Herzschwäche: Was hilft bei Erschöpfung und Luftnot?

Stand: 26.02.2021 16:58 Uhr

Schätzungsweise vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt. Mit mehr als 460.000 Fällen pro Jahr ist sie der häufigste Grund für eine Aufnahme ins Krankenhaus.

Herzschwäche gehört zu den häufigsten Todesursachen. Dennoch wird eine chronische Herzschwäche mitunter lange nicht ernst genommen oder sogar übersehen - vor allem bei Frauen. Allzu oft neigen Betroffene dazu, die typischen Symptome wie Luftnot und Leistungsschwäche als Alterserscheinungen abzutun. Je nachdem, welche der beiden Herzkammern überwiegend betroffen ist, lässt sich in Rechtsherz- und Linksherz-Insuffizienz differenzieren. Treten beide Formen der Herzschwäche gemeinsam auf, sprechen Mediziner von einer globalen Insuffizienz.

Ursachen der Herzinsuffizienz sind vielfältig

Herzschwäche bedeutet: Mangels Pumpleistung gelingt es dem Herzen nicht, den Organismus mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Dem liegen die verschiedensten Ursachen zugrunde:

  • Eine systolische Herzschwäche (verminderte Auswurfleistung) kann zum Beispiel nach einem Herzinfarkt oder einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) entstehen, wenn Herzmuskelgewebe zerstört und durch eine Narbe ersetzt wird. Auch Gefäßverengungen, wie etwa bei der koronaren Herzkrankheit (KHK), fördern die systolische Herzschwäche.
  • Eine diastolische Herzschwäche (Störung der Füllungsphase durch verminderte Dehnbarkeit) wird oft durch hohen Blutdruck oder Gefäßschäden bei Diabetes ausgelöst: Der Herzmuskel versteift sich und kann nicht mehr richtig entspannen. In Deutschland leiden nach Angaben der Herzstiftung bis zu fünf Prozent der über 70-Jährigen daran. Besonders Frauen sind oft von dieser Form der Herzschwäche betroffen. Experten vermuten, dass Hormone und die feineren Blutgefäße dabei eine Rolle spielen.

Symptome: Schnelle Erschöpfung und Luftnot bei Belastung

Bei einer Herzschwäche schafft der Herzmuskel es nicht mehr, genügend Blut zu pumpen. Die Folgen sind einerseits Blut- und Sauerstoffmangel in den zu versorgenden Geweben und Organen, andererseits kommt es zu Blut- und Wasser-Stauungen in den Organen und Geweben vor den Herzkammern. So können sich etwa bei Linksherz-Insuffizienz Wasseransammlungen in der Lunge (Lungenödem) oder neben der Lunge (Pleuraerguss) bilden, die das Atmen schwer machen. Um besser Luft zu bekommen, schlafen Herzinsuffiziente oft lieber mit leicht erhöhtem Oberkörper, später schlimmstenfalls sogar im Sitzen.

Meist beginnen die Beschwerden schleichend, sodass Betroffene die Erkrankung zunächst gar nicht bemerken. Häufig sind sie lediglich schneller erschöpft und führen das beispielsweise auf schlechteren Schlaf zurück. Warnzeichen sind:

  • ungewohnte Leistungsschwäche, zum Beispiel beim Treppensteigen
  • Atemnot - anfangs bei Anstrengung, im späteren Stadium auch schon in Ruhe
  • ein andauerndes Schwächegefühl
  • nächtliches Wasserlassen
Weitere mögliche Symptome bei Linksherz-Insuffizienz:
  • Husten ("Herzhusten")
  • rasselnde oder brodelnde Atemgeräusche
Weitere mögliche Symptome bei Rechtsherz-Insuffizienz:
  • Schwellungen durch Wassereinlagerungen (Ödeme), vor allem dicke Knöchel oder Beine, geschwollener Bauch
  • Gewichtszunahme binnen weniger Tage (durch die Ödeme)
  • Völlegefühl, Appetitlosigkeit.

NYHA-Stadien

Für die Schwere einer Herzschwäche gilt auch in Deutschland die Einteilung der New Yorker Herzvereinigung (New York Heart Association - NYHA) als Gradmesser.

  • Stadium I: Alltägliche körperliche Belastungen verursachen keine unangemessene Erschöpfung, Atemnot oder Rhythmusstörungen.
  • Stadium II: Alltägliche körperliche Belastungen wie etwa Treppensteigen führen zu merklicher Erschöpfung, Atemnot oder zu Herzrhythmusstörungen.
  • Stadium III: Schon geringe körperliche Belastungen verursachen Erschöpfung, Rhythmusstörungen oder Atemnot. Keine Beschwerden in Ruhe.
  • Stadium IV: Bei allen körperlichen Aktivitäten und auch in Ruhe treten Beschwerden auf.

Sichere Diagnostik per Ultraschall

Nach dem Aufnehmen der Krankengeschichte und dem Abhören von Herz und Lunge wird der Arzt ein Ruhe-EKG schreiben. Es erlaubt Rückschlüsse darauf, ob etwa Herzrhythmusstörungen vorliegen oder ob ein früherer Herzinfarkt als Ursache für die Beschwerden infrage kommt.

