Stand: 29.12.2020 12:48 Uhr

Verstopfung erkennen und behandeln

Der Darm ist träge, seine Entleerung meist schwierig und schmerzhaft: Etwa jeder Fünfte leidet zumindest gelegentlich unter Verstopfung, überwiegend Frauen und Menschen in höherem Alter. Von Verstopfung (oder medizinisch Obstipation) spricht man, wenn der Stuhlgang vier Tage ausbleibt, zur Darmentleerung starkes Pressen erforderlich ist und dauerhaft ein Gefühl der unvollständigen Entleerung besteht. Passiert das über mehr als drei Monate regelmäßig, dann liegt eine chronische Form der Verstopfung vor. In schweren Fällen bleibt der Stuhlgang bis zu zwei Wochen aus.

VIDEO: Verstopfung überwinden mit Bewegung und Ballaststoffen (14 Min)

Häufige Ursachen für Verstopfung

Die häufigste Form der Verstopfung (kologene Obstipation oder auch Slow-transit-Obstipation) ist dadurch gekennzeichnet, dass der Darm sich nur wenig bewegt und sein Inhalt nur langsam vorwärts geschoben wird. Der Stuhl dickt dadurch immer weiter ein, wird hart. Stoffwechselstörungen wie bei Diabetes mellitus oder Schilddrüsenunterfunktion und krankhafte Veränderungen des Darms, etwa vermehrte Einlagerung von Kollagen in die Darmwand, können dieser Darmbewegungsstörung zugrunde liegen, ebenso Nerven- und Bindegewebserkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten (etwa Psychopharmaka, Betablocker, Schlaf- und Beruhigungsmittel, aluminiumhaltige Säurebinder, Eisenpräparate, Diuretika etc.). Wer häufig Abführmittel einsetzt, dessen Darm kann abstumpfen gegen nervale Reize. Begünstigend auf die Darmträgheit wirken außerdem ballaststoffarme Ernährung, mangelnde Flüssigkeitszufuhr und mangelnde Bewegung.

Kost- oder Zeitumstellung verursachen Verstopfung

Es gibt weitere Formen der Verstopfung mit anderen Ursachen: Die anorektale Obstipation beispielsweise ist auf Veränderungen oder Störungen im Bereich des Enddarms und des Afters zurückzuführen - etwa eine Verengung des Darmausgangs, Aussackung des Enddarms oder eine gestörte Koordination der inneren und äußeren Schließmuskeln. Häufig ist auch gar keine Ursache zu finden: Mediziner sprechen dann von idiopathischer Obstipation. Viele Menschen leiden zu Beginn der Reise zwei, drei Tage an Verstopfung, das ist jedoch nicht als chronisch anzusehen, auch wenn es bei jeder Reise passiert. Grund ist hier meist nur eine vorübergehende Anpassungsstörung an einen ungewohnten Tagesablauf und fremde Nahrungsmittel oder Gewürze. Auch nach einer Fastenkur oder Durchfällen kann es einige Tage dauern, ehe es wieder zu einer normalen Stuhlentleerung kommt.

Symptome bei Verstopfung

Viele Betroffene leiden zuerst unter Völlegefühl und allgemeinem Unwohlsein, Frösteln, Blähbauch. Der Stuhlgang ist schwierig, oft schmerzhaft. Meist werden nur durch starkes Pressen kleine und harte Kotportionen ("Schafsköttel", "Kaninchenknödel") ausgeschieden. Bei sehr seltenem Stuhlgang können Magenschmerzen und Übelkeit dazukommen.

