Stand: 02.09.2019 16:27 Uhr

Klimawandel: Krank durch Hitze

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Bei Hitze ist es wichtig, viel zu trinken.

Die Hitze im Sommer macht viele Menschen krank. Als besonders gefährdet gelten Menschen, die zum Beispiel an Diabetes, einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder chronischen Atemwegsproblemen leiden. Es kann aber auch scheinbar Gesunde treffen, die bei hohen Temperaturen zum Beispiel mit einer Herzrhythmusstörung in die Notaufnahme kommen. Auch andere Erkrankungen lassen sich auf die Hitze zurückführen. Hier ein Überblick, welche Ursachen sie haben können.

Sonne, im Vordergrund Gräser.

Klimawandel: Krank durch Hitze

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Hitze macht viele Menschen krank. Selbst scheinbar Gesunde kommen bei hohen Temperaturen in die Notaufnahme. Doch auf den Klimawandel sind Kliniken und Heime schlecht vorbereitet.

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Kliniken und Heime schlecht auf Klimawandel vorbereitet

Das Umweltbundesamt hat bereits 2017 Handlungsempfehlungen für Krankenhäuser und Seniorenheime herausgegeben, wie sie Menschen vor den zunehmenden Auswirkungen der Hitze auf die Gesundheit schützen sollten. Doch anders als in Nachbarländern wie Frankreich, Österreich oder den Niederlanden hat sich der Großteil der deutschen Kliniken und Heime noch nicht auf die mit dem Klimawandel verbundenen Hitzeereignisse eingestellt und klimatisierte Räume für Betroffene eingerichtet.

Höheres Sterberisiko durch Tropennächte

Wissenschaftler warnen vor einer weiteren Zunahme der heißen Tage mit Tropennächten. Darunter verstehen sie, dass

  • die Temperaturen am Tage oberhalb von 30 Grad Celsius liegen und
  • in der Nacht nie unter 20 Grad sinken.

Je länger die Tropennächte anhalten, umso größer ist das Sterberisiko. Allein in Hessen und Berlin starben 2018 aufgrund der Hitzeperioden mehrere Hundert Menschen, berichtet das Robert Koch-Institut.

Vor allem in den Großständen im Landesinneren verursacht langanhaltende Hitze größere Probleme, denn hier kühlt sich die Luft langsamer ab, die Temperaturen sind im Durchschnitt sogar noch höher als auf dem Land. Zudem fördert die hohe Lufttemperatur zusammen mit intensiver Sonneneinstrahlung die Entstehung von bodennahem Ozon.

Herzrhythmusstörungen

Beim Schwitzen gehen schnell einige Liter Flüssigkeit verloren - und damit auch Kochsalz, Kalium und Magnesium. Ein Mangel der Mineralstoffe kann die Herzzellen so verändern, dass vermehrt Herzrhythmusstörungen und sogar Herzinfarkte auftreten.

Niedriger Blutdruck

Bei Hitze sinkt der Blutdruck jedes Menschen: Der Körper stellt die Adern weit, um einen Anstieg der Körpertemperatur auf mehr als 37 Grad zu verhindern. So kann das Blut in den Venen unter der Haut die Wärme besser abgeben. Doch weit gestellte Adern senken den Blutdruck und lassen das Blut in die Beine sacken.

Das kann vor allem für Menschen mit einer Herzschwäche gefährlich werden, denn das Blut aus den Beinen wieder nach oben zu pumpen ist Schwerstarbeit. Ein geschwächtes Herz schafft es dann unter Umständen nicht mehr, alle Organe und das Gehirn mit Blut zu versorgen.

Schlafstörungen

Nachts sinkt normalerweise die Körpertemperatur. Das ist eine wichtige Voraussetzung für eine erholsame Bettruhe, die der Körper zur Zellregeneration benötigt. Ist es im Schlafzimmer zu heiß, kann das zu Schlafstörungen führen.

Magen-Darm-Infekte

Bei Hitze wird die Haut stärker durchblutet, dafür bekommen andere Organe weniger Blut ab - zum Beispiel die Verdauungsorgane. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, sich einen Magen-Darm-Infekt zuzuziehen. Wegen der verringerten Abwehrbereitschaft kann die Infektion länger dauern als zu anderen Jahreszeiten.

Beschwerden durch Medikamente

Bei Hitze verträgt nicht jeder die sonst gewohnte Dosis von Arzneimitteln wie Blutdrucksenkern oder Insulin. Deshalb sollten Betroffene die Einnahme nach Absprache mit ihrem Arzt an die Wetterbedingungen anpassen. Wichtig dabei ist, die negativen Effekte der Hitze nicht noch durch die Behandlung zu verstärken.

Probleme nach Operationen

Hohe Temperaturen wirken sich auf die Wundheilung aus. Mediziner der Berliner Charité fanden bei einem Vergleich der Daten von Wundinfektionen nach Operationen heraus, dass bei höheren Außentemperaturen die Wahrscheinlichkeit einer sogenannten postoperativen Wundinfektion steigt, und das bereits ab 20 Grad Celsius. Vor allem oberflächliche Entzündungen treten bei Wärme häufiger auf.

Kürzere Behandlungsdauer durch Klimaanlage

Eine weitere Studie zeigt, dass eine moderate Klimatisierung der Klinik auch den Behandlungsverlauf von Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen deutlich beschleunigt. Die Betroffenen in klimatisierten Zimmern mussten nicht so lange behandelt werden, fühlten sich weniger krank und waren schneller wieder auf den Beinen.

Weitere Informationen

Gesundheitstipps für heiße Tage

Kreislaufzusammenbrüche und Herzrhythmusstörungen können die Folge großer Hitze sein. Betroffen sind vor allem Ältere, die blutdrucksenkende Medikamente einnehmen. mehr

Experten zum Thema

Dr. Gabriele Groth, Leitende Ärztin
Zentrale Notaufnahme
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
www.asklepios.com

Rio Morawe, Facharzt für Allgemeinmedizin
Am Raiffeisenturm 2
24613 Aukrug
(04873) 87 14 777
rio-morawe-allgemeinmedizinpraxis.business.site

Dr. Seven Johannes Sam Aghdassi, Assistenzarzt
Institut für Hygiene und Umweltmedizin
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Hindenburgdamm 27
12203 Berlin
hygiene.charite.de

Dr. Hans-Guido Mücke, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Fachgebiet Umweltmedizin und gesundheitliche Bewertung
Abteilung Umwelthygiene
Umweltbundesamt Berlin
Corrensplatz 1
14195 Berlin
www.umweltbundesamt.de

Weitere Informationen
Broschüre des Umweltbundesamtes: Klimawandel und Gesundheit - Tipps für sommerliche Hitze und Hitzewellen
www.umweltbundesamt.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 03.09.2019 | 20:15 Uhr

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