Stand: 07.07.2020 16:49 Uhr

Schule soll nach Ferien mit Regelbetrieb starten

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) spricht in der Landespressekonferenz. © NDR
Kultusminister Tonne hat für das Schuljahr 2020/21 drei Szenarien für den Schulbetrieb vorgestellt.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) geht davon aus, dass die Schulen weitgehend normal in das neue Schuljahr starten können. Die Pläne seien "nah an der Schule, wie wir sie vor Corona kannten", sagte der Kultusminister auf einer Pressekonferenz am Dienstag. Weil aber niemand genau wisse, in welcher Intensität sich das Infektionsgeschehen nach den Sommerferien entwickelt, hat das Kultusministerium drei verschiedene Szenarien für den Schulbetrieb entworfen. Das sind a) Eingeschränkter Regelbetrieb, b) Schule im Wechselmodell und c) Quarantäne und Shutdown. "Mit großer Wahrscheinlichkeit" werde im kommenden Schuljahr der Regelbetrieb der Fall sein - und damit werde man voraussichtlich auch nach den Ferien starten.

VIDEO: Schule: Kommt der Regelbetrieb nach den Ferien? (6 Min)

Kein Mindestabstand, aber feste Gruppen

Da der Regelbetrieb nicht mit einem Mindestabstand der Schüler vereinbar sei, werde letzterer aufgegeben. Die Schüler sollen dafür aber in festen Gruppen unterrichtet werden. Die maximale Bezugsgröße einer Gruppe sei eine Jahrgangsstufe. Dafür habe man sich entschieden, weil vor allem an weiterführenden Schulen klassenübergreifende Kurse gebildet werden. Eine Mund-Nasen-Bedeckung soll es laut Tonne im Unterricht nicht geben. Aber auf Fluren und Gängen, wo sich Schüler verschiedener Jahrgänge begegnen, soll das Maske-Tragen verpflichtend sein. Auch sollen Schüler den Mindestabstand von 1,5 Metern zu den Lehrkräften einhalten. Dies gelte nicht für Schüler einer Jahrgangsstufe untereinander, sagte Tonne.

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Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) spricht in der Landespressekonferenz. © NDR
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Kultusminister: "Wir müssen in Szenarien planen"

Am Dienstag hat Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) Pläne für den Schulbetrieb nach den Sommerferien vorgestellt. Es gibt drei Szenarien, die je nach Infektionslage angewandt werden. 1 Min

Kein Homeschooling für 1. bis 6. Klasse

Der Pflichtunterricht hat laut Tonne im kommenden Schuljahr "höchste Priorität". Erst wenn die Pflichtstunden abgesichert seien, sollen Lehrkräfte für Arbeitsgemeinschaften und Ganztagsangebote eingeplant werden. Trotzdem sei es unter Umständen möglich, dass Schüler einen Teil des Unterrichtsstoffes zu Hause erarbeiten müssten, etwa wenn Lehrkräfte ausfallen. Dies solle dann an maximal einem Tag pro Woche und nur ab der siebten Jahrgangsstufe der Fall sein. In den Klassen eins bis sechs solle das Lernen zu Hause vermieden werden, sagte Tonne.

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Der Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) spricht während einer Pressekonferenz. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
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Tonne zum Schulbetrieb nach den Sommerferien

Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat am Dienstag drei Szenarien für den Schulbetrieb nach den Ferien vorgestellt. Im günstigsten Fall soll wieder der Regelbetrieb gelten. 55 Min

Szenario Wechselmodell oder Homeschooling

Beim zweiten Szenario, Schule im Wechselmodell, handele es sich um das aktuell praktizierte Modell. Dabei müssen Abstandsregelungen beachtet und die Klassen geteilt werden. Lerngruppen werden nicht gemischt und es gibt eine Notbetreuung. An einigen Punkten werde allerdings nachgebessert, zum Beispiel, um schwächere Schüler besser zu fördern. Im dritten Szenario ist Homeschooling vorgesehen. Derzeit gibt es laut Tonne aber keinerlei Anzeichen dafür, dass flächendeckende Schulschließungen notwendig sein werden. "Nur wenn die Lage sich spürbar negativ entwickelt, werden wir eine der anderen Optionen ziehen", sagte der Minister. Lokale oder regionale Schulschließungen könnten aber für das Schuljahr 2020/21 nicht ausgeschlossen werden.

Lokale Schulschließungen nicht ausgeschlossen

Beim Homeschooling werde in einigen Punkten nachjustiert, sagte Tonne. So werde es klare Vorgaben für das Bereitstellen von Aufgaben und Arbeitsmaterialien geben, für die Kommunikation mit Schülern und für Feedback. Bis auf Weiteres gelte aber das Szenario a) Regelbetrieb, sagte Tonne. In den Sommerferien werde das Land dann zusammen mit dem Landesgesundheitsamt die Infektionslage genau analysieren. Dies sei vier Wochen vor Beginn des Schuljahres sowie zwei Wochen vorher geplant.

Zu wenig Lehrkräfte für Regelbetrieb?

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht nach eigenen Angaben nicht davon aus, dass der Regelbetrieb funktionieren wird. "Wir haben einen riesigen Personalmangel und marode Gebäude, das fällt uns jetzt auf die Füße", sagte die Landesvorsitzende Laura Pooth. Auch der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte ist skeptisch, dass der Kultusminister den Unterricht sicherstellen kann. Denn nach Berechnungen des Ministeriums zählen etwa zehn Prozent der Lehrer zur Risikogruppe. Die Betroffenen müssen dies mit einem ärztlichen Attest nachweisen. Tonne wies darauf hin, dass ein bestimmtes Alter allein noch keinen Risikofaktor darstelle. Blieben Lehrer im Homeoffice, müssten sie beispielsweise Videokonferenzen, die Betreuung von Schülern beim Lernen zu Hause oder Korrekturen übernehmen.

Kita-Regelbetrieb ab 1. August

In den Kindertagesstätten soll der Regelbetrieb wie geplant ab dem 1. August wieder aufgenommen werden. In einzelnen Einrichtungen seien allerdings kurze Verzögerungen aufgrund von Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen möglich. Insgesamt "wollen wir mit einem großteils normalen Kita-Jahr planen", sagte Tonne.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.07.2020 | 14:00 Uhr

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