Stand: 05.02.2019 09:20 Uhr

Herzschwäche erkennen und behandeln

Schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen in Deutschen leiden an Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt. Mit rund 400.000 Fällen pro Jahr ist sie der häufigste Grund für eine Aufnahme ins Krankenhaus, und sie gehört zu den häufigsten Todesursachen. Dennoch wird eine chronische Herzschwäche mitunter lange nicht ernst genommen oder sogar übersehen - vor allem bei Frauen. Allzu oft neigen Betroffene dazu, die typischen Symptome wie Luftnot und Leistungsschwäche als Alterserscheinungen abzutun.

Matthias Riedl schaut sich mit Patienten auf deren Terasse eine Auswahl gesunder Lebensmittel an. © NDR

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Je nachdem, welche der beiden Herzkammern überwiegend betroffen ist, lässt sich in Rechtsherz- und Linksherz-Insuffizienz diffenzieren. Treten beide Formen der Herzschwäche gemeinsam auf, sprechen Mediziner von einer globalen Insuffizienz.

Ursachen sind vielfältig

Herzschwäche bedeutet: Mangels Pumpleistung gelingt es dem Herzen nicht, den Organismus mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Dem liegen die verschiedensten Ursachen zugrunde:

  • Eine systolische Herzschwäche (verminderte Auswurfleistung) kann zum Beispiel nach einem Herzinfarkt oder einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) entstehen, wenn Herzmuskelgewebe zerstört und durch eine Narbe ersetzt wird. Auch Gefäßverengungen, wie etwa bei der koronaren Herzkrankheit (KHK), fördern die systolische Herzschwäche.
  • Eine diastolische Herzschwäche (Störung der Füllungsphase durch verminderte Dehnbarkeit) wird oft durch hohen Blutdruck oder Gefäßschäden bei Diabetes ausgelöst: Der Herzmuskel versteift sich und kann nicht mehr richtig entspannen. In Deutschland leiden nach Angaben der Herzstiftung bis zu fünf Prozent der über 70-Jährigen daran. Besonders Frauen sind oft von dieser Form der Herzschwäche betroffen. Experten vermuten, dass die Hormone und die feineren Blutgefäße dabei eine Rolle spielen.

Was bei einer Herzschwäche passiert

Symptome: schnelle Erschöpfung und Luftnot bei Belastung

Bei Herzschwäche schafft der Herzmuskel es nicht mehr, genügend Blut zu pumpen. Die Folgen sind einerseits Blut- und Sauerstoffmangel in den zu versorgenden Geweben und Organen, andererseits Blut- und Wasser-Stauungen in den Organen und Geweben vor den Herzkammern. So können sich etwa bei Linksherz-Insuffizienz Wasseransammlungen in der Lunge (Lungenödem) oder neben der Lunge (Pleuraerguss) bilden, die das Atmen schwer machen. Um besser Luft zu bekommen, schlafen Herzinsuffiziente oft lieber mit leicht erhöhtem Oberkörper, später schlimmstensfalls sogar im Sitzen.

Meist beginnen die Beschwerden schleichend, sodass Betroffene die Erkrankung zunächst gar nicht bemerken. Häufig sind sie lediglich schneller erschöpft und führen das beispielsweise auf schlechteren Schlaf zurück. Warnzeichen sind:

  • ungewohnte Leistungsschwäche, zum Beispiel beim Treppensteigen
  • Atemnot - anfangs bei Anstrengung, im späteren Stadium auch schon in Ruhe
  • ein andauerndes Schwächegefühl
  • nächtliches Wasserlassen.
Weitere mögliche Symptome bei Linksherz-Insuffizienz:
  • Husten ("Herzhusten")
  • rasselnde oder brodelnde Atemgeräusche.
Weitere mögliche Symptome bei Rechtsherz-Insuffizienz:
  • Schwellungen durch Wassereinlagerungen (Ödeme), vor allem dicke Knöchel oder Beine, geschwollener Bauch
  • Gewichtszunahme binnen weniger Tage (durch die Ödeme)
  • Völlegefühl, Appetitlosigkeit.

NYHA-Stadien

Für die Schwere einer Herzschwäche gilt auch in Deutschland die Einteilung der Herzvereinigung New York (New York Heart Association - NYHA) als Gradmesser.

  • Stadium I: Alltägliche körperliche Belastungen verursachen keine unangemessene Erschöpfung, Atemnot oder Rhythmusstörungen.
  • Stadium II: Alltägliche körperliche Belastungen wie etwa Treppensteigen führen zu merklicher Erschöpfung, Atemnot oder zu Herzrhythmusstörungen.
  • Stadium III: Schon geringe körperliche Belastungen verursachen Erschöpfung, Rhythmusstörungen oder Atemnot. Keine Beschwerden in Ruhe.
  • Stadium IV: Bei allen körperlichen Aktivitäten und auch in Ruhe treten Beschwerden auf.

