Stand: 20.08.2020 10:01 Uhr

Karneval während Corona: Jecken suchen Lösung

Mit Schwämmen dekorierte Männer stehen neben einem Schild mit der Aufschrift "Schwamm drüber" beim Fastnachtsumzug des Dammer Carnevals. © dpa - Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich
Wegen Corona fallen die großen Rosenmontagsumzüge in Niedersachsen sehr wahrscheinlich aus. (Archivbild)

Karneval in Zeiten von Corona - das kann sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schlicht nicht vorstellen. In Niedersachsens Karnevals-Hochburgen ist man da geteilter Meinung. Zwar zeigen die Vereine Verständnis für Spahns Sorge, die er der "Rheinischen Post" zufolge am Dienstag in einer Telefonschalt-Konferenz des Gesundheitsausschusses geäußert haben soll. Ihren Karneval wollen viele aber trotz Corona nicht ganz abschreiben. Statt großer Festumzüge und Prunksitzungen planen manche Vereine nun kleinere Feiern. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ist skeptisch. "Nach dem heutigen Stand wird es keinen Straßenkarneval in Niedersachsen geben, denn es gibt eine Personengrenze, die bei 999 Menschen liegt. Fast jedes Bürgerfest ist größer", sagte Weil der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ).

Kein Schoduvel in Braunschweig

"Weihnachten und Karneval lässt sich nicht absagen", sagte Gerhard Baller vom Komitee Braunschweiger Karneval im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. Zwar werde es Niedersachsens größten Rosenmontagsumzug, den Schoduvel, in dieser Saison sicher nicht geben. Aber es werde zumindest ein bisschen Ersatz geplant, so Baller. So solle es etwa zum Start der Session am 11. November eine Prinzenproklamation am Kohlmarkt geben und im Februar einen Tag der offenen Tür im Schoduvel-Zentrum - alles jeweils mit begrenzter Teilnehmerzahl und Hygienekonzept.

Kleine Veranstaltungen in Osnabrück

In Osnabrück planen die Karnevalisten nur kleinere Ersatztermine. Keiner habe Lust, zum Corona-Hotspot zu werden, sagte Detlef Spindler von der Osnabrücker Dachorganisation der Karnevals-Vereine. Man denke aber noch über einen Plan B nach. Dies könnte eine kleine Prinzenproklamation im Rathaus sein oder eine Online-Aktion.

Carneval in Damme fällt wohl ganz aus

Dagegen wird die Session 2020/21 in Damme voraussichtlich komplett ausfallen. Davon geht der Präsident der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614, Benno Goda, aus. Das Fest lebe vom Kontakt zwischen den Menschen und man sei verantwortlich für deren Gesundheit, sagte er auf Anfrage von NDR 1 Niedersachsen. Karneval könne man nur "ganz oder gar nicht feiern", deshalb könne er sich eine Session diesmal kaum vorstellen. Die letzte Entscheidung werde aber der Elferrat nach weiteren Gesprächen am 14. September fällen - vorausgesetzt, die Politik habe bis dahin nicht ohnehin schon darüber entschieden, so Goda. Eine spätere Entscheidung sei kaum möglich, weil die Wagenbauer dann mit der Arbeit beginnen würden.

Lindener Narren sagen Auftritte ab

Die Lindener Narren aus Hannover haben die kommende Session schon abgesagt. Zum ersten Mal in der 55-jährigen Geschichte würden keine öffentlichen Auftritte vor Publikum stattfinden, kündigte der Präsident der Karnevals-Gesellschaft, Martin Argendorf, am Mittwoch an. Die Gesundheit der Menschen gehe in der Corona-Pandemie vor, so Argendorf. Mit Abstand und Hygieneregeln lasse sich nicht ausgelassen feiern, so auch seine Meinung.

Ausfall in Emsbüren, Papenburg hält an Umzug fest

Auch die Karnevalsgesellschaft Kespel Emsbüren teilt bereits jetzt auf ihrer Homepage mit, dass die Session coronabedingt ausfällt. Noch nicht ganz abgeschrieben haben dagegen die Papenburger ihren Karneval. Der Karnevals-Verein warte auf klare Ansagen vom Bundes- und Landesverband. Fest steht für Vereins-Präsident Wolfgang Heyen: Sitzungen unter Corona-Auflagen wird es nicht geben. Der Papenburger Umzug hingegen soll nach jetzigem Stand stattfinden - zur Not könne man ihn Anfang des Jahres kurzfristig absagen, sagte Heyen.

Verband gibt keine pauschale Empfehlung

Der Karneval-Verband Niedersachsen will seinen Mitgliedern nicht pauschal empfehlen, alles ausfallen zu lassen. Karneval sei mehr als die großen Umzüge, sagte Präsident Karl-Heinz Thum. Es könne ja auch kleinere Feiern mit Abstand oder draußen geben. Darüber müssten die Vereine vor Ort entscheiden, so Thum. Das wolle man nicht von oben vorgeben. Irgendwie werde es auch in dieser Session einen Karneval geben, aber der werde sicher kleiner - und ganz anders als sonst.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.08.2020 | 13:00 Uhr

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