Die entscheidende Untersuchung bei der Diagnostik der Herzschwäche ist das Herzecho (Echokardiografie). Dabei untersucht der Kardiologe das schlagende Herz per Ultraschall, misst die Dicke der Muskulatur, die Funktion der Herzklappen und den Blutfluss im Herzen.

Dabei wird insbesondere die sogenannte Ejektionsfraktion (EF, Auswurffraktion) ermittelt - ein wichtiger Wert, der angibt, wie viel Prozent des Blutes bei einem Herzschlag aus der maximal gefüllten Herzkammer tatsächlich in den Kreislauf gelangen. Der Normalwert liegt bei etwa 55 bis 70 Prozent, denn auch nach einem kräftigen Herzschlag bleibt immer eine bestimmte Menge Blut in der Kammer zurück. Eine Ejektionsfraktion unter 50 Prozent weist auf eine Pumpschwäche des Herzens hin, bei Werten unter 40 Prozent ist die Pumpleistung des Herzens erheblich eingeschränkt.

Einen Hinweis auf eine Herzerkrankung liefert auch der Laborwert BNP (B-natriuretisches Peptid). Das Peptidhormon wird bei Herzschwäche gebildet und lässt sich im Blut messen - ähnlich wie das Troponin beim Herzinfarkt. Als normal gelten maximal 100 ng/l Serum. Den Test kann der Hausarzt durchführen.

Frühe Therapie steigert die Lebenserwartung

Beginnt die Behandlung rechtzeitig, dann steigt die Lebenserwartung von Herzschwäche-Patienten Studien zufolge im Schnitt um rund zehn Jahre. In jedem vierten Fall erholt sich das Herz sogar komplett. Oft aber kommen Betroffene in die Notaufnahme, deren Herzschwäche bereits entgleist (dekompensiert) ist. Dann führt eine extreme Überwässerung in der Lunge schon in Ruhe zu Luftnot. Nach einer solchen akuten Verschlechterung erlangt das Herz seine alte Leistungsfähigkeit kaum mehr zurück.

Mit Technik gegen Herzschwäche

  • Oft ist das geschwächte Herz krankhaft vergrößert und die elektrischen Impulse für das Zusammenziehen werden nur verzögert über den Herzmuskel geleitet, sodass sich die verschiedenen Anteile des Herzens nicht mehr koordiniert zusammenarbeiten und so weitere Leistung verloren geht. Im EKG entstehen dann sogenannte breite Kammerkomplexe. Sie geben einen Hinweis, ob der Betroffene von einer Implantation eines 3-Kammer-Herzschrittmachers profitieren kann, der die Arbeit der verschiedenen Herzanteile wieder synchronisiert. (Re-Synchronisationstherapie).

  • Bei Erkrankten, die besonders gefährdet sind, lebensbedrohliche Rhythmusstörungen zu entwickeln, wird manchmal ein Kardioverter-Defibrillator (ICD) implantiert.

  • Ein völlig neues Wirkprinzip hat der CCM-Unterstützer. Das schrittmacherähnliche Gerät führt nicht zu einer Rhythmusveränderung wie ein Schrittmacher, sondern unterstützt die Herzarbeit. Zwischen den einzelnen Herzschlägen gibt der CCM-Unterstützer starke Ströme in die Herzwand ab, bis zu hundertmal stärker als bei anderen Schrittmachern.

  • Menschen mit diastolischer Herzschwäche kann neuerdings der Einsatz einer Metallspange helfen. Damit wird ein künstlicher Kurzschluss ("Shunt") zwischen den beiden Herzvorhöfen gebildet, um Herz und Lunge zu entlasten.

Wie ein CCM-Unterstützer funktioniert

Das Herz kann sich nur dann kräftig zusammenziehen, wenn jeder Zelle große Mengen Kalzium zur Verfügung stehen. Bei einer Herzschwäche aktiviert der Körper Stresshormone, um das Herz anzutreiben. Der Stress stört den Kalzium-Kreislauf: Der Kalzium-Speicher wird aufgebraucht und der Herzmuskel verliert zunehmend die Kraft, sich zusammenzuziehen. Der CCM-Unterstützer steigert die Herzleistung so weit, dass der Stress nachlässt, sich der Kalzium-Stoffwechsel regeneriert und das Herz wieder kräftiger schlagen kann.

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Metallspange lindert diastolische Herzschwäche

Bei einer diastolischen Herzschwäche pumpt das Herz scheinbar normal, der Herzmuskel ist aber zu steif, um sich richtig zu dehnen. Deshalb kann das Herz in der Diastole nicht genug Blut aufnehmen, es kommt zu einem Rückstau in den linken Herzvorhof bis in die Lungen. Das wiederum führt zu Kurzatmigkeit und schneller Erschöpfung - also zu den gleichen Symptomen wie bei einer systolischen Herzschwäche. Doch die bei der systolischen Form wirksamen Medikamente können bei der diastolischen Herzinsuffizienz meist nichts ausrichten. Ein neues Verfahren kann den Betroffenen nun gegen ihre Luftnot helfen. Dabei wird, über einen Katheter von der Leiste aus, eine Metallspange ins Herz eingeführt und in die Wand zwischen den beiden Herzvorhöfen eingesetzt. Durch diesen künstlichen Kurzschluss kann bei jedem Herzschlag etwas Blut aus dem linken in den rechten Vorhof abfließen. Der Druck sinkt, die Luftnot lässt nach.

