Stand: 07.08.2018 13:52 Uhr

Hitze: Gefahr für Herz und Kreislauf

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Durch die Hitze ist bei vielen Menschen das Herz-Kreislauf-System überfordert.

Dieser Sommer bricht alle Rekorde - leider auch bei der Gesundheitsbelastung. Mittlerweile ist die andauernde, in unseren Breiten ungewohnte Hitze die Hauptursache für notfallmäßige Krankenhauseinweisungen. Bei vielen Menschen ist das Herz-Kreislauf-System überfordert und wer nicht ständig trinkt, droht buchstäblich auszutrocknen. Kreislaufzusammenbrüche und Herzrhythmusstörungen sind die häufigsten Folgen. Betroffen sind vor allem Ältere, die Entwässerungstabletten oder andere blutdrucksenkende Medikamente einnehmen. Sie leiden in diesen Tagen oft unter einem zu niedrigen Blutdruck. Das kann zu Schwindel, Ohnmachtsanfällen und Stürzen führen.

Gruppe Jugendlicher auf dem Wasser

Hitze: Gefahr für Herz und Kreislauf

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Kreislaufzusammenbrüche und Herzrhythmusstörungen können die Folge großer Hitze sein. Betroffen sind vor allem Ältere, die blutdrucksenkende Medikamente einnehmen.

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Warum sinkt der Blutdruck in der Hitze?

Bei Hitze sinkt der Blutdruck bei jedem Menschen. Denn steigt die Körpertemperatur, stellt das Gehirn als Abwehrmaßnahme alle Adern weit. So wird das Blut in den Venen unter der Haut stärker abgekühlt und die Körpertemperatur sinkt. Doch durch die weit gestellten Adern sinkt auch der Blutdruck und das Blut sackt in die Beine. Das kann vor allem für Menschen mit geschwächtem Herz gefährlich werden, denn das Blut aus den Beinen wieder hochzupumpen ist Schwerstarbeit. Ein geschwächtes Herz kann dann nicht mehr alle Organe und das Gehirn ausreichend mit sauerstoffhaltigem Blut versorgen.

Warum ausreichend Flüssigkeit so wichtig ist

Wasser zu trinken ist bei großer Hitze das Wichtigste, denn unser Gehirn versucht, den Körper auch durch Schwitzen abzukühlen. Insgesamt zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen sind über den ganzen Körper verteilt und sondern bei Bedarf ein Sekret aus Wasser, Salzen, Aminosäuren und Harnstoff ab. Auf der Hautoberfläche verdunstet die Flüssigkeit und entzieht der Haut Wärme, die Körpertemperatur sinkt. An heißen Tagen verlieren wir bis zu zwei Liter Wasser mehr als sonst. Und das muss unbedingt nachgefüllt werden, denn sonst wird das Blut immer dickflüssiger, fließt träge und macht es dem Herzen noch schwerer. Wenn sich in den Beinen dickflüssiges Blut sammelt, kann es leicht verklumpen und ein Blutgerinnsel (Thrombose) bilden. Löst sich dieses Blutgerinnsel später, kann es eine Ader verstopfen und so zu lebensbedrohenden Krankheiten wie Lungenembolie, Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.

Auf regelmäßigen Harndrang achten

Bei der richtigen Trinkmenge verschätzen sich viele. Ein untrügliches Zeichen ist der fehlende Harndrang: Wer in der Hitze kaum zur Toilette muss, hat zu wenig getrunken! Generell gibt es für Gesunde kein Zuviel an Wasser. Wer dagegen aufgrund einer Herz- oder Nierenkrankheit nur eine bestimmte Menge trinken darf, sollte dringend mit seinem Arzt besprechen, um wie viel er seine Trinkmenge jetzt erhöhen soll. Denn nur mit genügend Wasser kann der Körper die Hitze ausgleichen, ohne Schaden zu nehmen.

In Bewegung bleiben - aber einen Gang herunterschalten

Bei großer Hitze sollte direkte Sonne gemieden werden, auch Ruhe ist wichtig. Nur herumzusitzen ist aber auch nicht gut. Damit der Kreislauf in Schwung bleibt, ist leichte Bewegung ideal, am besten in den frühen Morgenstunden oder in klimatisierten Räumen. Dann wird das Blut durch die Muskelarbeit der Beine leichter wieder abtransportiert. Trotzdem sollte die Bewegung der Hitze angepasst werden: Wer normalerweise joggt, sollte besser walken - und wer walkt, geht jetzt spazieren. Wer auch dazu zu schlapp ist, sollte zumindest ab und zu die Füße hochlegen, damit das Blut besser abfließen kann.

Mit diesen Tipps kommen Sie gut durch heiße Tage:

  • abhängig von Gesundheitszustand und Aktivität zwei bis vier Liter körperwarme Getränke trinken, zum Beispiel Wasser, Gemüsesäfte, erfrischende Tees
  • zum Salzausgleich bei starkem Schwitzen eignen sich lauwarme Gemüse-, Hühner- oder Rinderbrühe
  • ein lauwarmes Fußbad nehmen
  • Handgelenke mit Wasser kühlen
  • körperliche Belastung vermeiden
  • Sport auf den kühleren Morgen oder Abend verlegen und einen Gang herunterschalten
  • Verzicht auf Alkohol und süße Getränke
  • helle, luftige Kleidung aus Naturfasern tragen
  • im Schatten aufhalten, prallen Sonnenschein meiden
  • Sonnenschutzcreme mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden
  • Sonnenhut und -brille tragen
  • Aufenthaltsräume vor direkter Sonneneinstrahlung schützen
  • nur nachts und morgens lüften, tagsüber Fenster schließen
  • niemals Menschen oder Tiere im Auto zurücklassen - auch nicht für kurze Zeit

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Typische Anzeichen von Sonnenstich, Hitzschlag, Hitzeerschöpfung oder Kollaps sind Schwindel, Schwächegefühl, sehr rote oder blasse Haut, Krämpfe in Armen und Beinen oder eine Bewusstseinstrübung. In diesem Fall sollten sofort die folgenden Maßnahmen getroffen werden:

  • Den Patienten in den Schatten oder an einen kühlen Ort bringen.
  • Oberkörper erhöht lagern, enge Kleidung lockern.
  • Mit feuchten Umschlägen (zum Beispiel auf dem Kopf) kühlen.
  • Mineralwasser zu trinken geben.
  • Bei Kreislauf- oder Bewusstseinsstörungen den Rettungsdienst rufen!

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Experten zum Thema

Dr. Malte Issleib, Oberarzt
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
www.uke.de

Dr. Melanie Hümmelgen, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Leitende Ärztin der Kardiologischen Abteilung und stellv. Ärztliche Direktorin
RehaCentrum Hamburg
Martinistraße 66, 20246 Hamburg
(0 40) 25 30 63-505
www.rehahamburg.de

Dr. Karl-Christian Münter, Facharzt für Allgemeinmedizin, Phlebologie              
Gemeinschaftspraxis Bramfeld
Bramfelder Chaussee 200, 22177 Hamburg
(0 40) 641 78 68
www.gemeinschaftspraxis-bramfeld.de

Weitere Informationen:
Verhaltensempfehlungen des Deutschen Wetterdienstes bei Hitze
www.dwd.de/DE/leistungen/hitzewarnung/verhaltensempfehlungen.pdf (Link zu einem PDF-Dokument)
WHO-Empfehlungen der Gesundheitsbehörden für das Verhalten bei Hitzewellen
www.euro.who.int/de/

Dieses Thema im Programm:

Visite | 08.07.2018 | 20:15 Uhr

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