Sichere Diagnosestellung per Ultraschall

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Ein Warnzeichen für Herzschwäche ist Atemnot, zum Beispiel beim Treppensteigen.

Nach dem Aufnehmen der Krankengeschichte und dem Abhören von Herz und Lunge wird der Arzt ein Ruhe-EKG schreiben. Es erlaubt Rückschlüsse darauf, ob etwa Herzrhythmusstörungen, ein früherer Herzinfarkt oder die koronare Herzkrankheit vorliegen.

Die entscheidende Untersuchung bei der Diagnostik der Herzschwäche ist das Herzecho (Echokardiografie). Dabei untersucht der Kardiologe das schlagende Herz per Ultraschall, misst die Dicke der Muskulatur, die Funktion der Herzklappen und den Blutfluss im Herzen.

Einen Hinweis auf eine Herzerkrankung liefert auch der Laborwert BNP (B-natriuretisches Peptid). Das Peptidhormon wird bei Herzschwäche gebildet und lässt sich im Blut messen - ähnlich wie das Troponin beim Herzinfarkt. Als normal gelten maximal 100 ng/l Serum. Den Test kann der Hausarzt durchführen.

Therapie: frühzeitig einschreiten!

Beginnt die Behandlung rechtzeitig, dann steigt die Lebenserwartung von Herzschwäche-Patienten Studien zufolge im Schnitt um rund zehn Jahre. In jedem vierten Fall erholt sich das Herz sogar komplett. Oft aber kommen Betroffene in die Notaufnahme, deren Herzschwäche bereits entgleist (dekompensiert) ist. Dann führt eine extreme Überwässerung in der Lunge schon in Ruhe zu Luftnot. Nach einer solchen akuten Verschlechterung erlangt das Herz seine alte Leistungsfähigkeit kaum mehr zurück.

Bewegung und gesunde Ernährung können viel bewirken

Die Behandlung richtet sich danach, was das Herz geschwächt hat, denn die Herzschwäche ist eine Systemerkrankung. Zu den wichtigsten Säulen der Therapie, vor allem bei Linksherzschwäche, gehört regelmäßige Bewegung: Sie kann das Herz stärken und wirkt zugleich positiv auf den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel. Stark übergewichtige Betroffene sollten unbedingt ihr Gewicht reduzieren.

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Kleine Impulsgeber

Wenn die Leitungsbahnen gestört sind, können Ärzte das Herz mit einer Elektrotherapie anregen. Durch das Einpflanzen eines Schrittmachers kann das Herz wieder in Takt gebracht werden - spezielle 3-Kammer-Herzschrittmacher sind unter bestimmten Voraussetzungen bei schwerer Herzinsuffizienz (Pumpleistung unter 35 Prozent) eine therapeutische Option. Bei Patienten, die besonders gefährdet sind, lebensbedrohliche Rhythmusstörungen zu entwickeln, wird manchmal ein Kardioverter-Defibrillator (ICD) implantiert.

Ausdauertraining laut einer Studie sehr effektiv

Von geeignetem Ausdauertraining - zum Beispiel in einer Herzsportgruppe - profitiert nicht nur der Herzmuskel, sondern auch die Skelettmuskulatur. Forscher untersuchten in Gewebeproben von Herzschwäche-Betroffenen und Gesunden die Aktivierung des sogenannten Ubiquitin-Proteasom-Systems (UPS), das für den Abbau von Muskeleiweißen zuständig ist. Bei den Herzschwächepatienten wiesen sie dabei unabhängig vom Alter eine Aktivierung des UPS im Skelettmuskel nach und fanden im Gewebe zudem erhöhte Werte des Enzyms MuRF-1, das defekte Eiweiße in der Zelle für den Abbau kennzeichnet. Die Studie zeigte weiter, dass ein vierwöchiges Ausdauertraining die Menge des MuRF-1 im Skelettmuskel der Herzschwächepatienten normalisierte. Die Studienteilnehmer ließen sich dafür vor und nach dem vierwöchigen Training kleine Muskelproben aus den Oberschenkeln entnehmen, die dann im Labor analysiert wurden.

Medikamentöse Therapie richtet sich nach Vor- und Begleiterkrankungen

Üblich ist eine Kombinationstherapie verschiedener Medikamente, darunter zur Verbesserung der Prognose

  • ACE-Hemmer
  • Sartane
  • Beta-Blocker
  • Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten
  • Ivabradin
  • Sacubitril kombiniert mit Valsartan
sowie gegen die Wasseransammlungen Diuretika (Entwässerungsmittel). Vereinzelt kommt Digitalis (Herzglykosid) infrage. Je nach Vor- und Begleiterkrankungen kann nicht jeder Wirkstoff bei jedem Betroffenen eingesetzt werden.

Dass Extrakte aus Weißdornblättern oder Fischöl-Kapseln bei Herzschwäche helfen, ließ sich in Studien nicht nachweisen.

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 11.02.2019 | 21:00 Uhr

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