Stand: 24.01.2017 08:46 Uhr

Arthrose in Fingern und Handgelenk: Was hilft?

In Deutschland leiden etwa fünf Millionen Menschen an einer Arthrose. Etwa zwei Drittel der über 65-Jährigen sind betroffen. Durch eine voranschreitende Zerstörung des Knorpelgewebes kommt es zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen und Verformungen der Gelenke. Typische Symptome sind belastungsabhängige Schmerzen, steife, "knirschende" und verformte Gelenke.

So entsteht Arthrose im Fingergelenk

Knorpel nutzt sich ab

Bei einer Arthrose nutzt sich der Gelenkknorpel mit der Zeit ab. Die Zellen sterben ab, sodass die Knorpelschicht mit der Zeit immer dünner wird. Schließlich beeinträchtigt die beschädigte Knorpeloberfläche die Gleitfunktion des Gelenkes. Risse in der Knorpeloberfläche und abgeriebene Knorpelteilchen reizen die Gelenkinnenhaut und führen so zu schmerzhaften Entzündungsreaktionen.

So funktioniert der Gelenkknorpel

Normalerweise überzieht elastischer Knorpel die Gelenkflächen. Er dient als Polster und "Stoßdämpfer" und schützt die schmerzempfindliche Knochenhaut. Der Gelenkknorpel besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Er hat keine Blutgefäße. Die Versorgung mit Nährstoffen findet ausschließlich über die Gelenkflüssigkeit statt. Der regelmäßige Wechsel von Be- und Entlastung sorgt dafür, dass die Nährstoffe im Gelenk verteilt werden und gut in den Knorpel eindringen können. Daher ist regelmäßige Bewegung Voraussetzung für einen gesunden Knorpel.

Primäre und sekundäre Arthrose

Obwohl zunehmendes Alter als Risikofaktor für die Arthrose gilt, sind nicht nur alte Menschen von dem schmerzhaften Gelenkverschleiß betroffen. Bei der Entstehung spielen zahlreiche andere Faktoren eine Rolle. Grundsätzlich werden zwei verschiedene Formen der Arthrose unterschieden:

  • Die primäre Arthrose wird auf ein minderwertiges Knorpelgewebe zurückgeführt. Die Ursachen dafür sind eine erbliche Veranlagung oder Durchblutungsstörungen bei hormonellen Fehlfunktionen.
  • Die sekundäre Arthrose entsteht durch mechanische Überbelastung beispielsweise bei angeborenen Fehlstellungen oder als Komplikation nach Knochenbrüchen mit Gelenkbeteiligung und entzündlichen Veränderungen. Sie kann aber auch die Folge von Stoffwechselerkrankungen wie Gicht und Diabetes sein.

Arthrose an Knie, Hüfte, Fingern und Handgelenk

Prinzipiell kann sich Arthrose an jedem Gelenk entwickeln.

  • Am häufigsten sind die Knie- und Hüftgelenke betroffen.
  • An einer Arthrose der Hand- und Fingergelenke leiden etwa zwanzig bis 30 Prozent aller Frauen und drei bis vier Prozent aller Männer.
  • Die Arthrose des Handgelenks ist im Vergleich zu anderen Gelenkveränderungen sehr selten. Bei massiver Ausprägung führt sie jedoch zu einer sehr starken Funktionseinschränkung der Hand bis zum völligen Funktionsverlust.

So verläuft Arthrose an Fingern und Handgelenken

Die Verschleißerscheinungen beginnen in der Regel an Zeige- und Mittelfinger. Typischerweise bilden sich dort kleine Knötchen und Gelenkverformungen. Dabei sind insbesondere die kleinen Endgelenke der Finger betroffen. Sie unterliegen einer viel größeren Belastung als oft angenommen. Die Druckbelastung, die pro Quadratmillimeter auf den Gelenkknorpel einwirkt, ist etwa genauso hoch wie im Hüft- oder Kniegelenk. Dabei ist die Knorpelschicht in den Fingergelenken dünner.

