Stand: 19.01.2015 22:33 Uhr

Chat zu Bluthochdruck, MS und Fettleber

Die Ernährungs-Docs: Jörn Klasen © NDR
Jörn Klasen leitet das Zentrum für Individuelle Ganzheitsmedizin am Asklepios Westklinikum Hamburg.

Wie packe ich eine Ernährungsumstellung nun für mich selbst an? Und was muss ich insbesondere bei Bluthochdruck, Multipler Sklerose oder der Fettleber-Krankheit beachten? Im Anschluss an die zweite Folge von Die Ernährungs-Docs war Dr. Jörn Klasen im Studio. Der erfahrene Ernährungsmediziner hat Ihre Fragen beantwortet:

Streit, M.: Ich habe eine Fettleber. Was meinen Sie mit dem Leber-Shake, und welche kann man empfehlen?

Dr. Jörn Klasen: Leber-Shake bedeutet eine sogenannte Formula-Diät. Damit nimmt man nur ganz wenig Kohlenhydrate zu sich und im Verhältnis mehr Eiweiß und Fett - damit wird die Kalorienzahl insgesamt auf ca. 1.000 reduziert.

Wolf501: Wie lässt sich der Fettleberindex bestimmen, und was bedeutet der Wert auf der Skala? 

Dr. Jörn Klasen: Der Fettleberindex wird aus mehreren Parametern berechnet. Parameter sind z. B. die Triglyceride, der Bauchumfang und auch der Body Mass Index. Daraus errechnet man eine Gesamtsumme. Wenn diese über 60 liegt, ist eine Fettleber sehr wahrscheinlich. Bei der Patientin im Film lag der Wert bei 97 und ist innerhalb von sieben bis acht Wochen auf 80 gefallen. Das Ziel muss sein, auf unter 60 zu kommen.

Eva: Kann eine Diät wie von Ihnen vorgeschlagen bei einer Fettleber sich auch positiv auf einen zu hohen Blutdruck auswirken? 

Dr. Jörn Klasen: Ja. Menschen, die eine Fettleber haben, haben häufig parallel auch Bluthochdruck. Insgesamt kann man sagen, dass sowohl für Bluthochdruck und Fettleber eine Diät mit Reduktion der Kohlenhydrate und Kalorien günstig ist.

asjoker67: Kann jeder MS-Patient diese Diät machen?

Dr. Jörn Klasen: Jeder MS-Patient wird davon profitieren, eine solche ketonhaltige Diät zu machen. Man sollte aber vorher mit dem Arzt sprechen. Im Falle von anderen Erkrankungen muss hier genau geprüft werden, ob sie passend ist.

Ulrike: Guten Abend, die erwähnte Fett-Diät für MS-Patienten - kann die auch bei dem progredient-chronischen Verlauf der MS hilfreich sein? Falls ja, sollte die Begleitung der Diät durch den Hausarzt oder den Neurologen erfolgen? 

Dr. Jörn Klasen: Die chronisch-progrediente Form der MS ist immer schwerer zu behandeln als die schubförmige. Dennoch wird auch bei der chronisch verlaufenden MS die Diät hilfreich sein. Deshalb sollte man auch in diesem Fall diese Diät versuchen, denn es gibt kaum medikamentöse Möglichkeiten.

silvy: Ich habe MS. Welche Getränke sind erlaubt? Ich trinke viel Kaffee - schadet das? Sollte ich zus. Vitamin B1, B6 und B12 dazunehmen, da ich sehr wenig Fleisch esse?

Dr. Jörn Klasen: Bei einer MS darf man sehr gern Kaffee trinken (bis zu 3 Tassen/Tag gelten heutzutage als gesundheitsfördernd). Vorsichtig sollte man sein mit Alkohol. Eigentlich ist alles erlaubt. Wichtig ist, dass man genügend trinkt. Vitamine sollte man im Blut testen, gerade die B-Vitamine sind wichtig, B1- und B12-Mangelerscheinungen z. B. müssten behandelt werden.

lilo: Hallo. Ich habe seit fünf Jahren MS und hatte bis dato acht Schübe. Kann man die ketogene Ernährung auch phasenweise - sprich mal einen Monat - durchführen? Oder muss man nach der Umstellung für immer dabei bleiben? 

Dr. Jörn Klasen: Die ketogene Ernährung muss nicht für immer bleiben, und man kann sie auch anpassen, z. B. abmildern oder phasenweise pausieren. Meine Empfehlung ist aber klar: nur abschwächen, nicht pausieren. Durch die ketogene Ernährung wird man generell profitieren.

Matro: Guten Abend, Herr Dr. Klasen, ich habe seit 15 Jahren MS! Meine Frage: Wo bekomme ich Rezepte zur Fetternährung - wie in der Sendung beschrieben? Ich esse zurzeit ein Müsli mit Leinöl und Obst und möchte auch Gewicht verlieren. 

Dr. Jörn Klasen: Die Website des Bundes der Ernährungsmediziner lautet www.bdem.de - dort finden Sie viele Informationen. Rezepte und Infos finden Sie auch hier auf ndr.de/e-docs

Jannes: Ich habe MS und häufiger mit Müdigkeit und Antriebslosigkeit zu kämpfen. Seit einer glutenreduzierten Ernährung habe ich das Gefühl, dass ich deutlich fitter bin. Kann dies tatsächlich an glutenarmer Ernährung liegen? Oder spielt hier eher die Reduktion von Kohlenhydraten eine Rolle?

Dr. Jörn Klasen: Wenn man eine MS hat, wird wahrscheinlich eher die Reduktion der Kohlenhydrate die Rolle spielen. Durch eine glutenarme oder -freie Ernährung beeinflusst man ja die Unverträglichkeit mit Getreideprodukten. Das kann in Kombination mit einer MS schon mal vorkommen, heißt dann Sprue oder Zöliakie.

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 15.12.2019 | 14:15 Uhr

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