Stand: 06.01.2018 22:04 Uhr

Zöliakie erkennen und behandeln

Nicht nur in Weizenbrot und Kuchen lauert für manche Menschen eine Gefahr: Wer Zöliakie hat, für den sind schon kleinste Mengen Gluten gesundheitsschädlich. Gluten, ein sogenanntes Klebereiweiß, steckt in vielen Getreidesorten, etwa Weizen, Gerste, Roggen oder Dinkel. Und Getreideextrakte wiederum sind Bestandteil von Backwaren, aber auch zahlreichen Fertigprodukten.

Dr. Anne Fleck mit einer Patientin © NDR

Lebenslang glutenfrei bei Zöliakie - aber wie?

Die Ernährungs-Docs -

Janne H. leidet an Zöliakie: Sie darf nicht mal kleine Spuren des Getreidestoffs Gluten zu sich nehmen. Auf "Glutenfrei"-Produkte achtet sie schon, doch lauern manche Fallen im Alltag.

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Bei Zöliakie produziert das Immunsystem Antikörper, die das Gluten im Dünndarm angreifen. Sie verursachen eine chronische Entzündung, die die empfindlichen Zellen der Darmschleimhaut und die Darmzotten zerstört. Die Krankheit kann in jedem Alter ausbrechen. Nach aktuellen Studien sind 5 bis 10 von 1.000 Deutschen betroffen, zwei Drittel davon Frauen. Nicht bei allen ist die Erkrankung im Vollbild ausgeprägt - manche bemerken kaum Symptome. Die Zöliakie, früher auch Sprue genannt, beruht auf einer bleibenden Unverträglichkeit gegenüber Gluten. Sie ist eine Autoimmunerkrankung und nicht zu verwechseln mit einer Weizenallergie oder Weizensensitivität.

Ursache

Die Ursachen für die Ausbildung einer Zöliakie sind bisher nicht eindeutig geklärt, doch spielt Vererbung eine Rolle: 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung haben offenbar genetisch bedingt ein etwa dreifach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Infektionen, die Ernährung und Umweltfaktoren scheinen die Entwicklung der Krankheit zu beeinflussen. Nicht selten tritt eine Zöliakie zusammen mit anderen Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 1, Autoimmunerkrankungen der Haut oder der Schilddrüse sowie bei genetischen Auffälligkeiten wie dem Down-Syndrom auf.

Was bei Zöliakie im Dünndarm passiert

Bei Zöliakie-Erkrankten löst Gluten eine Autoimmunreaktion aus, die zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut und einer Rückbildung der Zotten führt. Dadurch können Erkrankte nicht mehr genügend Nährstoffe aufnehmen, denn der Dünndarm, wo der Nahrungsbrei in seine Bestandteile zerlegt wird, ist in seiner Funktion massiv gestört.

Normalerweise gelangen verwertbare Nahrungsbestandteile über die Darmschleimhaut in die dahinterliegenden kleinen Blutgefäße und damit in den ganzen Körper. Um eine möglichst große Oberfläche zur effektiven Nährstoffaufnahme zu erhalten, ist die Dünndarmwand mit Abermillionen von winzigen, haarähnlichen Ausstülpungen ausgekleidet - den sogenannten Zotten. Werden diese Zotten zerstört, verringert sich Oberfläche des Dünndarms. Besonders bei Kindern kann die gestörte Dünndarmfunktion zu einer Mangelernährung und damit zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen führen. Aufgrund der Mangelversorgung wird die Zöliakie als Systemerkrankung angesehen, die den gesamten Körper betrifft. Die Entzündung bleibt bestehen, solange der Betroffene glutenhaltige Lebensmittel isst. Sie geht zurück, sobald der Dünndarm nicht mehr mit Gluten konfrontiert wird.

Symptome

Nur bei 10 bis 20 Prozent der Betroffenen liegt das sogenannte Vollbild der Zöliakie vor - viele haben untypische oder gar keine Symptome und ahnen daher lange nichts von ihrer Erkrankung. Typische Anzeichen der Zöliakie sind Durchfall, Fettstühle, Übelkeit und Erbrechen sowie ein aufgeblähter Bauch. Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit, Knochen- und Muskelschmerzen und Muskelschwäche können ebenfalls auftreten.

In vielen Fällen zeigt sich die Erkrankung aber auch nur indirekt durch die Folgen der Mangelernährung. So kann Eisenmangel eine Blutarmut bewirken oder unzureichende Kalziumaufnahme zu einer Osteoporose führen. Bleibt die Glutenunverträglichkeit unerkannt, kann es bei Kindern und Jugendlichen durch die Mangelversorgung zu Entwicklungsverzögerungen kommen. Bei Erwachsenen drohen als weitere Komplikationen unter anderem Unfruchtbarkeit und Darmkrebs.

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 08.01.2017 | 21:00 Uhr

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Glutenhaltig oder glutenfrei? Die wichtigsten Fakten und Lebensmittel im Überblick. Download (44 KB)

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