Herzschwäche mit Medikamenten behandeln

Üblich ist eine Kombinationstherapie verschiedener Medikamente, unter anderem zur Verbesserung der Prognose. Zu den eingesetzten Mitteln gehören:

  • ACE-Hemmer
  • Sartane (AT1-Hemmer)
  • Beta-Blocker
  • Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten
  • Ivabradin
  • ARNI (Sacubitril kombiniert mit Valsartan)

Behandlung mit neuen Medikamenten

Die Wirkstoffkombination aus Sacubitril und Valsartan wird auch Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor (ARNI) genannt. Sie wirkt über die Niere und wird seit 2016 eingesetzt. ARNI kommt bei der Behandlung von Herzschwäche in Betracht, wenn Erkrankte mit systolischer Herzinsuffizienz im Stadium 2 bis 4 trotz der bisherigen Einnahme eines ACE-Hemmers und eines Betablockers keine Verbesserung erfahren und weiter unter Symptomen leiden.

Antidiabetika bei Herzschwäche

Auch bestimmte Antidiabetika können bei chronischer Herzschwäche helfen, fanden Mediziner zufällig heraus. Bei der Behandlung von Diabetes-Kranken fiel auf, dass ein neuer Wirkstoff auch deren Herzschwäche verbesserte. Warum die Medikamente doppelt wirken, ist bislang nicht erforscht. Doch eine Studie zeigt, dass auch an Herzschwäche Erkrankte ohne Diabetes von einem bestimmten Diabetes-Medikament profitieren, dem sogenannten SGLT-2-Hemmer.

Diuretika bei Wasseransammlungen durch Herzschwäche

Gegen Wasseransammlungen werden zudem Diuretika (Entwässerungsmittel) eingesetzt. Vereinzelt kommt Digitalis (Herzglykosid) infrage. Je nach Vor- und Begleiterkrankungen kann nicht jeder Wirkstoff bei jedem Betroffenen eingesetzt werden.

Bewegung bei Herzschwäche

Die Behandlung richtet sich danach, was das Herz geschwächt hat, denn die Herzschwäche ist eine Systemerkrankung. Zu den wichtigsten Säulen der Therapie, vor allem bei Linksherzschwäche, gehört regelmäßige Bewegung - in Absprache mit dem behandelnden Arzt. Sie kann das Herz stärken und wirkt zugleich positiv auf den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel. Betroffene sollten ihre Belastungsgrenze kennen und nicht zu ambitioniert trainieren.

Ausdauertraining in einer Herzsportgruppe

Die Kurve eines EKG © Colourbox Foto: Marian Vejcik
Ein EKG erlaubt Rückschlüsse darauf, ob eine Herzrhythmusstörung vorliegt.

Von geeignetem Ausdauertraining - zum Beispiel in einer Herzsportgruppe - profitiert nicht nur der Herzmuskel, sondern auch die Skelettmuskulatur. Forscher haben in Gewebeproben von Herzschwäche-Betroffenen und Gesunden die Aktivierung des sogenannten Ubiquitin-Proteasom-Systems (UPS) untersucht, das für den Abbau von Muskeleiweißen zuständig ist. Bei den Herzschwächepatienten wiesen sie dabei unabhängig vom Alter eine Aktivierung des UPS im Skelettmuskel nach und fanden im Gewebe zudem erhöhte Werte des Enzyms MuRF1, das defekte Eiweiße in der Zelle für den Abbau kennzeichnet. Die Studie zeigte weiter, dass ein vierwöchiges Ausdauertraining die Menge des MuRF1 im Skelettmuskel der Herzschwächepatienten normalisierte. Die Studienteilnehmer ließen sich dafür vor und nach dem vierwöchigen Training kleine Muskelproben aus den Oberschenkeln entnehmen, die dann im Labor analysiert wurden.

Ernährung bei Herzschwäche: Übergewicht reduzieren

Stark übergewichtige Menschen mit Herzschwäche sollten unbedingt ihr Gewicht reduzieren, denn das erschwert dem Herz die Arbeit. Es muss mehr pumpen. Das Abnehmen sollte allerdings behutsam erfolgen - nicht radikal. Denn eine allzu schnelle Gewichtsabnahme bedeutet Stress für das Herz. Experten empfehlen die sogenannte Mittelmeerkost: viel Gemüse, wenig Fleisch.

Wichtig bei herzschwachen Menschen ist allerdings herauszufinden, woher die Extra-Kilos kommen. Es können auch Wassereinlagerungen durch die nachlassende Pumpkraft sein. Eine schnelle Gewichtszunahme, zum Beispiel zwei Kilogramm über Nacht, sind ein Warnzeichen.

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Die Bewegungs-Docs | 01.03.2021 | 21:00 Uhr

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