Ernährung bei Divertikulose

Stand: 19.10.2021 15:15 Uhr

Bei der Darmkrankheit Divettikulose bilden sich Ausstülpungen in der Darmwand. Eine vorwiegend vegetarische und ballaststoffreiche Ernährung hilft zu vermeiden, dass sich diese Divertikel entzünden.

Die Ausstülpungen in der Darmwand, auch Divertikel genannt, müssen in der Regel nicht behandelt werden. Sie machen an sich keine Schmerzen. Doch in einigen Fällen kommt es zu Darmentzündungen, die in Schüben immer wieder auftreten. Sie gehen einher mit heftigen Unterbauchschmerzen und Stuhlunregelmäßigkeiten (Durchfall oder Verstopfung).

Was im Einzelfall zur Entzündung führt, ist nicht endgültig geklärt. Dass sich Kerne, Nüsse oder Körner in Divertikeln verfangen und dann eine Divertikulitis auslösen könnten, ist mittlerweile in großen Studien widerlegt. Sicher ist dagegen, dass ballaststoffarme Ernährung eine wichtige Rolle spielen. Denn ohne Ballaststoffe hat der Stuhl wenig Volumen, wird oft hart und verbleibt länger im Darm. Durch ballaststoffreiche, fleischarme Ernährung wird das Risiko für eine Divertikulitis dagegen fast halbiert: Vegetarier und Veganer haben wesentlich seltener entzündete Divertikel.

Ernährung langsam auf Ballaststoffe umstellen

Die Umstellung der Ernährung auf mehr Gemüse und Vollkorn sollte nicht abrupt erfolgen, denn das könnte zu Blähungen führen. Der Darm benötigt einige Wochen, um sich an die unverdaulichen Stoffe zu gewöhnen. Wichtig ist außerdem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Insbesondere, wenn Leinsamen oder Flohsamenschalen eingenommen werden, um die Verdauung zu verbessern, muss auf die Trinkmenge geachtet werden. Sonst kann es zu schwerwiegenden Verstopfungen bis hin zum Darmverschluss kommen.

Grundlegende Ernährungstipps bei Divertikulose

  • Oberste Regel: Achtsam essen, Zeit nehmen und gut kauen! Trainieren Sie Ihre Kaumuskeln. Ballaststoffreiche Lebensmittel enthalten häufig grobe Fasern, die am besten bereits zerlegt werden, ehe sie den Verdauungstrakt passieren - also im Mund.
  • Wer Probleme mit dem Kauen hat, sollte Backwaren aus feinvermahlenem Vollkornmehl wählen - etwa Grahambrot oder Vollkorntoast.
  • Weizenmehl ist für einige Menschen schlechter verträglich - bevorzugen Sie zum Beispiel Dinkel- oder Roggenvollkornmehl.
  • Brote auf Sauerteigbasis sowie Brote, die mindestens einen Tag alt sind, sind ebenfalls besser verträglich.
  • Nüsse und Samen sind sehr gesund - aber bitte gründlich kauen oder bei Bedarf mahlen.
  • Gemüse und Vollkornprodukte wie Vollkornbrot, Vollkornflocken, Naturreis usw. helfen Ihnen, den Ballaststoffbedarf zu decken. (Aber nicht zu viel davon in der Aufbauphase nach einem Entzündungsschub!)
  • Setzen Sie auf entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren: etwa schonend gepresstes Leinöl und zweimal wöchentlich fetten Seefisch wie Hering, Lachs oder Makrele.
  • Mindestens 1,5 bis 2 Liter täglich trinken! Vor allem Tee (grün oder Kräuter) und stilles Wasser (Magnesiumgehalt > 100 mg/l). Denn Ballaststoffe binden reichlich Wasser und quellen im Darm – es drohen Verstopfungen.
  • Probiotika wie Lactobacillus casei zur Unterstützung der Darmflora scheinen sich günstig auszuwirken.
  • Milchsauer vergorene Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Buttermilch, Sauermilch und Sauerkraut haben ebenfalls einen positiven Einfluss auf die Darmflora.
  • Bewegung ist wichtig für einen gesunden Darm, darum täglich 30 Minuten spazieren gehen.

Was essen bei Divertikulose: Lebensmittel und Rezepte

Eine gesunde Ernährung verlängert die beschwerdefreie Zeit und reduziert das Risiko, dass sich die Divertikel entzünden. Hier finden Sie geeignete Rezepte und eine Lebensmittel-Liste (auch zum Download).

Weitere Informationen
Eine Schale mit Kichererbsenbrotaufstrich steht auf einem Holztisch, daneben liegt ein Löffel mit einem Minzzweig. © NDR Foto: Claudia Timmann

Rezepte bei Divertikulose

Ballaststoffreich sind unsere empohlenen Rezepte bei Darmdivertikeln. Nicht vergessen - gründlich kauen! mehr

Brot, Getreide und Beilagen wie Nudeln, Kartoffeln, Reis

  • Empfehlenswert: feines Vollkornbrot ohne Weizen, Sauerteigbrot; Müslis und Getreideprodukte aus Hafer, Buchweizen, Hirse, Quinoa; Kartoffeln, Polenta, Reis, Reisnudeln, Dinkelnudeln, Buchweizennudeln (Soba)
  • Weniger empfehlenswert: Hefebrot, ganz frisches Brot, Backwaren und Getreideprodukte mit Weizen; Müsli auf Weizenbasis; Hartweizennudeln, Couscous, Bulgur; Frittiertes wie Pommes, Kroketten

 

Weitere Informationen
Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornbrot, Vollkornreis, Vollkornnudeln, Kartoffeln und Nüsse. © NDR

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 18.10.2021 | 21:00 Uhr

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