Dauerhafte Verstopfung kann schwere Folgen haben

Gefürchtete Komplikationen sind Hämorrhoiden und Inkontinenz. Wenn durch die gestörte Verdauung der Kaliumhaushalt durcheinandergerät, kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen. Auch besteht die Möglichkeit, dass durch den chronischen Druck die Darmwand kleine Löcher bekommt und sich dort Ausstülpungen bilden, die sich entzünden können (Divertikulitis). Zu den möglichen Folgen einer chronischen Verstopfung zählen außerdem:

  • Analfissuren
  • Rektumprolaps (Mastdarmvorfall)
  • Ileus (Darmlähmung, Darmverschluss)
  • Bildung von verhärteten Kotballen (Skybala), Koprostase (Endstadium hochgradiger Verstopfung)

Medizinische Diagnose der Verstopfung

Wegen der Vielzahl der möglichen Ursachen ist die Diagnose besonders umfangreich. Da die Verstopfung stressbedingt sein kann, wird nach den Lebensumständen und nach der familiären, beruflichen beziehungsweise schulischen Situation gefragt. Wichtig sind die Erfassung der Ernährungsgewohnheiten und die Frage nach Medikamenteneinnahme.

Anne Fleck hält einen leeren Schweinedarm in den Händen, der in einer Schüssel Wasser liegt - Patientin schaut zu. © NDR
Mithilfe eines Schweinedarms erklärt Anne Fleck Yvonne S., was das Problem mit ihrem Darm ist.

Die körperliche Untersuchung umfasst Abhören, Abklopfen und Abtasten des Bauchs und Austasten des Enddarms. Blut- und Urinproben werden abgenommen, um den Mineralstoff- und Elektrolytstatus zu klären - sie liefern gegebenenfalls Hinweise auf Stoffwechselerkrankungen, eventuellen Kaliummangel oder Überkonsum von Abführmitteln. Ein Stuhlbluttest kann eine Darmentzündung oder Tumoren anzeigen. Bei einem Bauch-Ultraschall (Abdomen-Sonografie) versucht der Arzt, krankhafte Veränderungen wie Darmverengungen oder Luftansammlungen zu erkennen. Falls der Verdacht auf Darmpolypen, Verengungen oder Tumoren besteht, ist eine Darmspiegelung unumgänglich.

Selten werden eine Röntgenuntersuchung mit Kontrasteinlauf, eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT/MRI) oder ein Kolontransit-Test zur Abklärung notwendig sein. Gynäkologische, urologische oder neurologische Untersuchungen können das Bild vervollständigen.

Therapie: Ballaststoffe, viel Trinken und Bewegung

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Sind Auslöser wie Krankheiten oder Medikamente ausgeschlossen, dann gibt es zur Beseitigung der Verstopfung zwei Zauberworte - beide beginnen mit B: Ballaststoffe und Bewegung.

Empfehlenswert bei Beschwerden mit Darmträgheit sind etwa 35 Gramm Ballaststoffe täglich; in schweren Fällen sollten es sogar 40 bis 50 Gramm sein. Das bedeutet: Genügend Vollkornprodukte, Leinsamen, Gemüse und Obst gehören auf den Speiseplan! Stellen Sie allerdings bitte nicht ganz abrupt von wenig auf viele Ballaststoffe um, sondern gewöhnen Sie Ihren Darm schonend an die "Mehrarbeit". Und: unbedingt ausreichend dazu trinken. Ballaststoffe quellen und benötigen dazu Flüssigkeit.

Akazienfasern oder Flohsamen sind natürliche Quellmittel. Ein Esslöffel davon, eingenommen mit einem Glas Wasser vor einer Mahlzeit, kann zusätzlich helfen, die nötige tägliche Balaststoffmenge zu erreichen.

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Damit der Darm wieder richtig in Gang kommt, muss er bewegt werden! Sport beschleunigt die Verdauung. Betroffene sollten mindestens 10.000 Schritte pro Tag anstreben.

Darüber hinaus kann die richtige Haltung den Stuhlgang erleichtern: Studien belegen, dass die natürliche Hockhaltung einer Verstopfung effektiv entgegenwirkt, denn der Enddarm ist dabei gestreckt - so fällt die Entleerung leichter.

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Die Ernährungs-Docs | 18.01.2021 | 21:00 Uhr

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