Stand: 11.05.2020 20:58 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Schlachthöfe: Tausende Corona-Tests angekündigt

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Zwei Mitarbeiter von Schlachthöfen sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. (Themenbild)

Nach positiven Coronavirus-Tests bei zwei Schlachthof-Mitarbeitern im Emsland sollen zahlreiche Beschäftigte fleischverarbeitender Betriebe auf das Virus getestet werden. Voraussichtlich werden es niedersachsenweit mehrere Tausend Tests sein, wie die stellvertretende Leiterin des Krisenstabs der Landesregierung, Claudia Schröder, am Montagnachmittag sagte. Insgesamt seien im Land mehr als 20.000 Menschen in 183 fleischverarbeitenden Betrieben beschäftigt. "So schnell wie möglich wird jetzt mit den Testungen begonnen", so Schröder.

Emsland: Zwei Schlachthofmitarbeiter infiziert

Hallo Niedersachsen -

Im Emsland haben sich zwei festangestellte Schlachthofmitarbeiter mit dem Coronavirus angesteckt. Ein Interview mit Matthias Brümmer von der Gewerkschaft NGG.

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Betriebe müssen "Gefährdungsbetrachtung" vorlegen

Getestet werden sollen nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen Personen, die auf verschiedenen Schlachthöfen eingesetzt waren und Mitarbeiter mit Corona-Symptomen. Beim Krisenstab des Landes ist man sich sicher: Es habe zahlreiche Kontakte von Beschäftigten verschiedener Schlachthöfe gegeben - auch zu Betrieben, in denen das Virus grassiere. Bis Dienstagmittag müssten alle Schlachthöfe zudem eine "Gefährdungsbetrachtung" vorlegen, sagte Schröder. Anhand der Rückmeldungen werde man entscheiden, welche Betriebe möglicherweise sofort unter die Lupe genommen werden.

Wechsel zwischen Betrieben verboten

Außerdem wird untersagt, dass Mitarbeiter zu anderen Schlachthöfen in Niedersachsen wechseln. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte sich am Sonnabend bei einem Besuch bei NDR 1 Niedersachsen empört über den Umgang mit Beschäftigten in fleischverarbeitenden Betrieben gezeigt. Es ärgere ihn, dass die Betroffenen häufig unternehmensintern über Landesgrenzen hinweg hin und her geschoben würden. Diese Praxis dürfe so nicht weitergehen.

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Betroffene leben nicht in Sammelunterkünften

Ausbrüche des Coronavirus auf Schlachthöfen waren zuvor in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg bekannt geworden. Im Emsland sind zwei fest angestellte Mitarbeiter betroffen, die in Privatwohnungen leben. Werkvertragsarbeiter aus Sammelunterkünften seien ausdrücklich nicht betroffen, hieß es. Damit korrigierte der Landkreis erste Informationen, wonach drei Werkvertragsarbeiter, die in Sammelunterkünften wohnen, erkrankt seien.

Kontrollen im Landkreis Osnabrück geplant

Der Landkreis Osnabrück hat verstärkte Kontrollen in den Schlachthöfen angekündigt. Wie ein Sprecher mitteilte, sollen dabei insbesondere die Sammelunterkünfte der Leiharbeiter in den Blick genommen werden. Geplant sei zudem eine Überprüfung, ob von Subunternehmern verliehenes Personal mit Arbeitern von betroffenen Betrieben in Kontakt gekommen ist.

Überprüfungen ab kommender Woche

Der Landkreis Osnabrück geht den Angaben zufolge davon aus, dass die Schlachthof-Mitarbeiter schon länger in den bestehenden Konstellationen zusammenleben. Deshalb würden für diesen Personenkreis auch nicht die Quarantäne-Regeln wie für neu eingereiste Erntehelfer gelten. Die Behörden hätten die Eigentümer der Unterkünfte für Werksvertragsarbeiter in Schlachtbetrieben ausdrücklich über die geltenden Hygiene-Regelungen informiert und sie aufgefordert, die Regelungen vor Ort auszuhängen, heißt es. In der kommenden Woche sollen die ersten Überprüfungen durchgeführt werden.

Unterschiedliches Vorgehen in den Kreisen

Der Landkreis Cloppenburg dagegen wollte die Sammelunterkünfte wegen der Corona-Pandemie ausdrücklich nicht überprüfen. Die meisten Schlachthof-Mitarbeiter würden ohnehin als Mieter in normalen Privatwohnungen leben, sagte ein Sprecher. Man hatte sich mit Vermietern bislang auf freiwillige Kontrollen geeinigt, hieß es, diese seien seit März wegen der Pandemie ausgesetzt. Einfach Hausbesuche zu machen, sei rechtlich nicht möglich. Auch soll es keinen Personalaustausch mit den bislang betroffenen Schlachthöfen gegeben haben. Eine neue Weisung des Landes Niedersachsen dürfte nun eine neue Planung erfordern: Alle Landkreise sollen die bekannten Sammelunterkünfte daraufhin überprüfen, ob alle Bewohner Einzelzimmer haben.

Massentest in Bakum

Der Landkreis Vechta berät derzeit noch über das weitere Vorgehen. Klar ist aber bereits, dass alle 80 Mitarbeiter eines Schlachthofs in Bakum getestet werden sollen. Der Grund: Der Schlachthof gehört zu dem stark betroffenen Unternehmen in Coesfeld (NRW). Weil nicht bekannt ist, ob Mitarbeiter aus dem Werk in Bakum auch in Coesfeld gearbeitet haben, erfolge dies vorsorglich, so der Landkreis Vechta.

NGG warnt vor Massen-Ausbrüchen

Zuvor hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vor weiteren Corona-Ausbrüchen auf niedersächsischen Schlachthöfen gewarnt. Fälle wie in Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein, wo sich Hunderte Mitarbeiter infiziert hatten, seien auch hier sehr wahrscheinlich, sagte der Geschäftsführer der NGG im Raum Oldenburg-Ostfriesland, Matthias Brümmer. Die Frage sei nicht ob, sondern wann das Virus in der Fleischindustrie Einzug halte, bekräftigte Brümmer am Montagabend im NDR Fernsehen. Tests in einzelnen Betrieben reichten nicht aus, findet Brümmer: "Das geht nicht weit genug. Es müssen alle getestet werden, ohne Ausnahme." Seine Gewerkschaft beobachte die Zustände schon lange mit Sorge. Besonders in den überbelegten Unterkünften der Arbeiter sei ein Infektionsschutz kaum machbar. "Wenn wir unsere Hühner so unterbringen würden, hätten wir ein Problem mit dem Tierschutz." Ein Erlass, der Einzelzimmer und Mindestabstände vorschreibe, werde von Betrieben und Subunternehmen unterlaufen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 11.05.2020 | 17:00 Uhr

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