Stand: 05.04.2017 10:16 Uhr

Herzschwäche: Immer mehr Frauen betroffen

Bild vergrößern
Ein Warnzeichen für Herzschwäche ist Atemnot, zum Beispiel beim Treppensteigen.

Die Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt, gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Mit rund 400.000 Fällen pro Jahr ist sie der häufigste Grund für eine Aufnahme ins Krankenhaus. Dennoch wird eine Herzschwäche oft lange nicht ernst genommen oder sogar übersehen - vor allem bei Frauen. Sie haben ein deutlich höheres Risiko, an einer Herzschwäche zu sterben, als Männer.

Grafik eines Herzens.

Herzschwäche: Immer mehr Frauen betroffen

Visite -

Herzschwäche gehört zu den häufigsten Todesursachen. Vor allem bei Frauen wird sie häufig übersehen. Wie erkennt und behandelt man die Herzinsuffizienz?

4,14 bei 14 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Symptome einer Herzschwäche

Meist beginnt eine Herzschwäche unauffällig und schleichend, sodass Betroffene die Erkrankung zunächst gar nicht bemerken. Häufig sind sie lediglich schneller erschöpft und führen das auf normale Alterserscheinungen zurück. Warnzeichen sind ungewohnte Leistungsschwäche, zum Beispiel beim Treppensteigen, Atemnot und ein andauerndes Schwächegefühl. Weitere mögliche Symptome:

  • Schwellungen durch Wassereinlagerungen (Ödeme), vor allem dicke Knöchel oder Beine
  • schnelle Gewichtszunahme
  • gesteigerter Durst, ohne dass man häufiger als sonst zur Toilette muss
  • rasender Puls in Ruhe, zum Beispiel nachts

Der Herzmuskel schafft es nicht mehr, genügend Blut in den Körper zu pumpen und erschöpft sich dabei. Es kommt zu Blut- und Sauerstoffmangel in allen Organen.

Ursachen für systolische und diastolische Herzschwäche

Die möglichen Ursachen einer Herzschwäche sind vielfältig:

  • Eine systolische Herzschwäche kann zum Beispiel nach einem Herzinfarkt, einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis), einer koronaren Herzkrankheit oder einer Arterienverkalkung entstehen, wenn Herzmuskelgewebe zerstört und durch eine Narbe ersetzt wird.
  • Eine diastolische Herzschwäche wird oft durch hohen Blutdruck oder Gefäßschäden bei Diabetes ausgelöst: Der Herzmuskel versteift sich und kann nicht mehr richtig entspannen.

Beide Formen der Herzschwäche führen zu den gleichen Beschwerden.

Diagnose mit Ultraschall und Blutwerten

Weitere Informationen

Chat-Protokoll zum Thema Herzschwäche

Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt, gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Prof. Dr. Herbert Nägele hat Fragen zum Thema im Chat beantwortet. mehr

Die entscheidende Untersuchung bei der Diagnostik der Herzschwäche ist das Herzecho (Echokardiografie). Dabei untersucht der Kardiologe das schlagende Herz per Ultraschall, misst die Dicke der Muskulatur, die Funktion der Herzklappen und den Blutfluss im Herzen. Ein eindeutiges Ergebnis liefert auch der Laborwert BNP (B-natriuretisches Peptid). Das Peptidhormon wird bei Herzschwäche gebildet und lässt sich im Blut messen - ähnlich wie das Troponin beim Herzinfarkt. Den Test kann der Hausarzt durchführen.

Frauen sind besonders gefährdet

Frauen sind oft von der schleichenden, diastolischen Form der Herzschwäche betroffen. Sie sterben daran mehr als doppelt so häufig wie Männer. Experten vermuten, dass die Hormone und die feineren Blutgefäße von Frauen dabei eine Rolle spielen. Oft hinterfragen Frauen Symptome wie Luftnot und Leistungsschwäche nicht, sondern machen ihr Alter dafür verantwortlich. Und von Ärzten werden sie zur Abklärung der Symptome häufig zum Gynäkologen geschickt statt zum Kardiologen.

