tun haben, um eine unkontrollierte Gewichtszunahme zu vermeiden.

Workout gegen die Gewichtszunahme

Hilfsmittel aus der Apotheke

Um den Weg aus der Sucht zu unterstützen, gibt es in der Apotheke ein ganz verschiedene Hilfsmittel, zum Beispiel Nikotinpflaster und -kaugummi, aber auch homöopathische Kügelchen. Experten empfehlen solche Hilfsmittel aber allenfalls in der Übergangsphase, wobei Nikotinpflaster im Unterschied zu den Kaugummis das von der Zigarette gewohnte Ritual, etwas in den Mund zu nehmen, nicht weiterführen und deshalb für die Entwöhnung geeigneter sind.

Um die Symptome des Entzugs zu lindern, kann Akupunktur helfen. Die einstündige Behandlung kostet 100 Euro, die viele Krankenkassen zumindest zum Teil erstatten.

Geruchs- und Geschmackssinn erholen sich

Der Aufwand lohnt sich, denn schon nach zwei Tagen ohne Zigaretten verbessert sich der Geruchs- und Geschmackssinn. Nach drei Monaten können Ex-Raucher wieder tiefer atmen, nach neun Monaten verschwindet endlich der Raucherhusten.

Interviewpartner:

Prof. Dr. Carsten Bokemeyer
Klinikdirektor
II. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Prof. Dr. Rainer Thomasius
Suchtexperte
Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ)
Zentrum für psychosoziale Medizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Prof. Dr. Eike Sebastian Debus
Direktor der Klinik und Poliklinik für Gefäßmedizin
Universitäres Herzzentrum
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Kai Stefan Haschke
Heilpraktiker
Hamburg
Tel. (040) 20 93 38 10
www.kai-haschke.de

Henrik Schünemann
Personal Trainer
Schwanenwik 14
22087 Hamburg
Tel. (040) 51 90 83 14

Dieses Thema im Programm:

Visite | 18.06.2013 | 20:15 Uhr

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