Stand: 11.05.2020 09:04 Uhr

Weil kündigt Corona-Tests in Fleischindustrie an

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) steht vor dem Osnabrücker Werk des Textilherstellers Zender Germany GmbH. © dpa - Bildfunk Foto: Friso Gentsch
Verärgert über das "Hin-und-Herschieben von Arbeitnehmern": Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat gezielte Corona-Tests für Mitarbeiter der Fleischindustrie im Land angekündigt. Er reagiert damit auf mehrere Hundert Fälle von Corona-Infektionen unter Werkvertrags-Arbeitern in Schlachtbetrieben in Schleswig-Holstein, in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, die in den vergangenen Tagen bekannt wurden.

Mitarbeiteraustausch über Landesgrenzen

Weil zeigte sich bei seinem Besuch bei NDR 1 Niedersachsen empört über den Umgang mit Beschäftigten in fleischverarbeitenden Betrieben. Es ärgere ihn, dass die Betroffenen häufig unternehmensintern über Landesgrenzen hinweg hin und her geschoben würden. Diese Praxis werde so nicht weitergehen, kündigte Weil an. Den entsprechenden Unternehmen werde dies sehr deutlich gemacht.

Zunächst nur gezielte Tests

Zunächst sollen die Mitarbeiter dieser Unternehmen nun gezielt getestet werden. Weil schloss aber nicht aus, dass auch andere fleischverarbeitenden Betriebe künftig stärker auf Corona-Infektionen überprüft werden. Dies hänge auch von den Testergebnissen ab. "Ob wir anschließend die Schlussfolgerung ziehen müssen, die gesamte Branche noch enger in den Blick zu nehmen, werden wir dann zu entscheiden haben."

NGG: Ausbruch nur eine Frage der Zeit

Aus Niedersachsen sind bislang keine Corona-Infektionen unter Mitarbeitern in Fleischbetrieben bekannt. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hält das allerdings nur für eine Momentaufnahme. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, sagte Matthias Brümmer, Geschäftsführer der NGG im Raum Oldenburg/Ostfriesland. Seine Gewerkschaft beobachte die Zustände schon lange mit Sorge, gerade in den Hochburgen der Fleischbranche, in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg.

Behörden mit Kontrolle überfordert?

Brümmer beklagt, dass ein Infektionsschutz der Arbeiter kaum machbar sei - weder in den überbelegten Unterkünften noch in den Bussen, in denen sie gefahren werden. Ein Erlass, der Einzelzimmer und Abstände vorschreibe, werde von Betrieben und Subunternehmen unterlaufen. Zuständigkeit und Kontrollfunktionen würden zwischen Landkreisen, Kommunen, Betrieben und Subunternehmen hin und her geschoben. Das bestätigt Daniela Reim von der gewerkschaftsnahen Beratungsstelle für mobile Beschäftigte. Sie sagt: Die Arbeiter wehren sich nicht, verstehen oft die Sprache nicht und kennen nicht ihre Rechte. Die Arbeitgeber schüchterten Kritiker und manchmal sogar die Berater sehr wirksam ein und die Behörden seien mit der Kontrolle der Zustände offenbar überfordert.

Beschwerden beim Bundesarbeitsminister

Zuvor hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil die Länder aufgefordert, den Arbeitsschutz für Saisonarbeiter in der Fleischindustrie strenger zu kontrollieren. In einem Brief an die Bundesländer wies Heil darauf hin, dass sich bereits mehrere Diplomaten aus den Herkunftsländern der Arbeiter bei der Bundesregierung beschwert hätten. Sie behielten sich demnach "ausdrücklich weitere Maßnahmen" vor - etwa einen Ausreisestopp für Saisonbeschäftigte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.05.2020 | 07:00 Uhr

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