Alltägliche Bewegungen und Tätigkeiten, wie Schreiben, das Zuknöpfen von Blusen und Jacken, das Drehen des Türschlüssels oder das Aufheben von Geldmünzen sind dann mit plötzlichen, stechenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verbunden. Die Verschleißerscheinungen können auch im Daumengrundgelenk oder im Bereich der Handwurzelgelenke auftreten.

Arthrose behandeln

Eine Heilung der Arthrose ist nicht möglich. Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente können die Erkrankung nicht aufhalten, aber die Beschwerden lindern. Wegen ihrer Nebenwirkungen sollten sie nur kurzfristig eingesetzt werden. Eine physikalische Therapie kann die Beweglichkeit der Gelenke erhalten. Oft können Naturheilmittel die Beschwerden lindern. Wärmeanwendungen wie Moor- und Paraffinbäder fördern den Stoffwechsel, lösen verkrampfte Muskulatur und lindern Schmerzen. Bei akuter Entzündung helfen oft Eispackungen.

Muskeldehnungen und Fingerübungen erhöhen die Beweglichkeit der Finger und sorgen für einen Austausch der Gelenkflüssigkeit, sodass Entzündungsstoffe abtransportiert werden. Linderung bringen auch sogenannte Traktions- und Kompressions-Behandlungen, bei denen die Gelenke durch Zug entlastet werden.

Arthrose im Handgelenk operieren

Bringt die konservative Therapie keine Linderung, kann die Arthrose im Handgelenk mit einer Operation behandelt werden. Dabei kann das Handgelenk durch ein künstliches Gelenk ersetzt oder aber versteift werden. Bei der Versteifung (Arthrodese) werden die Knochen des Handgelenks vollständig oder teilweise fest miteinander verschraubt. Dadurch verliert das Handgelenk einen Teil seiner Beweglichkeit, doch die Hand ist in der Regel wieder schmerzfrei und kann deutlich besser und kraftvoller genutzt werden.

Ernährung: Vitamine, Ballaststoffe, Öle - und wenig Fleisch

Eine fleischarme Mischkost mit viel Obst, Gemüse und pflanzlichen Ölen versorgt den Knorpel mit allen notwendigen Nährstoffen und führt auch zu einer Normalisierung des Körpergewichts, sodass die Gelenke weniger belastet werden. Empfohlen wird eine ausgewogene, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung: Omega-3-Fettsäuren in Fisch und pflanzlichen Ölen haben eine entzündungshemmende Wirkung und eignen sich daher gut für den Ernährungsplan bei Arthrose. Ungünstig sind Fleisch und Wurstwaren sowie tierische Fette. Sie führen dazu, dass sich im Körper die entzündungsfördernde Arachnidonsäure bildet.

Eine Frau hält beide ihre Hände hoch.

Arthrose in Fingern und Handgelenk: Was hilft?

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Arthrose in den Fingern und Handgelenken ist äußerst schmerzhaft. Nicht nur ältere Menschen sind betroffen. Welche Therapien helfen? Und welche Ernährung ist ratsam?

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Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Ingo Arnold
Chefarzt der Klinik für Orthopädie und operative Rheumatologie
Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen
St.-Pauli-Deich 24, 28199 Bremen
Internet: www.roteskreuzkrankenhaus.de/kliniken/ortho/

Im Beitrag:
Dr. Karsten Becker, Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie, Handchirurgie
Handchirurgie Peiner Straße
Peiner Str. 2, 30519 Hannover
Tel. (0511) 98 59 98 10, Fax. (0511) 98 59 98 19
Internet: www.handchirurgie-peinerstr.de
E-Mail: info@handchirurgie-peinerstr.de

Ilona Carstens, Physiotherapeutin
Therapiezentrum für Physikalische Medizin
Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen
Sankt-Pauli-Deich 24, 28199 Bremen
Internet: www.roteskreuzkrankenhaus.de

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