Weißer Hautkrebs: Vorstufen rechtzeitig erkennen

Stand: 28.09.2020 13:06 Uhr

Weißer Hautkrebs ist häufiger als schwarzer. Wird die Krankheit rechtzeitig erkannt, sind die Heilungschancen gut. Ursache für Hautkrebs ist häufig intensive Sonnenbestrahlung.

Pro Jahr erkranken mehr als 250.000 Menschen in Deutschland an weißem Hautkrebs, auch heller Hautkrebs genannt. Er kann überall am Körper entstehen, tritt aber vor allem dort auf, wo die Sonne oft auf die Haut trifft - an Kopf, Hals, Ohren, Händen und Armen. Der weiße Hautkrebs hat gute Heilungschancen und verläuft selten tödlich, ist aber trotzdem nicht ungefährlich.

Zwei Arten von weißem Hautkrebs

Setzen sich Menschen jahrelang ohne Schutz, also ohne Sonnencreme oder Kleidung, der Sonne aus, kann sich weißer Hautkrebs entwickeln. Grundsätzlich sind zwei Arten von weißem Hautkrebs zu unterscheiden: das Basalzellkarzinom (Basaliom) sowie das Plattenepithel-Karzinom (Spinaliom).

Im Gespräch
Dermatologin Julia Maerker-Strömer
4 Min

Wie erkennt man weißen Hautkrebs?

Weißer Hautkrebs ist häufiger als schwarzer Hautkrebs. Wie man die Krankheit und ihre Vorstufen rechtzeitig erkennt, erklärt die Dermatologin Dr. Julia Maerker-Stroemer. 4 Min

UV-Strahlung erhöht Risiko: Wie viel Sonne ist zu viel?

Jede Minute in der Sonne, jeder Sonnenbrand summiert sich im Laufe des Lebens. Irgendwann sind die Hautzellen überlastet, Hautkrebs kann entstehen. Bis aus einer Zelle Krebs entsteht, braucht es etwa 20 bis 30 Jahre und relativ viele Sonnenbestrahlungen. Ist dieser Punkt erreicht, hat die gesamte Fläche diese UV-Energie abbekommen und das lässt sich nicht mehr zurückdrehen.

Ein einziger Sonnenbrand kann bis zu 100.000 Schäden in der Erbsubstanz hervorrufen, die entweder repariert werden müssen oder zum Absterben der betroffenen Zelle führen. Mit immer mehr Sonneneinstrahlung und zunehmendem Alter nimmt die Reparaturfähigkeit der Zellen ab, sodass sich defekte Zellen vermehren und zu einem hellen Hautkrebs entarten können.

Plattenepithelkarzinom (Spinalom) kann Metastasen bilden

Mit knapp 100.000 Neuerkrankungen jährlich ist das sogenannte Plattenepithelkarzinom oder Spinaliom der zweihäufigste helle Hautkrebs in Deuschland. Es entwickelt sich aus der Plattenepithelschicht der Haut und kann Metastasen bilden.

Zunächst bilden sich in der Regel Vorstufen, sogenannte aktinische Keratosen. Diese unscheinbaren, hautfarbenen Knötchen oder roten Flecken, an denen sich die Haut abschuppt, entstehen im Lauf der Jahre aufgrund der Sonnenbelastung. Mit zunehmendem Alter treten aktinische Keratosen immer häufiger auf.

Hautärzte warnen, dass diese Hauterkrankung durch das veränderte Freizeit- und Reiseverhalten im Rentenalter immer mehr zunimmt und meist unterschätzt wird, denn aus jeder zehnten unbehandelten aktinischen Keratose entwickelt sich ein Spinaliom. Während sich die aktinische Keratose auf die oberste Hautschicht beschränkt, breitet sich das Spinaliom in tiefere Schichten aus.