Herzschwäche rechtzeitig behandeln

Wird die Therapie bei Herzschwäche rechtzeitig eingeleitet, steigt die Lebenserwartung der Betroffenen um rund zehn Jahre. In jedem vierten Fall erholt sich das Herz sogar komplett. Oft aber kommen Betroffene in die Notaufnahme, deren Herzschwäche bereits entgleist (dekompensiert) ist. Dann führt eine extreme Überwässerung in der Lunge schon in Ruhe zu Luftnot. Nach einer solchen akuten Verschlechterung erlangt das Herz seine alte Leistungsfähigkeit nicht mehr zurück.

Therapien gegen Herzschwäche

Die Behandlung richtet sich nach den Ursachen der Herzschwäche:

  • Medikamente können den Blutdruck senken und den Körper entwässern.
  • Wenn die Leitungsbahnen gestört sind, können Ärzte das Herz mit einer Elektrotherapie anregen.
  • Durch das Einpflanzen eines Schrittmachers kann das Herz wieder in Takt gebracht werden.
  • Betroffene sollten auf einen normalen Blutdruck und ihren Blutzuckerspiegel achten.
  • Stark übergewichtige Betroffene sollten ihr Gewicht reduzieren.
  • Zu den wichtigsten Säulen der Therapie, vor allem bei diastolischer Herzschwäche, gehört Bewegung.

Bewegung gegen Herzschwäche

Regelmäßige Bewegung kann das Herz stärken. Ein schwaches Herz steigert seine Leistung durch schnelleres Schlagen und braucht Pausen. Das Herz lernt, ökonomisch zu arbeiten und dem Körper nach und nach wieder mehr Blut zur Verfügung zu stellen.

  • Betroffene mit einer Herzschwäche der Stadien I bis III können die Leistungsfähigkeit ihres Herzens je nach Trainingsumfang um 10 bis 25 Prozent steigern, die Sterblichkeit um mehr als 30 Prozent verringern und die Anzahl von Krankenhausaufenthalten um 28 Prozent senken.
  • Betroffene, die bereits in Ruhe unter Atemnot leiden oder Wassereinlagerungen in den Beinen haben (Stadium IV), müssen vor einem Training zunächst mit Medikamenten stabilisiert werden.

Vor allem Ausdauersport ist geeignet

Bei einer Herzschwäche sollten die ersten Trainingseinheiten stationär unter ärztlicher Aufsicht absolviert werden - zum Beispiel in einem Herzzentrum oder einer Rehaklinik, die Sport für Betroffene anbietet. Gut geeignet sind Sportarten wie Wandern, Nordic Walking, Radfahren oder Ski-Langlauf. Ideal ist zum Beispiel Intervalltraining auf einem Fahrrad-Ergometer - in folgendem Rhythmus: eine Minute treten, eine Minute ruhen, eine Minute treten. Auch moderates Krafttraining ist sinnvoll. Hohe muskuläre Belastungen wie zum Beispiel Liegestütze oder Gewichtheben sollten vermieden werden. Bei diesen Belastungen kommt es oft zu einer Pressatmung, die zu einem Druckanstieg im Brustkorb führt und so die Pumpleistung des Herzens verschlechtern kann.

Wichtig: Treten während des Trainings Symptome wie Schwindel, starke Atemnot oder Herzrhythmusstörungen auf, muss das Training abgebrochen und ein Arzt aufgesucht werden.

Vom Herzsport profitieren alle Muskeln

Vom Training profitiert nicht nur der Herzmuskel, sondern auch die Skelettmuskulatur. Denn diese schwindet bei einer Herzschwäche. Die Ursache dafür liegt nicht allein darin, dass sich Betroffene weniger bewegen. Vielmehr gibt es spezifische Vorgänge in den Muskeln: Forscher untersuchten in Gewebeproben von Herzschwäche-Betroffenen und Gesunden die Aktivierung des sogenannten Ubiquitin-Proteasom-Systems (UPS), das für den Abbau von Muskeleiweißen zuständig ist.

