Verschiedene Pflanzenjauchen, darunter eine Brennnesseljauche, stehen in großen Wannen neben einem Gemüsebeet. © imago images / imageBROKER Foto: O. Diez

Organische Dünger im Garten verwenden: Welche Sorten gibt es?

Stand: 21.07.2023 12:43 Uhr

Mineralische Dünger lassen sich sehr gut durch organische wie etwa Hornspäne und Pflanzenjauchen ersetzen. Welcher Dünger ist für welche Pflanzen geeignet und wie kann man ihn selbst herstellen?

Ein guter, fruchtbarer Gartenboden ist die beste Voraussetzung für üppig blühende Blumen und eine reiche Gemüse- und Obsternte. In den Fachmärkten steht eine große Anzahl verschiedener Dünger zur Auswahl, die den Pflanzen die wichtigsten Nährstoffe bereitstellen. Oft handelt es sich dabei um mineralische Dünger mit Nitrat. Diese Kunstdünger haben eine schlechte Öko-Bilanz: Die Herstellung eines Kilos verbraucht zwei Liter Öl. Zudem kann das Nitrat das Grundwasser verunreinigen und zur Überdüngung natürlicher Gewässer beitragen.

Vor allem im Gemüsegarten sollte man ohnehin besser auf Kunstdünger verzichten, so NDR Gartenexperte Peter Rasch. Denn der Geschmack des Gemüses leide, durch das rasche Wachstum sei es sehr weich und verderbe schneller.

Organische Dünger setzen Nährstoffe langsamer frei

Rasch empfiehlt, stattdessen auf organische Dünger zurückzugreifen. Im Vergleich zu mineralischen Düngern enthalten sie weniger Stickstoff, daher müsse eine etwas größere Menge davon ausgebracht werden. Dafür setzen sie den Stickstoff erst frei, wenn sie durch die Bodenlebewesen zersetzt werden und entfalten ihre Wirkung daher langsam und gleichmäßig.

Düngen mit Mist, Hornspänen und Schafwolle

Ein Mann düngt verschiedene Kräuter in Töpfen mit Hornspäne. © picture alliance / dpa Themendienst Foto: Kai Remmers
Hornspäne wird aus zerstoßenen Hörnern und Klauen von Rindern gewonnen und ist ein guter organischer Dünger.

Wer auf dem Land wohnt, hat vielleicht die Möglichkeit, im Herbst Mist vom benachbarten Bauernhof zu holen und in den Boden einzuarbeiten. Alternativ sind in den Gartenmärkten Düngepellets auf Basis von Rinderdung oder Pferdemist erhältlich. Besonders gute tierische Langzeitdünger sind Hornspäne und Schafwolle, auch hier dauert es, bis die Nährstoffe bei der Zersetzung frei werden. Deshalb sollte man sie rechtzeitig und regelmäßig ausbringen.

Pflanzliche Dünger in Pelletform

Wer lieber auf Dünger pflanzlichen statt tierischen Ursprungs zurückgreifen möchte, findet diese in Pelletform oder als Flüssigdünger ebenfalls im Gartenmarkt, etwa auf Basis von Kakaobohnenschalen. Sie sind ein Abfallprodukt der Schokoladenindustrie und enthalten viele wichtige Pflanzennährstoffe.

Brennnesseljauche und andere Jauchen selbst herstellen

Brennnesseln in einem Topf mit schaumigem Wasser © ndr.de Foto: Udo Tanske
Pflanzenjauchen sind leicht herzustellen, günstig und ökologisch.

Organische Dünger auf Pflanzenbasis lassen sich auch sehr einfach selbst herstellen. Pflanzenjauchen enthalten viel Stickstoff und Kalium und sind nicht nur schonende Düngemittel, sondern machen die Pflanzen zugleich widerstandsfähig gegen Blattläuse, Spinnmilben und Raupen. Sie lassen sich aus verschiedenen Pflanzen herstellen, etwa aus Brennnesseln, Schachtelhalm, Giersch, Löwenzahn, Knoblauch, Zwiebeln und Kamille.

Für die Herstellung braucht man etwa ein Kilo Pflanzenschnitt auf zehn Liter Wasser. Die Herstellung der Jauchen benötigt etwas Zeit - es dauert etwa zwei Wochen, bis der Ansatz fertig ist. Alternativ kann man die Jauchen als Extrakte kaufen und einfach anmischen.

Düngen mit Kaffeesatz und Haushaltsabfällen

Auch im Haushalt fällt einiges ab, was sich als Dünger gut eignet. Fischabfälle etwa sind ein guter Tomatendünger, so Peter Rasch. Die Fischreste circa zehn Zentimeter unter den jungen Tomatenpflanzen eingraben. Bis die Wurzeln dort ankommen, ist der Fisch verrottet. Kaffeesatz eignet sich besonders gut zum Düngen von Pflanzen, die einen sauren Gartenboden benötigen wie Hortensien und Rhododendren oder Gurken, Zucchini und Erdbeeren. Den Kaffeesatz immer gut abkühlen und trocknen lassen - wenn er feucht ist, schimmelt er leicht.

Kompost anlegen

Kompost © fotolia.com Foto: airborne77
Kompost eignet sich zum Düngen und zur Verbesserung der Bodenqualität.

Andere Haushaltsabfälle wie Gemüse- und Obstreste, Eierschalen, aber auch Gartenabfälle wie Rasen-, Strauch- und Baumschnitt können auf den Kompost. Dort verrotten sie zu nährstoffreicher, humoser Erde - perfekt zum Düngen oder als Bodenverbesserer. Allerdings macht die Pflege des Komposts etwas Arbeit, ungefähr alle drei Monate sollte er umgeschichtet oder umgesetzt werden.

Düngen mit Urin

Weniger bekannt ist, dass auch Urin ein guter Dünger ist. Er sollte allerdings auf keinen Fall unverdünnt ausgebracht, sondern in einem Verhältnis zwischen 1:10 und 1:20 mit Wasser verdünnt werden. Urin eignet sich besonders gut für Starkzehrer wie Kartoffeln, Tomaten, Kürbis und Rosen, im Herbst ist er auch ideal für die Düngung von Hecken und Rasen. Auch Kompost kann regelmäßig mit verdünntem Urin gegossen werden, das reichert ihn mit Nährstoffen an und beschleunigt die Verrottung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Die Zarten im Garten | 07.07.2023 | 05:05 Uhr

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