Anders als der besonders gefährliche schwarze Hautkrebs (Melanom) bleibt das Spinaliom aber in der Regel auf ein kleines Areal begrenzt und bildet nur in drei Prozent der Fälle Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Körperregionen, vor allem in den Lymphknoten.

Um das Fortschreiten eines Plattenepithel-Karzinoms zu verhindern, müssen verdächtige Stellen so früh wie möglich entdeckt und entfernt werden.

Basalzellkarzinom (Basaliom): Früherkennung erleichtert OP

Der häufigste Hautkrebs-Typ entsteht aus der Basalzellschicht und wird deshalb als Basalzellkarzinom oder Basaliom bezeichnet. Pro Jahr treten in Deutschland etwa 156.000 Basalzellkarzinome auf. Diese Hautkrebs-Form wächst langsam und bildet keine Metastasen, kann aber groß werden und sich in die Tiefe fressen. Deshalb sollte ein Basaliom möglichst frühzeitig entfernt werden.

Basalzellkarzinome verdoppeln ihre Größe meist innerhalb von einem Jahr und je größer der Tumor ist, desto mehr müssen die Ärzte wegschneiden. Ein Sicherheitsabstand ist wichtig, damit kein Tumor-Rest in der Haut bleibt. So muss bei einem ein Zentimeter großen Tumor rundherum noch mindestens ein halber Zentimeter gesundes Gewebe mitentfernt werden. So bleiben oft entstellende Narben zurück, die bei einer frühzeitigen Operation viel kleiner ausgefallen wären.

Ist die Erkrankung sehr weit fortgeschritten, wächst der Tumor in Knorpel, Muskeln, Nerven und sogar in den Knochen hinein. Dann müssen zum Beispiel Teile der Nase oder des Ohres mitentfernt werden.

Jeder zweite Erkrankte bekommt innerhalb von drei Jahren einen weiteren hellen Hautkrebs. Deshalb müssen Betroffene immer wieder zur Nachsorgeuntersuchung kommen. Je stärker die Sonnenbelastung der Haut war, desto häufiger tritt der helle Hautkrebs wieder auf.

Weißen Hautkrebs frühzeitig erkennen

Wer raue Stellen bemerkt, die nicht von selbst wieder verschwinden und sich anfühlen wir Schmirgelpapier, sollte sie deshalb unbedingt zeitnah vom Hautarzt untersuchen lassen, um eine frühzeitige Behandlung zu ermöglichen. Hautärzte warnen, dass die meisten Patienten erst spät zum Arzt kommen, meist mit einem Jahr Verzögerung. Und dann sei die Behandlung viel aufwendiger und belastender, als sie es bei frühzeitiger Erkennung sein müsste.

Regelmäßige Kontrolle ist wichtig

Da die Sonnenschäden in der Regel nicht nur eine Stelle betreffen, treten sowohl Basaliome als auch Spinaliome häufig nach einiger Zeit wieder an neuen Stellen auf. Das Einzige, was dagegen hilft, ist eine regelmäßige Früherkennungsuntersuchung, um die Tumoren rechtzeitig zu entdecken und zu entfernen.

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Experten zum Thema

Dr. Julia Maerker-Stroemer, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie
Hautarztpraxis im Krohnstiegcenter
Krohnstieg 41-43
22415 Hamburg
(0 40) 41 12 55 66-0
www.hautarztpraxis-langenhorn.de

Dr. Peter Mohr, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Medikamentöse Tumortherapie, Palliativmedizin
Hautkrebszentrum
Elbe Klinikum Buxtehude
Am Krankenhaus 1, 21614 Buxtehude
(0 4161) 703-0
www.elbekliniken.de

Weitere Informationen
Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Onko-Internetportal
www.krebsgesellschaft.de

Deutsche Krebshilfe e.V.
Buschstraße 32, 53113 Bonn
(0 228) 72 99 00
www.krebshilfe.de

Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e. V.
Cremon 11, 20457 Hamburg
www.unserehaut.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 29.09.2020 | 20:15 Uhr

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