Stand: 23.03.2020 19:12 Uhr

Lichtblick des Tages: Elternsolidarität bei Kita-Schließungen

von Anna Kremer

Unser heutiger "Lichtblick des Tages" betrifft die ganz Kleinen. Seit mehr als einer Woche sind im Norden die Schulen und Kitas geschlossen - auch unsere Kollegin Anna Kremer betreut ihr Kind zu Hause. Zwischen all dem alltäglichen Wahnsinn hat sie bemerkt, wie groß der Zusammenhalt zwischen Eltern und Erzieher*innen immer noch ist - trotz räumlicher Trennung.

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"Was macht ihr alle so den ganzen Tag?" Wenn die Kitas geschlossen sind, müssen Eltern und Kind ihren Tag neu strukturieren.

Unser Sohn ist knapp anderthalb Jahre alt. Seit Januar geht er in die Kita - und er liebt es. Er hat dort einen besten Freund, mit dem er Quatsch macht und lacht. Das hat uns seine Erzieherin erzählt. An dem Tag, an dem die Schul- und Kita-Schließungen bekannt gegeben wurden.

Seitdem sind wir alle zu Hause. Wir Eltern versuchen im Home Office zu arbeiten, während das Kind Türme aus Bauklötzen baut, seine Klamottenschublade umsortiert oder mit dem Bobbycar durch die Wohnung braust. Und seien wir mal ehrlich: all die Dinge, die sich Leute jetzt für die Quarantäne vornehmen - Bücher lesen, Steuererklärung machen, eine neue Sprache lernen - sind für uns zu Hause vollkommen unrealistisch. Wie für all unsere Freunde mit Kindern.

Wir sind jetzt alle zu Hause

Blick auf den Fußboden in einem Kinderzimmer mit Duplosteinen, Buntstiften und Büchern. © NDR Foto: Anna Kremer

Lichtblick des Tages: Elternsolidarität bei Kita-Schließungen

NDR Kultur - Klassisch in den Tag -

Es sind fast nur schlechte Nachrichten, denen wir dieser Tage begegnen. Wir wollen aber auch vom Positiven berichten: von Initiativen und Menschen, die sich füreinander stark machen.

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Dieser Gedanke hilft: wir sind damit nicht allein. Überall in Deutschland sitzen jetzt Eltern zu Hause mit ihren Kindern und fragen sich: Wie erkläre ich den Kleinen, dass sie nicht in die Kita können, nicht auf dem Spielplatz toben dürfen? Und vor allem: Wie kriegen wir die Zeit rum?

Als ich nach ein paar Tagen zum ersten Mal der Verzweiflung nahe bin, piept das Handy. Früher haben sich die Eltern im Kindergarten in Telefonlisten organisiert, heute sind es WhatsApp-Gruppen auf dem Smartphone. Es sind die Erzieherinnen: "Nun sitzen wir alleine hier im Kindergarten und wir vermissen Eure Kleinen so sehr", schreiben sie. "Meldet Euch gerne, wenn ihr Unterstützung braucht: Beraten können wir auch am Telefon."

"Was macht ihr alle so den ganzen Tag?"

"Habt ihr irgendwelche Rituale vor dem Mittagsschlaf?", fragt eine Mutter. "Was sind momentan Eure Top 3 Kinderbücher?", ein Vater. "Wo können wir eigentlich noch spazieren gehen, ohne zu vielen Menschen zu begegnen?" - "Dürfen die Kinder auch mal kurz Fernseh gucken?" Und: "Was macht ihr alle so den ganzen Tag?"

Und dann geht’s los: Die Nachrichten sprudeln nur so. Fotos, Vorschläge, Hörtipps und Lieblingsbücher trudeln ein. "Es ist eng, Homeoffice mit Kleinkind ist schwierig - aber die Laune ist noch gut. Wir hatten erst einen großen Familienstreit." - "Wir versuchen zu Hause kreativ zu werden. Wir haben ein Papphaus gebaut aus drei alten Kartons. Ein richtig mega cooles Papphaus mit Tunnel um die Ecke sogar." - "Wir stehen morgens so um 6 Uhr auf und dann heißt es immer gleich: malen, malen! Fische kann ich ja noch, aber seit neustem werden auch Wauwaus und Schweine verlangt. Das fordert mich." - "Meine Tochter Hedy hat gerade laufen gelernt, das ist unser Glück, damit ist sie jetzt ziemlich beschäftigt. Wir können ja momentan eh keine Schuhe im Schuhladen kaufen, daher ist es nicht so schlimm, dass wir nicht draußen rumlaufen können."

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Es ist eine anstrengende Zeit. Und schon nach wenigen Tagen bewundere ich die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher noch mehr. Dass sie auch jetzt für die Eltern und Kinder da sind, zwar nur digital, aber mit Zuneigung, konkreten Tipps und Motivation pur, ist ein echter Lichtblick. Und so viel los wie in der letzten Woche war in diesem Gruppenchat noch nie. Auch die Eltern halten zusammen, das ist ein richtig gutes Gefühl.

Gemeinsam schöne Momente erleben

Und übrigens, wenn der Sohnemann in den letzten Tagen in der Kita gewesen wäre, hätten wir wahrscheinlich folgende Momente verpasst: sein erstes echtes Wort ("Ball"), zehn Schritte im Flur (ohne festhalten) und jede Menge zusammengematschte Menüs aus der Kinderküche. So viel gemeinsame Zeit hatten wir lange nicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 24.03.2020 | 07:40 Uhr