Bei den Herzschwächepatienten wiesen sie dabei unabhängig vom Alter eine Aktivierung des UPS im Skelettmuskel nach und fanden im Gewebe zudem erhöhte Werte des Enzyms MuRF-1, das defekte Eiweiße in der Zelle für den Abbau kennzeichnet. Die Studie zeigte weiter, dass ein vierwöchiges Ausdauertraining die Menge des MuRF-1 im Skelettmuskel der Herzschwächepatienten normalisierte. Die Studienteilnehmer ließen sich dafür vor und nach dem vierwöchigen Training kleine Muskelproben aus den Oberschenkeln entnehmen, die dann im Labor analysiert wurden.

Weitere Informationen
03:41

Interview: Herzschwäche richtig behandeln

04.04.2017 20:15 Uhr
Visite

Wie lässt sich eine Herzschwäche feststellen und behandeln? Kann sich ein schwaches Herz wiederholen? Kardiologe Prof. Herbert Nägele informiert. Video (03:41 min)

Herzinfarkt: Ursachen rechtzeitig erkennen

Mit einem Online-Test lässt sich das individuelle Herzinfarktrisiko ermitteln. Welches sind die häufigsten Ursachen? Und wie kann man einem Herzinfarkt vorbeugen? mehr

mit Video

Herz: Untersuchung per Katheter oder CT?

Bei der Diagnose von Herzkrankheiten kann die Computertomografie (CT) in einigen Fällen den Eingriff mit einem Katheter ersetzen. Wann ist eine Kardio-CT sinnvoll? mehr

mit Video

Myokarditis: Wenn Viren das Herz schwächen

Die Herzmuskelentzündung ist eine gefürchtete Komplikation bei Grippe oder schweren grippalen Infekten. Welche Symptome treten auf und wie wird behandelt? mehr

mit Video

Neuer Herzschrittmacher im Mini-Format

Herzschrittmacher sind elektrische Taktgeber und Lebensretter. Die Geräte werden immer kleiner - das neueste ist so groß wie eine Stiftkappe und wird ohne Hautschnitt eingesetzt. mehr

Interviewpartner:

Interviewpartnerin im Studio:
Prof. Dr. Herbert Nägele, Kardiologe, Leitender Arzt
Department für Herzinsuffizienz und Devicetherapie im Albertinen-Krankenhaus
Süntelstraße 11a, 22457 Hamburg
Tel. (040) 55 88-28 47, Fax (040) 55 88-21 10
Internet: www.albertinen-herzzentrum.de

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Britta Goldmann, Chefärztin
Abteilung für Kardiologie
Asklepios Klinikum Harburg
Eißendorfer Pferdeweg 52, 21075 Hamburg
Tel. (040) 18 18-86 22 15, Fax (040) 18 18-86 34 27
Internet: www.asklepios.com

Dr. Manju Guha, Ärztliche Direktorin, Chefärztin der Kardiologie
Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) e.V.
Reha-Klinik am Sendesaal
Bürgermeister-Spitta-Allee 47, 28329 Bremen
Tel. (0421) 336 30-22 40, Fax (0421) 336 30-22 50
Internet: www.dgpr.de

Prof. Thomas Meinertz, Kardiologe und Präsident der Deutschen Herzstiftung
Meinertz + Jäckle kardiologisch-internistische Praxis GmbH
Große-Theater-Straße 1, 20354 Hamburg
Internet: www.kardiologie-meinertz-jaeckle.de

Weitere Informationen:
Deutsche Herzstiftung e. V.
Bockenheimer Landstraße 94-96, 60323 Frankfurt am Main
Tel. (069) 95 51 28-0, Fax (069) 95 51 28-313
Internet: www.herzstiftung.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 04.04.2017 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

05:46

Dackel: Wie tickt der beliebte Hund?

21.11.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
11:18

Sicheres Fahren auf glatten Straßen

21.11.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
07:31

Adventsdeko mit gefüllten Windlichtern

21.11.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag