Stand: 14.11.2017 08:47 Uhr  | Archiv

Diabetes: Blutzucker automatisch einstellen

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Bei Diabetes Typ 1 arbeitet die Bauchspeicheldrüse nicht mehr richtig.

Viele Erkrankte mit der Autoimmunkrankheit Diabetes mellitus Typ 1 träumen von einer künstlichen Bauchspeicheldrüse: Eine Insulinpumpe, die selbsttätig die Insulinzufuhr überwacht und rund um die Uhr regelt, würde ihnen ein nahezu normales Leben ermöglichen. Doch die Industrie tut sich schwer damit, ein solches Gerät auf den Markt zu bringen.

Dabei tragen viele Typ-1-Diabetiker heute schon Sensoren, die dauerhaft den Zuckerspiegel im Gewebe beobachten und per Funk an ein Smartphone oder ein Lese- und Aufzeichnungsgerät senden. Andere Betroffene nutzen bereits eine Insulinpumpe, die automatisch vor Unterzuckerung warnt. Die große Herausforderung ist, anhand der gemessenen Zuckerwerte zuverlässig die ideale Insulindosis zu berechnen, um Zuckerschwankungen zu vermeiden. Kommt es dabei zu einem Rechenfehler, kann das zu einer lebensgefährlichen Unterzuckerung führen - dieses Risiko meiden die großen Hersteller.

Insulinpumpe mit Sensor

Doch immer mehr Betroffene wollen nicht länger warten. Sie tauschen sich in speziellen Foren im Internet aus und entwickeln eigene Lösungen. Auf der US-Internetplattform "Nightscout" haben sich an Diabetes erkrankte Softwareentwickler zusammengetan und selbst ein Programm zur Steuerung von Insulinpumpen entwickelt.

Die dafür nötigen Sensoren für die kontinuierliche Zuckermessung (CGM) werden auf den Bauch oder auf den Oberarm geklebt. Sie ermitteln den Zuckergehalt nicht im Blut, sondern in der Zellflüssigkeit unter der Haut. Dafür wird mit einer Hohlnadel ein Messfühler eingeführt, der über einen Sender die Daten entweder an einen externen Empfänger oder direkt an die Insulinpumpe überträgt, die daraufhin die erforderliche Insulinmenge in den Körper abgibt.

Smartphone steuert Insulingabe

Bisher ist eine solche Insulinpumpe nur in den USA zugelassen, nicht aber in Deutschland. Doch auch hier gibt es Diabetiker, die nicht länger warten wollen und die verfügbaren Sensoren und Pumpen mit selbst gebautem Zubehör kombinieren - auf eigene Gefahr. Über Foren im Internet tauschen sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus, helfen sich gegenseitig und lernen voneinander. Mittlerweile nutzen einzelne Anwender auch Pumpensysteme, die über Internet-Software gesteuert werden und den Blutzuckerspiegel über Nacht im sicheren Bereich halten.

Die dafür benötigten Daten liefert eine Computer-Uhr (Smart Watch), die Erkrankte auf den Sensor am Oberarm schnallen. Die Smart Watch überträgt die Zuckerwerte an ein Smartphone, das wiederum über eine spezielle App die Insulinpumpe steuert. Immer wieder berichten die Nutzer der selbst gebauten Bauchspeicheldrüsen von beeindruckenden Erfolgen und drastisch verbesserten Langzeitzuckerwerten.

Warnung vor nächtlicher Unterzuckerung

Grundlage der künstlichen Bauchspeicheldrüse ist die kontinuierliche Zuckermessung (CGM). Diese Geräte sind gut erprobt und offiziell zugelassen. Sie können bereits vor einer besonderen Gefah warnen - der nächtlichen Unterzuckerung. Sackt der Blutzuckerspiegel in der Nacht ab, drohen Ohnmacht, Verwirrung und Krampfanfälle. Insulinpflichtige Diabetiker, die ihre Behandlungsziele mithilfe der herkömmlichen Blutzuckerkontrolle nicht erreichen, können die Kosten für eine CGM von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet bekommen. Denn für die Behandlung des Diabetes hat die kontinuierliche Messung des Gewebezuckers große Vorteile.

Weitere Informationen

Diabetes Typ 1 erkennen und behandeln

Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunkrankheit. Betroffene müssen Insulin spritzen und den Energiegehalt ihrer Nahrung richtig einschätzen, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 14.11.2017 | 20:15 Uhr

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