Autoimmunkrankheit Lupus erythematodes greift Haut und Organe an

Stand: 15.08.2022 12:37 Uhr

Lupus erythematodes gehört zu den Autoimmunkrankheiten. Er greift unter anderem die Haut an und führt zu vernarbenden Hautentzündungen auch im Gesicht - das Schmetterlingserythem.

Unser Immunsystem verteidigt uns permanent gegen Viren, Bakterien und andere Gefahren. Doch mitunter macht es auch Fehler und greift unseren eigenen Körper an. Bei Autoimmunerkrankungen attackieren Immunzellen irrtümlich auch gesundes, körpereigenes Gewebe. Es gibt Hunderte von Autoimmunerkrankungen, die sich ganz unterschiedlich präsentieren. Je nach Erkrankung können alle Gewebe und Organe des Körpers betroffen sein, deshalb können viele unterschiedliche Symptome auftreten. Bekannte Beispiele für Autoimmunkrankheiten sind Gelenkrheuma, Multiple Sklerose oder Diabetes Typ 1. Da man eine Autoimmunkrankheit nicht ursächlich behandeln kann, begleitet sie die Betroffenen ein Leben lang.

Schmetterlingserythem: Vernarbungen im Gesicht

Auch der Lupus erythematodes gehört zu den Autoimmunkrankheiten. Er greift unter anderem die Haut an und führt zu vernarbenden Hautentzündungen auch im Gesicht. Dieses sogenannte Schmetterlingserythem erinnerte die Menschen früher an Wolfsbisse und gab der Krankheit deshalb den Namen Lupus (lat. Wolf). Grundsätzlich kann ein Lupus erythematodes in zwei Formen auftreten: Beschränkt er sich auf die Haut, spricht man von einem kutanen Lupus erythematodes (Hautlupus). Sind verschiedene Organe betroffen, liegt ein sogenannter systemischer Lupus erythematodes (SLE) vor.

 

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Bei Autoimmunerkrankungen attackieren Immunzellen irrtümlich auch gesundes, körpereigenes Gewebe. 5 Min

Symptome des Lupus erythematodes

Neben den Hautentzündungen sind fast alle Betroffenen häufig müde und weniger leistungsfähig, fühlen sich lustlos. Weitere Symptome sind oft leicht erhöhte Temperaturen, ein unerklärlicher Gewichtsverlust, Haarausfall und geschwollene Lymphknoten. Einige Betroffene reagieren empfindlich auf Sonnenlicht und Kälte, viele neigen zu Allergien. Diese allgemeinen Symptome können in unterschiedlicher Intensität und kombiniert auftreten. Darüber hinaus greift das Immunsystem bei einem systemischen Lupus erythematodes oft den Bewegungsapparat sowie Organe wie das Nervensystem und die Nieren an, etwas seltener das Herz, mitunter die Augen, die Lunge, den Verdauungstrakt.

Bei einem SLE sind mehrere Abläufe des Immunsystems gestört, die dazu führen, dass Antikörper gegen körpereigene Zellbestandteile, vor allem Zellkerne, gebildet werden. Sie verursachen Entzündungen, die in den betroffenen Organen zu Funktionseinbußen und Gewebeschäden führen. Trotz der unterschiedlichen Erscheinungsformen der Erkrankung lassen sich im Blut fast aller Betroffenen sogenannte antinukleäre Antikörper finden. Als auslösende Faktoren für Krankheitsschübe gelten hormonell aktive Phasen wie Pubertät, Schwangerschaft und Wechseljahre, UV-Licht, Virusinfekte, Medikamente und Stress. Die Therapie bei Autoimmunerkrankungen ist ein ständiger Kampf, um das außer Kontrolle geratene Immunsystem zu drosseln. Auch ein SLE wird vor allem mit immunsuppressiven Medikamenten wie Kortison, Hydroxychloroquin, Azathioprin, Mycenphenolat, Methotrexat oder Belimumab behandelt.

Wie entstehen Autoimmunerkrankungen?

Warum der Körper bei manchen Menschen die Fähigkeit verliert, zwischen "fremd" und "eigen" zu unterscheiden, ist noch immer unklar. Eine gewisse Rolle scheinen die Bakterien im Darm zu spielen. Forscherinnen und Forscher der Universität Münster haben in Stuhlproben von Lupus-Betroffenen festgestellt, dass in ihrem Darm gehäuft bestimmte schädliche Bakterienarten zu finden sind. In Studien haben sie diese Bakterien dem Darm keimfreier Labormäusen hinzugefügt, die daraufhin deutliche Immunreaktionen zeigten.

Die Hypothese der Forscher ist, dass die schädlichen Darmbakterien aufgrund einer Barrierestörung (Leaky Gut) die Darmschleimhaut überwinden und so Kontakt mit dem Immunsystem bekommen. Daraufhin bildet das Immunsystem Antikörper, die auch körpereigenes Gewebe angreifen, so die Vermutung. Doch für sich allein sind die Darmbakterien noch kein hinreichender Grund für den Ausbruch einer Krankheit wie Lupus, denn normalerweise hat unser Körper exzellente Schutzmechanismen, um Autoimmunprozesse frühzeitig zu stoppen. Damit es wirklich zu einem Ausbruch einer Autoimmunerkrankung kommt, die dann auch chronisch wird, sind weitere Faktoren nötig: z.B. eine familiäre Veranlagung, ungünstige Umwelteinflüsse und eine möglicherweise ernährungsbedingte Vermehrung der falschen Darmbakterien.

Autoimmunerkrankungen nehmen zu

Diagnostizierte Autoimmunerkrankungen nehmen seit Jahren zu, so vor allem auch die Rheumatoide Arthritis. Die Gründe dafür sind noch nicht ganz klar.  Einfluss hat dabei sicher, dass der medizinische Fortschritt neue diagnostischen Möglichkeiten bietet, auch leichtere Verlaufsformen als Autoimmunerkrankung zu erkennen und dass Autoimmunerkrankungen in der Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte heute eine größere Rolle spielt. Alleine dadurch lässt sich die Zunahme der diagnostizierten Autoimmunerkrankungen jedoch nicht erklären.

Immer noch dauert es oft sehr lange und erfordert viele Arztbesuche, bis eine Autoimmunerkrankung wie SLE endlich diagnostiziert wird. Grundsätzlich gilt, dass Betroffene immer zunächst den Arzt aufsuchen sollten, der für das betroffne Organ spezialisiert ist. Bei mehreren betroffenen Organen ist eine Rheumatologin oder ein Rheumatologe die passende Anlaufstelle, um die erforderlichen Bluttests durchzuführen und das Mosaik der Beschwerden richtig zu deuten.   

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